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Sonntag, 25. Januar 2015

Das Gras auf der anderen Seite ist wirklich grüner…



Sonntag, 18.01.2015

Nach einer knappen Woche zurück in Cochrane, in der ich sämtliche Erledigungen machte, wie mein letztes Gehalt vom Campingplatz abzuholen, ein Navi zu besorgen und Vorräte ein zukaufen, verließ ich Alberta für ein weiteres Abenteuer.

Am Donnerstag ging es für meine Verhältnisse sehr früh aus den Federn und, nachdem ich meine hundert tausend Dinge im Auto verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg. Über 400km Richtung Westen nach Revelstoke sollte mein Ziel sein. So fuhr ich in die Berge hinein und machte nach einiger Zeit am berühmten Lake Louise Halt, der komplett zugefroren ist. Zurzeit fand dort ein Skirennen statt und auf dem Eis konnte man Schlittschuh fahren und Eishockey spielen. Ich kann gar nicht sagen, ob mir der See besser im Sommer oder im Winter gefällt. Das Bild, das ich am Donnerstag sah entsprach einfach einer perfekten Winterlandschaft. 


Lake Louise im Winter

So war meine Pause sehr erholsam und motivierend für die Weiterfahrt. Bald fuhr ich über die Provinzgrenze von Alberta nach British Columbia vorbei an jeder Menge gefrorenen Wasserfällen in den Bergen. Nach ungefähr fünf Stunden Fahrzeit erreichte ich das Ziel meiner ersten Tagesetappe. So besuchte ich zunächst die Touriinfo von Revelstoke, um zu erfahren, dass so ziemliche jegliche Attraktion der kleinen alten Eisenbahnstadt in den Rocky Mountains im Winter geschlossen hat. Anschließend wollte ich mich um meine Unterkunft für die Nacht kümmern. Blöderweise hatte die Rezeption vom Samesun-Hostel, welches meine erste Anlaufstelle sein sollte, bis 15 Uhr Mittagspause. Also nutzte ich die nächste Stunde dafür, mein Auto für den folgenden Tag startklar zu machen und die verschneiten Wagons draußen auf dem Gelände des ebenso geschlossenen Railway Museums zu fotografieren. Als ich wieder im Hostel aufschlug, standen die Leute natürlich schon Schlange. Der Typ an der Rezeption war die Ruhe selbst und kam leider so gar nicht aus dem Knick. Wie sich herausstellte, kam er auch aus Deutschland, bevorzugte es allerdings mit mir Englisch zu sprechen. Schließlich kam er irgendwann dazu mir mein Zimmer zu zeigen, das ich mir mit drei Jungs teilte. Allgemein schien ich das einzige Mädchen im Hostel zu sein. Einer des Jungs war Florian, der ebenfalls Deutscher ist und für sieben Monate in Kanada eigentlich nur den Part des Travel vom Work and Travel ausübt und auf den unmöglichsten Strecken durchs Land fliegt. Zum Abendbrot starteten wir zu zweit eine riesige Nudelkochaktion und sahen am Ende doch ein wenig arm aus gegen das Luxusessen, das sich Johann gezaubert hatte, der ebenfalls in unserem Zimmer wohnt. Johann ist nur für ein paar Wochen im Land, kommt aus Australien und ist eine unheimlich gesellige Person. Der vierte im Zimmer war ein weiterer Australier namens Jack, mit dem ich allerdings kaum etwas zu tun hatte. Als viele der Jungs im Spa-Bereich waren, habe ich mit ein paar anderen einen furchtbaren Alien-Film geschaut, bevor alle ins Bett verschwunden sind. Ich hatte erst ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich meinen Wecker auf 8 Uhr frühs gestellt hatte. Plötzlich standen jedoch alle außer uns beiden Deutschen noch eine Stunde eher auf und als ich schließlich aus dem Bett kroch, war das Haus fast komplett leer und alle anderen schon auf der Skipiste. So packte ich in Ruhe meine Sachen zusammen und brachte sie ins Auto. 

Draußen musste ich allerdings feststellen, dass es in der Nacht ordentlich geschneit hatte und immer noch dicke Flocken vom Himmel fielen. So grub ich erst einmal mein Auto aus, stellte sicher, dass im Hostel noch Betten für die kommende Nacht frei waren und checkte den Wetterbericht und die Straßenbedingungen, bevor ich auscheckte und mich versuchsweise auf den Weg machte. In Revelstoke selber war das Fahren nicht wirklich schön, da man nicht wirklich weit sehen konnte und die Fahrbahnmarkierungen weitgehend vom Schnee bedeckt waren. Dennoch kam ich langsam voran und nach einer guten halben Stunde fing die Wolkendecke plötzlich an nach und nach aufzureißen und der Schnee hörte auch auf. So kam ich relativ durch bis Sicamous durch, wo ich eine kleine Pause einlegte und den Weg nach Kelowna einschlug. Erst war ich nicht so begeistert, da die Straße sehr eng war und mich durch gefühlte tausend Kleckerdörfer dührte, aber je weiter ich fuhr, umso atemberaubender wurde die Landschaft. Ich fuhr durch Tunnel und über Brücken und vor allem an unzähligen nicht gefrorenen, aber super schönen, Seen vorbei, bis ich um die Mittagszeit mein zweites Zwischenziel bei strahlendem Sonnenschein erreichte. 

In Kelowna wurde ich herzlich von Todd und Angela und ihrem Hund Winston empfangen, die vor einem halben Jahr hierher gezogen waren. Ihr neues Haus ist super schön mit einer Panoramasicht auf den großen See. Leider habe ich nicht mehr von der Stadt gesehen, da ich mich am Nachmittag viel mit ihrer Tochter Arielle beschäftigte. Zum Abendbrot wurde groß gegrillt und so hatte ich einen sehr schönen halben Tag im Okanagan Valley. 

