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Dienstag, 14. Oktober 2014

"Not All Who Wander Are Lost"



Sonntag, 21.09. 2014 – Tag 82

Innerhalb der letzten beiden Wochen habe ich in und bei Calgary drei Jahreszeiten durchlebt. Nachdem die Kinder der Gegend vier Tage lang mit Schneemann bauen und Rodeln beschäftigt waren, hatten wir noch einmal eine sehr warme Sommerwoche. Nun färben sich mittlerweile die Blätter der Bäume in den schönsten Farben und der Herbst steht vor der Tür. Dies ist wahrscheinlich nicht annähernd mit dem Indian Summer der Ostküste zu vergleichen, aber Laura wäre mit ihrem Faible für Herbstbäume dennoch hin und weg. Während Caren und Marc nun genau in den beiden Wochen auf Reise waren, habe ich auch ein wenig die Ruhe genossen und selbst den Haushalt mit Wäsche waschen, Putzen und vor allem Kochen erledigt. Man lernt ja immer wieder dazu. =) Unsere Nachbarin Eryn war auch sehr süß und hat mir angeboten einfach bei ihr und ihrer Familie vorbeizuschauen, falls ich einsam oder mir langweilig sein sollte. Durch die viele Arbeit bin ich leider nicht ein Mal dazu gekommen. Trotzdem ist es doch immer schön zu wissen, dass jemand da ist. Mit ihrem Mann Tracie bin ich letzte Woche auch zwei Tage zur „Univerity of Calgary“ gefahren, da er dort arbeitet und ich von da aus mit der Bahn weiter zum Tower für meine Schichten im Visitor Information Centre fahren konnte. Da seine Arbeit allerdings wirklich sehr früh beginnt, hatte ich immer noch zwei Stunden zwischendurch Zeit. So habe ich am Dienstag die Chance genutzt die Universität ein wenig kennen zu lernen. Es gibt schließlich immer noch genügend Leute hier, die versuchen mich von einem Studium in Kanada zu überzeugen. Bisher hatten sie dabei noch nicht so viel Erfolg, aber zum Glück habe ich auch noch ein paar Monate, um solche Entscheidungen zu treffen.

Meine beiden Arbeitstage im Tower waren wieder einmal sehr erlebnisreich, wenn man beispielsweise bedenkt, dass alle drei Mitarbeiter, die am Dienstag Schicht hatten, ungefähr einen Monat lang nicht mehr im Centre waren und wir uns so erst einmal gegenseitig auf den neuesten Stand bringen mussten. So habe ich auch Marli kennengelernt, eine Brasilianerin, die keinen leichten Start in Calgary hatte, aber jeden mit den vielen Sprachen beeindruckt, die sie beherrscht. Interessant wurde es dann auch, als der Computerfritze ankam, um den Hauptcomputer wieder zum Laufen zu bringen, und niemand den richtigen Schlüssel in einer Schlüsselbox mit gefühlten hundert Exemplaren finden konnte. Dabei war es auch ziemlich frustrierend, dass jeder zweite Schlüssel ins Schloss passte, aber dennoch nicht funktionierte. Am nächsten Tag war Kaitlyn dann die Heldin des Tages als sie den richtigen in der Hand hielt. Dafür saß ich am Mittwoch während ihrer Mittagspause plötzlich vollkommen im Dunkeln alleine in der Touristinformation, da der halbe Tower vom Stromausfall betroffen war. Es macht sich auch total praktisch den Touristen ihren Weg auf einem Stadtplan zu erklären, den sie nicht sehen können. Als dann auch wieder Licht vorhanden war, spazierte ohne Witz ein pfeifender und vor sich hin murmelnder Gnom in das Centre herein. Der kleine Mann trug einen Schlapphut, sowie eine dicke Jacke und Stiefel und entsprach so vollkommen der Vorstellung eines Gnoms. Zum Glück wollte er keine touristische Auskunft von mir haben und hat mir nur irgendetwas über die Uhrzeit in Mexiko-City erzählt, denn verstanden habe ich sein Gemurmel nicht wirklich. Somit waren meine beiden Arbeitstage bei „Tourism Calgary“ wieder etwas chaotisch insgesamt gesehen.