Gestern kam ich dann leider erst sehr spät von Kelowna los und die erste Hälfte der Strecke war auch nicht wirklich angenehm,  da es ganz oben in den Bergen total nebelig war und man praktisch gar nichts mehr sehen konnte. Als sich die Sicht später dann doch noch aufklärte, konnte ich dafür sogar noch 120km/h auf dem schnellsten Highway des Landes fahren. Halt machte ich auf der Strecke in Merrit, wo man wirklich ein Problem hat, wenn man dort wohnt, weil man einfach abgeschieden von allem ist. Umso weiter ich fuhr, desto weniger Schnee war zu sehen und desto grüner wurde die Landschaft. 

Nachdem ich einmal quer durch die Provinz von BC um die 1000km an drei aufeinanderfolgenden Tagen gefahren bin, bin ich also schließlich in Vancouver angekommen, wo ich natürlich sofort mit Regen empfangen wurde, als ich die riesigen Brücken überquerte. In Nord-Vancouver fuhr ich erst einmal einige Runden um den Block, um einen Parkplatz zu finden. Hier ist es nicht mehr so einfach wie in Cochrane, einfach vor dem Haus zu parken. Für die nächsten paar Tage werde ich bei Rose bleiben, die wir damals bei den Takkakaw Falls kennengelernt haben. Da Rose zu dem Zeitpunkt meiner Anreise arbeiten musste, sollte mich ihre Lebensgefährtin Joy hinein lassen und empfangen. Da diese jedoch noch shoppen war, stand ich erst einmal vor verschlossenen Türen. Dann kam eine Omi aus dem Haut, die natürlich schon fünf Minuten vom Fahrstuhl zur Haustür brauchte, aber das auch nur machte, um mich in den Flur zu lassen, damit ich nicht draußen warten musste. Kurz darauf kam Rose in ihrer Pause vom Krankenhaus zu mir hinüber gelaufen (sie und Joy sind beide Krankenschwestern). Die kleine Wohnung der beiden ist super schön und ich fühle mich hier sehr wohl, obwohl ich nur im Wohnzimmer auf der Couch schlafe. Rose musste dann wieder zur Arbeit und so wartete ich alleine in der Wohnung, bis Joy mit Blumen und tausend Entschuldigungen hineinkam. Joy ist genauso nett wie Rose und beide Filipinos haben mich vom ersten Moment an sehr herzlich aufgenommen. Abends gab es eine leckere Lasagne und wir guckten noch einen Film.


grüne Wiesen, blaues Wasser, Sonnenschein und Strand


Heute Morgen konnte ich ausschlafen und von meiner Fahrt erholen. Anschließend sind wir zusammen nach Downtown gefahren und haben Crêpes zum Frühstück gegessen (wobei bei dem von Joy einfach mal der Schinken fehlte) und waren bei der Art Gallery, um einen Geocache zu finden. Weiter ging es zur traditionellen Steamclock (Dampfuhr), die momentan einfach mal nicht da steht. Übriggeblieben ist nur noch der Sockel, der Dampf und ein Überzug, der aussagt, dass die Uhr für Reparaturen bis Dezember 2014 mal eben nicht da ist. Nun ist es aber leider schon Januar 2015 und wir konnten es einfach nicht fassen. Anschließend besuchten wir die Cauldron, die Olympische Fackel von 2010. Zudem hatten wir einen guten Blick auf die Segeln des Canada Place und auf North Vancouver, wo die kleine Wohnung liegt. Danach haben wir Rose am Seabus abgesetzt, damit sie noch ein wenig zu Hause schlafen kann, bevor ihre Nachtschicht beginnt. Joy und ich sind auf die Granville Island gefahren, wo vor allem lokale Produkte, Handwerke und Künstler vorzufinden sind. Die Häuser sind alle in schönen Farben gestrichen und ein Laden ist schöner als der andere. Unter anderem waren wir in einem super schönen Hängemattenladen und durften uns mal so richtig schön ausschaukeln. Außerdem haben wir den großen Markt auf der Insel besucht und uns sehr amüsiert, als eine Möwe einem Mann die Pizza klaute. Als wir wieder von der Insel herunter fuhren, haben wir eine lachende Statuengruppe besucht, durch die man selber einfach auch lachen musste. Gleich daneben war der wunderschöne Strand des English Bay und wir sind etwas am Wasser entlang gelaufen. Es war so schön am Meer zu sein. Das Wetter war wunderbar, die Sonne schien und wir konnten sogar Kanada Gänse entdecken, die ja eigentlich im Winter nach Süden fliegen. Also total sommerlich. Im Wasser haben wir in der Ferne eine Robbe gesehen. Nach unserem Strandspaziergang und dem Besuch des Inukshuks fuhren Joy und ich in den Stanley Park, von wo wir einen Ausblick sowohl auf Downtown Vancouver als auch auf North Vancouver hatten, die Totempfähle und den Leuchtturm besucht haben und allgemein den Park mit seinen alten Bäumen genossen haben. Über die Lions Gate Bridge ging es dann wieder auf die Nordseite. Dort haben wir Joys siebenjährige Nichte abgeholt und waren mit ihr Frozen Yoghurt essen. Wieder in der Wohnung haben wir ein selbstgekochtes philippinisches Abendessen gehabt und Denise Lieblingsfilm „Maleficent“ geschaut. Insgesamt war es einfach nur ein wundervoller Tag bei wundervollem Wetter mit wundervollen Leuten in einer wundervollen Stadt.



Die Olympische Fackel bei Nacht. Präsentiert von Rose und Jenny ;)


At the "Hangout Place"

Beeindruckende Indianerkunst im Stanley Park

Samstag, 24.01.2015

Rose und Joy sind einfach klasse. Nicht nur, dass sie mich so ohne weiteres aufnehmen, sie bekochen mich jeden Tag mit Köstlichkeiten, geben mir die besten Reisetipps und zeigen mir die schönsten Orte. Ganz nebenbei arbeiten sie auch noch Tag und Nacht im Krankenhaus und sehen sich selbst kaum. Da am Montag wieder das schönste Wetter über Vancouver herrschte, genossen Rose und ich den Vormittag am Strand vom Nordteil der Stadt. Wir liefen die Promenade entlang und im Sand und waren auch auf zwei kleinen Seebrücken. Anschließend setzte ich Rose zu Hause ab, damit sie vor ihrer Nachtschicht noch ein wenig Schlaf bekommen konnte. So fuhr ich alleine weiter auf den Cypress Mountain, von wo ich eine traumhafte Aussicht auf die Stadt umgeben vom Wasser hatte. Der Ausblick war wirklich überwältigend. Ganz oben auf dem Berg war sogar ein Skigebiet, obwohl der Schnee hier irgendwie nicht hin passt. Da es eine Austragungsstätte der Olympischen Winterspiele war, konnte ich dort auch die großen Olympischen Ringeg und einen weiteren Inukshuk (das sind die Steinstatuen, die hier überall im Land verbreitet herumstehen) bewundern. Zum Abschluss meines Ausflugs furh ich zum Horseshoe Bay. Das ist die Bucht, von der die großen Fhren nach Nanaimo auf Vancouver Island abfahren. Obwohl das Örtchen einfach nur aus dem Hafen besteht, war es total schön dort ein wenig umher zu laufen und das Wasser und die Berge zu genießen. 

Einfach nur "stunning", wie man hier so schön sagen würde.

Hanni II in Horseshoe Bay

Am Tag darauf hatte Rose dann auch frei und wir waren gemeinsam einige Stunden im Stanley Park, dem riesigen Stadtpark hier, geocachen. So sind wir sehr, sehr viel gelaufen, sind aus Spaß auf die vielen riesigen Bäume geklettert und mussten dann für die Caches auf die Bäume klettern. Man fühlt sich in dem Park wirklich ein wenig wie im Regenwald. Alles ist so grün und ein wenig feucht und die Bäume sind so groß, dass sie nie komplett auf ein Foto passen. Außerdem hat der Park auch noch den bekannten Hollow Tree zu bieten, dessen hohler Stamm so groß ist, dass ein komplettes Auto darein passt. Zudem hatten wir eine schöne Sicht aufs Meer und den Siwash Rock, der einfach so aus dem Wasser herausragt. Zum Mittag sind wir dann spontan zu Ikea gefahren, weil wir so Appetit auf Hot Dogs und Meatballs hatten. Anschließend fuhren wir in den Queen Elizabeth Park, von wo wir wieder eine ganz andere Perspektive auf die Stadt in der Dämmerung erhielten und später noch ein paar Caches fanden, wobei wir das Gefühl hatten, wir wären im Dschungel. So sind wir an dem Tag wirklich eine Menge gelaufen und nachdem wir Joy von der Arbeit abgeholt haben, hatten wir uns unser Abendbrot in der „Old Spaghetti Factory“ wirklich verdient. 

"Ich dachte wir könnten da mal einfach rein klettern."
So schön, am Meer zu sein...
Jenny genießt die Aussicht.

Am Mittwoch haben wir Joy dann ihren Schlaf vor der Arbeit geklaut und sie einfach mit zu den Shannon Falls geschleppt. Bei dem Wasserfall war ich vor fast drei Jahren schon einmal und ich kann mich erinnern, dass es da nur so an Touristen wimmelte. Ich glaube, ich würde jedem empfehlen Vancouver im Winter zu besuchen, denn regnen kann es immer, aber Schnee gibt es hier kaum und zu dieser Zeit reisen einfach so wenige. So hatten wir den Wasserfall komplett für uns und haben einige Zeit dort verbracht. Zurück ging es entlang des Seatosky Highways, einer Straße entlang des Meeres und den Bergen, was ein tolles Panorama darstellte. Von der kurvenreichen Fahrt und der beeindruckenden Sich wurde ich allerdings unglaublich müde. Dennoch hielten wir noch beim Whytecliff an und kletterten ein wenig auf der Felsenformation direkt am Wasser. Nach einer sehr kurzen Pause in der Wohnung ging es für uns drei auch schon nach Downtown. Joy musste ihre Schicht beginnen und Rose und ich erkundeten den Canada Place am Hafen mit seinen großen weißen Segeln als Anlegeplatz für die Kreuzfahrtschiffe im Sommer. Nachts werden die Segel zur derzeitigen Jahreszeit von Lichtern ähnlich wie beim Parliament Building in Ottawa angestrahlt. Dort waren wir dann auch noch kurz Geocachen und haben auch einen riesigen Reiher gesehen. Obwohl ich am Nachmittag schon so müde war, machten wir noch einen kleinen Mitternachtssnack zurück in North Vancouver und schauten einen weiteren Film.

One, two, three JUMP!

Wir genießen die Weite des Meeres vom Whyte Cliff


Nach dem Aufstehen am Tag darauf holte Rose ihre Gitarre heraus und so machten wir einfach mal ein wenig Musik zusammen. In ihrem Auto wird sowieso immer gesungen, egal was läuft. Für den restlichen Tag hatten wir uns vorgenommen, eine kleine Wanderung zu unternehmen. So sind wir in einer Gegend, die noch mehr an den Regenwald erinnerte hoch zum Quarry Rock gelaufen. Dies ist eine weitere Felsformation, von der wir eine Aussicht auf einen kleinen See in den Bergen hatten. Wir haben am Aussichtspunkt einige Locals getroffen, die den Weg regelmäßig laufen, weil er einfach so schön ist. Leider war es ein wenig nebelig, wodurch die Sicht nicht mehr ganz so schön war, die Atmosphäre allerdings etwas mystisch wirkte. 