Aber auch der Campingplatz hält mich durchweg auf Trab. So bin ich dort beispielsweise schon als das arme Mädel bekannt, dass jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren muss. Marius, ein Mitarbeiter im Convenience-Store nebenan, war der erste der mir den einen Abend angeboten hat, nach der Arbeit zu fahren. Seiner Meinung nach wäre es auch kein Problem gewesen mein Fahrrad in seinem Auto mitzunehmen, woraufhin ich natürlich davon ausging, er hätte einen Truck oder zumindest einen großen Van. Somit war ich noch mit dem Suchen des Autos beschäftigt, als wir schon längst vor seinem kleinen gemütlichen Fahruntersatz standen, der so gar nicht der gewohnten kanadischen Autogröße entsprach. Nach einigen sehr lustigen aber zumeist erfolglosen Versuchen des Fahrrad irgendwie im Kofferraum unterzubringen, wurde ich also mit offener Kofferraumklappe und einem halb heraushängenden Rad nach Hause chauffiert. Am nächsten Tag hatte er dann total das schlechte Gewissen, dass er drei Stunden länger als ich arbeiten musste und mich so nicht mitnehmen konnte. Auf der anderen Seite tat es mir jedoch Leid, dass er noch bis Mitternacht arbeiten musste und ich schon gehen durfte. Außerdem  hat er mir noch einen anderen „Fahrdienst“ besorgt und so fuhr ich mit Corie aus dem c-store, ihrer Mutter, deren Freund und ihrem Sohn zurück nach Cochrane. Da ich mittlerweile durch die Arbeit nun auch mehr Leute in meinem Alter kennengelernt habe, wurde ich gestern auch von Tristan aus dem Liquor-Store zu einer Party eingeladen. Ohne Auto macht sich das natürlich immer ein wenig doof aus Cochrane rauszukommen, aber ein anderes Mal bin ich dann sicher dabei. Im Gegensatz zu Marius, der an der University of Calgary gerade angefangen hat zu studieren, brauchte Tristan auch ein Jahr Auszeit zwischen Schule und Uni und verbringt so seine Zeit auf dem Campingplatz, bei Sportcheck und auf Partys. Da es sich wie gesagt mittlerweile herumgesprochen hat, dass ich mit meinem Radel unterwegs bin und meine Kollegen jeden Abend sehr besorgt bin, wenn ich im Dunkeln nachts den Highway entlang fahre, hat auch er mich gestern nach der Arbeit nach Hause gefahren und ich war sehr erleichtert, als ich seinen Truck gesehen habe und das Rad innerhalb von zehn Sekunden auf der Laderampe lag. =) Darüber was ich nach einem langen und vor allem ungemein stressigen Arbeitstag auch sehr dankbar. Gestern war nämlich wirklich nicht mein Tag. Schon auf dem Hinweg hab ich mich wieder einmal noch mehr gequält als sonst, aber immerhin habe ich dabei auch zum ersten Mal eine Eule in freier Wildbahn gesichtet. Weiter ging es damit, dass ich erst einmal den Alarm im Büro ausgelöst habe, als ich aufgeschlossen habe. So wurden wenigstens alle Camper schon kurz vor 9:00 Uhr wach. Ich habe allerdings keine Ahnung wieso die Sirenen angegangen sind, da ich ja nicht zum ersten Mal die Frühschicht übernommen habe… Dazu kamen dann im Laufe des Tages nur Probleme und es war durchgängig zu tun. Da war es auch nicht besonders hilfreich, dass zwischendurch einfach mal das komplette Netzwerk zusammenbrach. Als Crystal mich dann nachmittags ablöste und mitbekam, was für ein chaotischer Tag war, fragte sie mich nur, ob sie mich denn bei irgendwelchen Problemen anrufen könnte, da unsere Chefin momentan im Urlaub ist und sie nur ab und zu aushilft. So wird man nach nur einem Monat die Expertin, die die meiste Zeit über das Büro sowieso alleine managet, auch wenn man dabei mal aus Versehen mal die Alarmanlage aktiviert. Ich war jedenfalls echt froh, als es Zeit für meinen verdienten Feierabend wurde, denn der Tag konnte ja nur besser werden. 

Zum Glück wurde er es dann tatsächlich auch noch. Caren und Marc kamen einen Tag früher aus dem Urlaub als geplant, wodurch ich zwar einen Tag weniger das Haus für mich hatte, aber dafür haben sie ganz viel richtig leckeres und frisches Obst aus British Columbia mitgebracht. Das Highlight des Tages war allerdings das erste Paket, das ich nun aus Deutschland erhalten habe. Über Kinderschokolade, Schokopudding und eine liebe Karte von der Laura habe ich mich gefreut wie ein Kullerkeks! 



Barrel riding in Cochrane - "How the west is now"
Heute habe ich dann mal wieder einen entspannen freien Tag genossen und habe mit meinen Gasteltern die „Cochrane Fall Fair“ – das örtliche Herbstfest – besucht. Sehr amüsant war dabei der Kaninchen-Weitsprung-Wettbewerb und mit dem Barrel Riding, bei dem die Cowgirls möglichst schnell um Fässer in einer Kleeblattschleife reiten, habe ich noch etwas von der Western-Tradition mitbekommen, was ich am Labour-Day in Cochrane verpasst habe. Schließlich habe ich mich dann auch dazu entschieden, beim Bullenreiten mitzumachen, was man komischer Weise nicht so häufig hier im Western findet. Es war aber sehr, sehr lustig, obwohl man sich auch extrem anstrengen musste, um nicht herunter zu fallen.

Jenny in Action

Ehrlich gesagt war das mal eine ganz willkommene Abwechslung, da ich in der letzten Zeit mehr den Teil der Arbeit des „work & travels“ erlebt habt. Deshalb freue ich mich momentan auch schon sehr auf nächstes Wochenende, an dem wir endlich wieder campen gehen.




Sonntag, 28.09.2014 – Tag 89

Eine Runde um den Crimson Lake
Und wieder einmal schreibe ich auf dem Rückweg vom Campingwochenende am Crimson Lake. Da ich ja so begeistert vom Radfahren bin und natürlich noch nicht genügend hier in Kanada mit dem Rad unterwegs war in der letzten Zeit, machten Caren, Marc und ich gestern eine Radtour um den See. Die Sonne, die sich im Wasser umgeben von den herbstlichen Bäumen spiegelte, war auch wirklich schön anzusehen! Ansonsten haben wir das Wochenende ganz entspannt mit Lagerfeuer und S´mores verbracht. Ich habe jetzt übrigens angefangen zu backen. Damit Caren auch etwas davon isst, haben wir nun begonnen, joggen zu gehen, was mit den Rockies in der Ferne hier auch viel mehr Motivation bringt, als es das zu Hause würde. Natürlich verging das Wochenende auch wieder viel zu schnell. 

Bevor wir am Freitagabend losgefahren sind, hatte ich übrigens noch ein Vorstellungsgespräch beim „Canadian Tire“, einer kanadischen Baumarkt-Kette, bei der ich am Anfang meiner Jobsuche mal eine Bewerbung ausgefüllt hatte. Das Interview lief hervorragend und so wurde mir schon ein paar Stunden später ein Job in der Haushaltsabteilung angeboten mit einem etwas geringeren Gehalt als auf meiner derzeitige Position. Natürlich fühle ich mich auf dem Campingplatz momentan ganz wohl und müsste mich nicht wieder in eine neue Position einarbeiten, wenn ich dort bliebe. Allerdings hatte ich ja eigentlich auch vor verschiedene Jobs in dem Jahr auszuprobieren. Von daher ist momentan noch nichts entschieden.