Rose im Nebel auf dem Quarry Rock

 Abends fuhren wir wieder nach Downtown. Ich verbrachte dort die letzten beiden Nächte auf der Couch bei Livia, die ich aus der Schule kenne und auch ein Jahr hier in Kanada arbeitet und lebt. Sie wohnt mit ihrem Freund Krischan und ihrem norwegischen Mitbewohner Henrik in einer kleinen einfachen, aber total gemütlichen Wohnung im Zentrum der Stadt. Zu viert waren wir bei ihnen in der Nähe Nachos essen. Es ist wirklich verrückt, wie selbstverständlich es ist mit jemandem Englisch zu sprechen, obwohl man sechs Jahre lang in Deutschland auf dieselbe Schule gegangen ist. So haben wir noch bis in die Nacht über unsere Erlebnisse und Erfahrungen gequatscht, da Livia und Krischan einige der wenigen sind, die wissen, wie das Leben in Deutschland UND das in Kanada ist. 

Da alle drei am nächsten Morgen zur Arbeit oder Uni mussten, habe ich zunächst alleine Downtown ein bisschen mehr erkundet. Leider hat es wie aus Eimern geschüttet und ich war nach kurzer Zeit echt klitschenass. Ich habe mich davon allerdings nicht irritieren lassen und habe meine Runde auch bei diesem Mistwetter durchgezogen. Zunächst habe ich Livia auf ihrer Arbeit im Café und Restaurant einen Besuch abgestattet und das Gelato probiert, welches wirklich gut was. Anschließend habe ich meinen Weg vorbei an der Terry Fox Statue vor dem BC Place Stadium und der Rogers Arena, wo das Eishockeyteam der Vancouver Canucks spielt, fortgesetzt. Den einen Abend saß ich auch mit Rose und Joy vor der Übertragung eines Spiels und wir haben mitgefiebert wie irre. Weiter bin ich dann in die Chinatown gelaufen und habe mir den schönen chinesischen botanischen Garten angeschaut, in dem es durch den vielen Regen leider sehr matschig war. Meine nächste Station war de Gastown, die Altstadt von Vancouver mit der Statue von Gassy Jack, der dort das erste Lokal eröffnete. Ganz überraschend stand auf meinem Weg dann plötzlich die richtige Steamclock vor mir. Eine Studentin aus Brasilien war genauso überrascht wie ich und so konnten wir diese Attraktion auch noch bewundern. Als ich schließlich beim Canada Place angekommen war, war ich von Kopf bis Fuß so durchnässt, dass ich einfach irgendwo reingehen musste. Darum entschied ich mich in den 4D-Film „Fly Over Canada“ zu gehen, der auf einer riesigen Leinwand all die landschaftlichen Eindrücke zeigt, die das Land zu bieten hat. Dabei hängt man in seinem Sitz wirklich in der Luft und ist total überzeugt davon, dass man echt fliegt. Anlässlich des chinesischen Neujahrs zeigten sie im Voraus noch einen ähnlichen Film über China und am Ausgang wurden sogar Glückskekse verteilt. Anschließend war ich aufgewärmt und getrocknet für den Rückweg zur Wohnung. Livia und Krischan hatten auch Feierabend und so saßen wir noch eine Weile zusammen, bevor wir uns abends auf den Weg zum „Trees Organic Café“ machten, in dem Mama immer so gerne Käsekuchen gegessen hat. Jeden Freitag geben dort drei Künstler ein kleines Konzert. So haben wir drei total unterschiedliche Charaktere erlebt, während wir unseren hervorragenden Käsekuchen mampften. Die erste war eine süße junge Frau im Countrystil mit einer total klaren Stimme. Der zweite Sänger war ein etwas älterer Cowboy mit einfacheren, aber vor allen sehr traurigen Songs und bei der dritten haben wir gesagt, dass das eindeutig eine Lehrerin sein muss. Ihre Musik war ein bisschen sehr alternativ und sie ist beim Singen zu ihrem merkwürdigen Volksinstrument etwas ausgerastet. So war es ein sehr lustiger und vor allem interessanter Abend. 

Da ist sie!! Die Steamclock im Regen.
 
Cheesecake essen bei etwas außergewöhnlicher Live-Musik
Nachdem heute alle außer Livia ausschlafen durften, habe ich ihr noch auf der Arbeit tschüss gesagt und wer weiß, vielleicht trifft man sich ja nochmal irgendwo im großen weiten Kanada. Anschließend bin ich zum Hafen gelaufen und mit dem Seabus zurück nach North Vancouver gefahren. Da es so nebelig ist, hatte ich von dem Blick auf die Skyline leider nicht wirklich viel. Bevor ich nun morgen die Stadt verlasse, bleibe ich die Nacht noch bei Rose und Joy.

Meine Woche in Vancouver war wirklich toll. Es hat sehr Spaß gemacht, Livia und Krischan zu besuchen und es war einfach einmalig die Gastfreundschaft von Rose und Joy erleben zu dürfen. 

Jenny

Dienstag, 13. Januar 2015

Das neue Jahr beginnt und die Reise geht weiter



Donnerstag, 25.12.2014

Auch du meine Güte… Ich sitze gerade am Flughafen, bin völlig fertig und hatte ein interessantes Weihnachten.  Im Nachhinein betrachtet kann man es sogar fast als traditionell kanadisch ansehen, aber von vorn. Gestern kam am frühen Nachmittag Santa Claus auf einem Feuerwehrauto durch Cochrane gefahren. Leider rauschte er nur so durch die Straßen, aber irgendwie hatte es etwas. Hätten wir nun noch Schnee dazu gehabt… Abends kamen die Nachbarn zum Besuch vorbei, um eigentlich nur eine Stunde lang zu bleiben. Die Kinder sind reinste Energiebündel und so wollten sie natürlich am liebsten den ganzen Abend im Keller spielen. Als die beiden dann müde waren, hat Tracie ein sehr altes, aber schönes Akkordeon hervorgezaubert und auch wenn ich Ewigkeiten nicht mehr gespielt hatte, waren wir in der Lage zusammen ein wenig Weihnachtsmusik zu machen. Am 23:00 Uhr sind alle schließlich wieder nach Hause gegangen und Marc, Caren und ich haben angefangen Fondue zu essen. Bis wir dann zur Bescherung kamen, war es wirklich schon der nächste Tag. Die Kanadier packen ihre Geschenke ja schließlich auch erst am Morgen des 25. Dezembers aus. Als wir um 3:00 Uhr früh schließlich ins Bett fielen, waren wir von einem schönen und langen Tag sehr erschöpft.
Um 6:15 hatte ich geplant wieder aufzustehen da Zoe mich eine Stunde später zum Flughafen bringen sollte. Zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt haben mich Caren und Marc geweckt, da mich meine Wecker im Halbschlaf scheinbar wenig interessiert haben und ich somit volle Kanne verschlafen hatte. Zum Glück hatte ich schon alles fertig gepackt.
Sehr übermüdet sitze ich nun am Flughafen und warte, dass mein Flug losgeht. Gerade würde ich gerne einfach wieder einschlafen, aber damit warte ich lieber noch bis ich im Flieger sitze damit ich meinen Flug nicht doch noch verpasse. 

Weihnachten in Cochrane


Mittwoch, 31.12.2014

Wo soll ich nur anfangen? In der letzten Woche des Jahres ist so verdammt viel passiert. Auf dem Flughafen in Montreal gab es die erste Überraschung. Plötzlich stand nämlich nicht nur Mama, sondern auch Papa auf dem Flughafen. Obwohl Rose vermutet hatte, dass das so sein würde, hatte ich damit so überhaupt nicht gerechnet und mich riesig gefreut.

Nun bin ich also mit meinen Eltern in der Provinz Québec unterwegs. Die Zeitverschiebung von zwei Stunden kam mir am Donnerstag ganz recht, da ich so früher schlafen gehen konnte und so den fehlenden Schlaf vom Heiligabend nachholen konnte. So gingen wir abends nur noch im Hotel essen. Unser Hotel war ein wenig heruntergekommen, aber dafür war die Lage klasse. Der Winter schien noch nicht wirklich in der Stadt angekommen zu sein. Dafür war den Kanadiern sehr wohl bewusst, dass Weihnachten vorbei war und so stürmte jeder zum Boxing Day in die Geschäfte. Wir sind zunächst einmal durch die Underground City geschlendert, die wir erst ein wenig suchen mussten, da das eigentlich nur ein paar Gänge sind, die die Malls der St. Catherine Street bzw. der Rue St. Catherine verbinden. In Québec wird nämlich vorzugsweise Französisch gesprochen. Abends sind wir durch Downtown gelaufen, wo acht Hausfassaden mit einer Lichtershow beleuchtete wurden. Die Atmosphäre eines antiken Karnevals wurde so unter anderem auf einer Kirche dargestellt. Auf dem Quartier des Spectacles war außerdem ein großes Prisma aufgebaut, wodurch der gesamte Platz in den verschiedensten Farben leuchtete. 

Lichtshow in Montreal

Am nächsten Tag waren wir in der Altstadt von Montreal unterwegs. Der alte Hafen war nicht wirklich sehenswert, dafür aber die Basilika Notre Dame. Vom Besuch dieser Kirche wird man einfach überwältigt. Zuvor waren wir schon in der Basilique Marie Reine Du Monde gewesen, aber die Notre Dame ist wirklich einzigartig und die Farben des Altars erstrahlen den gesamten Raum. Durch Zufall wurde gerade ein Orgelkonzert in der Kirche veranstaltet. So bekam ich noch ein weiteres kleines Weihnachtskonzert dieses Jahr. Auch in Old Montreal an sich wurde noch ein bisschen Weihnachtsstimmung verbreitet. Auf dem Platz vor dem Rathaus gab es ein paar Stände und vor allem im Dunkeln konnten wir die vielen schönen Weihnachtslichter genießen. Abends gab es am alten Hafen bei der Eislaufbahn ein Feuerwerk abgestimmt zur Musik von Videospielen wie Supermario. Das Feuerwerk wirkte richtig cool, da es dadurch noch weil lebhafter und unterhaltsamer wurde. Anschließend haben wir in einem kleinen gemütlichen Restaurant in der Altstadt sehr gut gegessen. 

Die Basilika Notre-Dame

Am Sonntag ging es mit der Metro zum Olympic Park, wo wir uns das Olympiastadion von außen anschauen konnten und uns auch auf das Siegertreppchen stellten. Anschließend statteten wir dem fransösischen Stadtviertel Plateau Mont Royal einen Besuch ab, wo wir uns einen leckeren Crepe gegönnt haben. Mit dem Bus fuhren wir weiter auf den Hauberg Mont Royal, wo man einen guten Ausblick auf die Skyline der Stadt bekommt. Hinunter sind wir dann gelaufen und nach einer guten viertel Stunde erreicht man auch zu Fuß ganz gut die Innenstadt. Nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel war ich zum ersten Mal bei einem Eishockeyspiel.