Zurzeit genieße ich auch noch die letzten paar Tage im Visitor Information Centre im Tower. Im Gegensatz zu Tristan, bei dem im Liquor-Store fast nie ein Kunde vorbei schaut und es schon zum Tageshighlight wird, wenn er zum Geldwechseln ins Büro kommt, war im Tower diese Woche wirklich viel los. Übrigens hat Kaitlyn den  Gnom diese Woche auch gesehen. Am Dienstag hatten Debbie und ich viel Spaß in der wenigen freien Zeit,  in der wir überlegten, was für Tagestrips ich von Calgary aus einmal unternehmen könnte, sobald ich mein Auto haben werde. Des Weiteren kam sie auf die glorreiche Idee, den Bürgermeister auf meiner Kanada-Flagge unterschreiben zu lassen. Noch konnten wir niemanden erreichen, aber Debbie findet immer einen Weg. 

Interessant bzw. eher problematisch war der Weg nach meinem Interview von Cochrane Downtown hoch nach Sunset. Caren kam extra mit dem Auto hinunter gefahren, damit wir unseren Tagescache finden können, was schonmal schief ging. Das einzige, was wir fanden, war ein toter Spatz. Natürlich konnten wir trotzdem mit unserer Challenge fortfahren, allerdings war gerade für Caren dieser Tag Nerven aufraubend. Allerdings war schon die Fahrt zurück zum Hause sehr herausfordernd. Da wir nur das kleine Auto in Downtown hatten, wollte Marc mich und mein Fahrrad abholen, da es schön angefangen hat in Strömen zu regnen. In der Zwischenzeit schafften wir es allerdings das Rad in Carens kleines Auto zu verstauen, konnten Marc allerdings nicht mehr erreichen und davon abhalten auch noch loszufahren. Dann haben wir ihn auf der Strecke im Gegenverkehr gesehen, sind gleich umgedreht und ihm hinterhergefahren. Da wo wir uns allerdings treffen sollten, war er jedoch  nicht mehr, als wir wieder dort ankamen und als wir wieder zu Hause waren, war er noch nicht wieder da, obwohl er uns eigentlich voraus war. So wusste niemand mehr, wo der andere war, das Wetter war in der Zwischenzeit wieder wundervoll gewesen und ich wäre mit dem Rad dreimal schneller angekommen. Damit waren wir alle erst einmal etwas genervt als wir das nicht mehr ganz warme Essen endlich verzehren konnten. 

Lagerfeuer beim Abschlusscampen
Dafür hatten wir nun ein entspanntes Campingwochenende. Möglicher Weise war es mein letztes, da ich vielleicht zu Thanksgiving aufgrund meiner Arbeitszeiten nicht mit- bzw. nachkommen kann. Fürs Nachfahren bräuchte ich natürlich auch erst einmal ein Auto… Ich habe es echt satt zu radeln, aber das ist ja mittlerweile bekannt. Nur ist es ohne Auto auch nicht ganz so einfach zum Autohändler zu fahren…


Montag, 06.10.2014 – Tag 97

Da mein letztes Campingwochenende nun schon vorüber ist, habe ich nun angefangen meine weitere Reise zu planen. Erstmal werde ich weiter auf dem Campingplatz arbeiten und ab und zu Tages- bzw. Wochenendausflüge machen, bis ich dann Alberta wirklich gut genug kenne und abgearbeitet habe, damit ich mich anschließend auf den Weg in Richtung Osten machen kann. Damit würde mein ursprünglicher Plan, eine Weile in Vancouver zu leben, verfallen. Jedoch war ich auch schon zweimal dort und die Lust nach Abenteuer schreit zurzeit etwas lauter. Problem ist nur, dass der Winter im Anmarsch ist (diese Woche kam ein Schneesturm aus Edmonton zu uns, aber momentan ist es zum Glück noch bzw. wieder Herbst) und auch einige Monate bleiben wird. Meine netten Kollegen aus dem Visitor Centre, die im Gegensatz zu mir schon einige kanadische Winter erlebt haben, meinen allerdings, dass es zu gefährlich wäre in dieser Zeit über den Highway durchs Land zu fahren. Aber im Schnee und Regen mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, wäre okay… Die ist nun zum Glück vorbei.