Momentan findet nämlich die Junioren-Weltmeisterschaft in den beiden Städten Montreal und Toronto statt und es macht echt Spaß zuzugucken. Die Euphorie der Kanadier für diesen Sport ist total ansteckend. Die Deutschen haben an dem Abend leider 6:0 gegen die USA verloren. Den Tag darauf schauten wir uns das Spiel der USA gegen die Slowakei an, welches 3:0 ausging. Zu den Karten muss man allerdings sagen, dass es auf der einen Seite echt erschreckend ist, wie viel Geld man für ein Spiel bezahlen muss und auf der anderen Seite, was dadurch natürlich für ein reger und erfolgreicher Handel von den Schwarzhändlern betrieben wird. Da die Spiele auch nicht ausverkauft waren, haben wir immerhin nach dem ersten Drittel Karten für einen Rang weiter unter und näher am Eis geschenkt bekommen. Da uns die Karten für das Duell zwischen Kanada und Finnland zu teuer waren, verbrachten wir den letzten Tag in Montreal nochmal damit, durch Downtown, die Malls und den Place du Canada zu schlendern.

Junioren-WM im Eishockey

Gestern früh ging es dann mit der VIA Rail nach Québec City. Eingecheckt haben wir im weltberühmten Luxushotel Fairmont La Chateau Frontenac, welches zum UNESCO Welterbe gehört, das meistfotografierteste Hotel der Welt ist, die Skyline der Stadt ausmacht und rein gar nichts mit unserem Hotel in Montreal zu tun hatte. Gestern sind wir erst einmal ein wenig durch die Altstadt spaziert und waren in einem der typischen amerikanischen Weihnachtsläden. Außerdem haben wir uns auch hier die Basilika Notre Dame angeschaut, welche definitiv auch sehr schön ist, nur natürlich nichts mit der in Montreal zu tun hat. Abends sind Mama und ich noch bis zur Stadtmauer gelaufen. 

Eine wunderschöne Stadt.. auch, vielleicht sogar vor allem im Winter.
Das Hotel Fairmont La Chateau Frontenac vor der Dufferin Terrace

Man erreicht hier sowieso fast alles innerhalb kürzester Zeit zu Fuß und so liefen wir heute erst einmal zum ältesten Supermarkt Nordamerikas, dem J.A. Moisan, einem gemütlichen kleinen Lädchen. Anshcließend ging es zum Farmers – bzw. Weihnachtsmarkt am alten Hafen, wo ich einmal mehr feststellen musste, dass kanadische Weihnachtsmärkte rein gar nichts mit deutschen zu tun haben. Durch die Unterstadt hindurch erreichten wir dann die kleine Fähre nach Lévis auf der anderen Seite des St. Lorenz Stroms. Durch die Fährfahrt haben wir einen unglaublichen schönen Blick auf die Stadt und das Hotel im Sonnenuntergang bekommen. Außerdem war es unglaublich schön, mal weder am Wasser zu sein und eindrucksvoll war es vor allem mit der Fähre durch riesige Eisschollen zu fahren. Insgesamt ist es hier in viel kälter als in Montreal, aber von Schnee ist dennoch keine Spur vorzufinden. Wieder auf der Seite von Québec City angekommen liefen wir durch den wunderschön europäischen und weihnachtlich dekorierten Petit Champlain District und über den Place Royale mit der Notre Dame de Victoires. Die Gegen ist einfach atemberaubend schön und ich konnte gar nicht aufhören, Fotos zu knipsen. Ein paar Hauswände sind auch komplett bemalt und zeigen das frühere Leben in der Stadt. Wahrscheinlich ist Québec einfach die schönste Stadt der Welt und ich würde so gerne länger hier bleiben.

Blick vom St. Lorenz Strom auf die Stadt
Auch wenn Weihnachten nun schon vorbei ist, sind die tausend Lichter in den alten Gassen wunderschön anzusehen.

Als wir von unserer kleinen Stadterkundung zurück im Hotel angekommen waren, feierten die Deutschen schon das neue Jahr. Wir mussten zu dieser Zeit allerdings noch sechs Stunden warten und nun machen wir uns gleich auf den Weg zur Silvesterfeier auf der Grande Allée.


Freitag, 09.01.2015

Ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch allen, auch wenn Silvester nun schon wieder eine Weile her ist. Die Feier in Québec City war nicht so besonders, da die Musik einfach total furchtbar und undefinierbar war. Etwas ungewohnt war es allerdings, dass die Québecois die letzten Sekunden bis zum neuen Jahr auf Französisch runterzählten. Das Feuerwerk an sich war wirklich schön vor den alten Mauern der Stadt anzusehen, nur war die Feier danach auch schon so gut wie zu Ende.

Pünktlich um Mitternacht hat es im neuen Jahr angefangen in dicken Flocken zu schneien und so wurde unser Trip doch noch zu einem richtigen Winterurlaub. Am ersten Tag des neuen Jahres machten wir einen Ausflug mit dem Bus zum Montmorency Fall, von dem ich eigentlich gehofft hatte, er wäre zugefroren. Eingeschneit traf es dann allerdings ein wenig besser. Zunächst bestand die Herausforderung erstmal darin, den Wasserfall überhaupt zu finden, da nur ein kleines Gartentor den Eingang bildete und man oberhalb des Falles landete. Dort konnten wir auf einer großen Brücke direkt über dem Wasserfall in schwindelerregender Höhe entlang laufen. Das Wasser des St. Lorenzstroms unter uns war allerdings schon ordentlich gefroren. Durch die Schneelandschaft hatten wir sogar erst einen Blick auf die Stadt in der Ferne, jedoch zog sich der Himmel über die Zeit mehr und mehr zu.  Als wir wieder zurück in der Altstadt waren, fanden wir eine mega leckere und niedliche französische Creperie, in der alle Mitarbeiterinnen einen Dutt und ein Haarband trugen und ich einen Truthahn-Crepe probiert habe.

Über dem Montmorency Fall im verschneiten Québec

Am nächsten Tag war ich nun tatsächlich schon 19 Jahre alt und nach dem gewünschten Ausschlafen besuchten wir nochmals den Petit Champlain District mit seiner überwältigen Weihnachtsdekoration, um einen Geochache zu finden. Anschließend liefen wir die gesamte promenadenartige Dufferin Terrace entlang, die an unserem Hotel startet und mit einem überwältigenden Blick auf den St. Lorenzstrom über ein paar Treppen hoch zur Zitadelle führt. An diesem Tag war es wirklich eisig und si ist sogar der Rest Cola in der Flasche ungelogen gefroren. Die Kälte hält die Kanadier allerdings keineswegs davon ab, draußen Eishockey zu spielen. Wir allerdings haben es bevorzugt auf der über 100 Jahre alten Schlittenbahn auf der Dufferin Terrace mit dem Blick auf das Wasser und der frischen Luft im Gesicht zu rodeln. Eine sehr lustige Situation entstand auch noch, als ich eine Onlineumfrage zur Neujahrfeier auf der Grande Alleé beantwortet habe und mir dafür ein Geschenk an der abholen konnte. Dafür musste man an der Rezeption den Satz „I´d like to wish you a happy new year with the accent de Ameriqué” sagen Da die Mitarbeiterin hinter dem Tresen allerdings gerade erst ihre Schicht begonnen hatte und darüber noch nicht eingeweiht worden war, wünschte sie mir einfach ein frohes neues Jahr zurück. Ich war ein wenig verwirrt, da ich ja ein Präsent erhalten sollte und sie war ein wenig verwirrt, weil sie nicht wusste, was ich wollte und  mich so fragte, ob sie noch etwas für mich tun könne. Schließlich habe ich dann eine kleine Lautsprecherbox erhalten.

Ein Spaziergang auf der Dufferin Terrace...
... bescherte uns einen weiten Blick auf den mit Eisschollen bedeckten St. Lorenzstrom.
Schlittenfahrt!!!

Der nächste Tag versprach ein weiteres Highlight, denn wir besuchten das Hoteldeglace ein wenig außerhalb von Québec. Das Eishotel hatte zufällig schon zwei Tage vor der geplaten Eröffnung aufgemacht und so konnten wir diese Attraktion am Tag unserer Abreise aus der Stadt auch noch mitnehmen. Das komplette Hotel besteht nur aus Eis und Schnee und ein wenig Kaffee und Milch um die Wände dekorativ zu färben. Zu besichtigen hab es ein paar Räume und Suiten, einen Spa-Bereich, eine Bar und eine Kapelle… und das alles aus Eis. Der Himmel zeigte an dem Tag passend zum Gebäude ein unendliches weiß und teilweise war ich nicht einmal in der Lage zu unterscheiden, wo das Eis aufhörte und der Himmel anfing. Da am Eröffnungstag des Hotels auch CBC als Fernsehsender Aufnahmen machte, konnten wir uns ein paar Stunden später auf dem Bahnhofsbildschirm wieder entdecken. Bevor wir allerdings wieder in den Zug einstiegen und uns von dem wunderschönen Québec verabschieden mussten, ging es noch einmal Crêpes essen und Papa und ich statteten dem Markt am Hafen einen weiteren Besuch ab, wo die Hummer einfach lebendig in den heißen Ofen gelegt werden.

Erkundung des Hoteldeglace
Plötzlich ist es draußen UND drinnen kalt.

Im Zug waren wir natürlich wieder diejenigen, die für das Fenster als Notausgang verantwortlich waren und ich wurde feierlich zur Doorlady ernannt und somit zuständig für die Öffnung der Wagontüren im Notfall. Dabei sind die Türen in Ostkanada eh immer viel zu schwer und die Aufzüge hier erzeugen beim Anfahren und Anhalten das Gefühl im Bauch man wäre in einer Achterbahn.

In Montreal checkten wir nicht wieder in dem von uns benannten Beduinenzelt ein, sondern im Fairmont Queen Elizabeth. Leider war es für den letzten gemeinsamen Abend schwer ein offenes Restaurant zu finden und so stapften wir eine Weile durch den tiefen Schnee, denn der Winter war schließlich auch in Montreal eingezogen. Am nächsten Morgen war es auf dem Weg zum Bäcker dafür durch den gefrorenen Regen unglaublich glatt auf den Wegen.

Für Mama und mich ging es dann mit der VIA Rail weiter in die Hauptstadt Kanadas, nach Ottawa. Papa hatte leider nicht so lange frei und musste sich so am Bahnhof leider schon von uns verabschieden und zum Flughafen fahren. Allerdings wurde sein Flug aufgrund des Schneetreibens gecancelt und so musste er einen weiteren Tag in Montreal bleiben, während Mama und ich schon in Ottawa angekommen waren. So hatten wir auch dort noch ein paar schöne Tage, bis wir gestern auch wieder zurück nach Montreal fuhren und Mama gerade in ihren Flieger nach Deutschland und ich in den zurück nach Calgary gestiegen sind.

In Ottawa lag unser Hotel direkt neben dem Confederation Park, der abends mit total vielen Lichtern erleuchtet wurde. Erst einmal angekommen, wollten wir nur noch schön Essen gehen und hatten schließlich dasselbe Problem wir den Tag zuvor in Montreal, da wir in die falsche Richtung gelaufen waren, wo alle Läden und Restaurants schon geschlossen hatten. Dennoch fanden wir schließlich ein Brauhaus, wo wir gut ernährt wurden und wir uns eine überaus sättigende aber sehr leckere Schokocreme teilten.

Die Hauptattraktion der Hauptstadt ist natürlich das Parlamentsgebäude, welches wir bei strahlend blauem Himmel, sowie bei zugezogenem schneiendem Himmel und auch mit Lichtershow an der Gebäudefläche bei Nacht bewunderten. Zudem nahmen wir an einer sehr interessanten Tour durch das Innere des Parlaments teil, bei der wir eine Menge über die Geschichte und das Staatswesen des Landes lernten. Vom Peacetower aus hatte man zudem einen Blick über die verschneite Stadt und auch auf die andere Seite des Ottawa Rivers auf die Stadt Gatineau, die schon der Provinz Québec angehört im Gegensatz zu Ottawa in Ontario. Zudem waren wir auf dem Peacetower ganz nah an der großen Uhr des Turms, die der Uhr des Big Ben in London nachempfunden ist. Highlight des Parlamentbesuches waren definitiv auch die alte Bibliothek, die als einziger Teil des Gebäudes ein großes Feuer in 1916 überlebte und die Memorial Chamber, in der die Bücher aufbewahrt und ausgestellt werden, in der alle kanadischen Kriegsgefallenen gelistet sind. Zur Mittagszeit konnten wir uns auf dem großen Platz vor dem Parlament das Glockenspiel des sogenannten Carillons im Turm anhören, welches unter anderem auch die kanadische Nationalhymne spielte. Vor dem Parliament Building steht die Centennial Flame, eine ewige Flamme, die zum Hundertjährigen Jubiläum der Konföderation entzündet wurde und von Wasser und Symbolen der Provinzen umgeben wird.

Christmaslights across Canada am Parliament Building mit der Centennial Flame davor

Um noch etwas mehr über die Geschichte des Landes zu erfahren, wollten Mama un dich eigentlich in das Museum der Zivilisation gehen. Leider waren wir nun in der einzigen Woche des Jahres in der Stadt, in der das Museum geschlossen hat. An dem Gebäude des Currency Museums, welches wir uns stattdessen anschauen wollten, wird für die nächsten drei Jahre gebaut und die National Gallery hatte bei unserem ersten Versuch gerade zu und bei dem zweiten bekamen das Geld für die Tickets zurück, da die Küche widererwartend schon zu hatte und wir ziemlich ausgehungert waren. Am bisher kältesten Tag dieses Winters machten wir nämlich einen Ausflug zur Rideau Hall, wo der Stellvertreter der Queen für Kanada wohnt und arbeitet und wo wir vermutlich die einzigen Gäste seit Tagen auf dem Geländer waren. Dort wurden auch einige Bäume von Staatsoberhäuptern anderer Länder gepflanzt, jedoch mussten wir die Schilder erst einmal vom vielen Schnee befreien bzw. ausbuddeln, um überhaupt irgendetwas zu erfahren. Nach einer Runde über die Anlage und einem Spaziergang zu den Rideau Falls in der Nähe, die den Übergang vom Rideau River in den Ottawa River bilden, waren wir dann wirklich durchgefroren. Dafür haben wir gelernt, dass es kalt ist, wenn einem die Wimpern anfangen zu gefrieren. Somit wollten wir uns nach diesem Abenteuer nur mit einem warmen Mittag aufwärmen und verließen deshalb auch wieder die Gallerie. Dafür entdeckten wir ein klasse Restaurant, in dem uns die Kellnerin auf eine einzigartige grandiose Weise bediente.

Obwohl so eine Kälte in Ottawa herrschte, wurde der Rideau Canal dennoch noch nicht zum Schlittschuhfahren frei gegeben, worauf ich gehofft hatte. Zugefroren war er allerdings schon. Selbst auf dem Schnee hatte sich eine relativ dicke Eisschicht gebildet, die einem das Gefühl gab, man laufe auf einer Creme brulee, die oben fest aber zu durchbrechen war und darunter ganz weich. Auch die Bäume haben in Ottawa durch die Kälte einen ganz sonderbaren Eindruck ergeben. Auf den unzähligen dünnen, blattlosen Ästen hatte sich eine Schicht Eis gebildet, die einen glauben ließ, die Bäume wären aus Glas. Auf unserem Weg vom und zum Hotel sind wir übrigens jedes Mal an einer Inszenierung von einer Klavier spielenden Statue namens Oscar Peterson vorbeigekommen, die leider nicht vor der Kälte fliehen kann.

"Glasbäume" in Ottawa

Wir hingegen verzogen uns in ein Kaufhaus, wo es allerdings nicht wirklich etwas Kaufenswertes zu entdecken gab. Auch den Farmersmarket der Stadt mit dem Namen ByWard Market hatten wir uns noch ein wenig größer und lebendiger vorgestellt. Sehr lebendig dagegen war die Stimmung in der Sportsbar, in der Mama und ich uns das Finale der Eishockey-WM zwischen Kanada und Russland in Toronto anschauten, bei dem Kanada nach einem sehr spannenden Spiel siegte.

Nach diesen vielen Erlebnissen ging es zurück nach Montreal. Heute Morgen war ich dort noch eislaufen bevor es zum Flughafen ging und nun werde ich in nur ein paar Stunden wieder in Calgary landen und einen unglaublich schönen Winterurlaub im Osten von Kanada in Erinnerung behalten.

Somit wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr mit vielen spannenden Erlebnissen und genauso unvergesslichen Momenten. 

Jenny