Man kann es kaum glauben, aber Jenny hat es tatsächlich geschafft, sich ein Auto zu kaufen. Ich habe noch nie zuvor so viel Geld ausgegeben und insgesamt war der Tag einfach super anstrengend, überwältigend und überfordernd zugleich. Zuerst habe ich mir in aller Frühe und mit sehr wenig Schlaf über die Nacht einen quietschgelben, super verdreckten Pontiac angeschaut. Abgesehen von dem regelrecht ekligen Zustand des Fahrzeuges fuhr es sich soweit ganz gut und es gab sogar die Möglichkeit ein Zelt hintendrauf zu bauen, womit man seine eigene Übernachtungsmöglichkeit immer gleich an Bord hätte. Bei späterer Recherche mussten wir allerdings feststellen, dass das Auto viel zu teuer angeboten war, so verdreckt wie es war. Das zweite Auto, dass ich an dem Tag unter die Lupe nahm, ein Ford Fusion, hat schon einmal mit seiner Sauberkeit im Vergleich total überzeugt. Auch die Probefahrt mit dem Auto ist gut gelaufen und das Fahrzeug hat sogar eigentlich einen viel höheren Wert, als der Verkaufspreis. Das kommt durch den Hagelschaden, den es abbekommen hat und wodurch es aussieht wie eine Luftschokolade. Dies stört mich natürlich so überhaupt nicht und so wurde es schließlich genau dieses Auto. Trotz des guten Preises ist das für mich natürlich immer noch eine gute Stange Geld und man glaubt gar nicht, was an Kosten noch alles so dazu kommt… Versicherung, Zulassung, Gas, und, und, und. Damit ich bei der Versicherung einige Hundert Dollar spare, bin ich auch erst einmal meinen deutschen, sowie meinen internationalen Führerschein losgeworden und fahre nun wieder nur mit einem Papierzettel umher, bis mir mein echter kanadischer Führerschein zugeschickt wird. Natürlich war es im ersten Moment sehr merkwürdig, meinen originalen Schein abzugeben, nachdem ich diesen erst vor ein paar Monaten bekommen hatten, damit anderthalb Monate in Deutschland gefahren bin, ihn drei Monate hier gar nicht brauchte und er nun weg ist. Dafür habe ich nun eine richtige kanadische ID, da der Führerschein hier den Ausweis ersetzt. Nach diesen ganzen einschlagenden Erlebnissen musste ich nun natürlich auch noch aus dem Südosten Calgarys in den Nordwesten nach Cochrane zurück fahren. Durch diese Landschaft mit den Strohballen auf den Feldern vor den verschneiten Bergen und durch die farbenfrohen Herbstbäume auf den scheinbar endlosen Straßen zu fahren, ist ein ganz anderes Erlebnis als in Deutschland umher zu gurken. Bei meinem Fahrtraining gestern lief mir dann natürlich auch gleich ein Kojote vor das Auto, den ich zum Glück schon lange vorher gesichtet habe. Auf Wildlife zu achten während der Fahrt gehört hier eben dazu. Meine Mitarbeiter vom Campingplatz sind nun auch erleichtert, dass ich nun nicht mehr nachts mit dem Fahrrad auf dem Highway unterwegs bin. Die drei Stunden Arbeit am Samstagabend an der Rezeption haben mit auch ganz gut getan nach diesem erlebnisreichen Tag und die Aufregung legte sich mit der vertrauten Beschäftigung dann auch wieder etwas. Allerdings habe ich Marius erstmal mit der Begeisterung angesteckt und schwuppdiwupp war ich selbst auch wieder auf 180. =)

Heute Abend geht es noch auf die Geburtstagsfeier von Donovan, den ich letztes Jahr kennengelernt habe, als er auf der Stampede-Show ein Solo auf seiner Violine hingelegt hat. Dort werde ich nachher alle möglichen Menschen des „Calgary Philharmonic Orchesters“ kennenlernen und Freitag habe ich dann auch schon das erst Konzert, bei dem ich volunteere. Heute erhole ich mich bis abends noch ein bisschen, damit ich auch hoffentlich bald wieder richtig gesund werde.


Mittwoch, 08.07.2014 – Tag 99

Während meine Familie wieder einmal über die Weltmeere schippert und meine Freunde sich zu Hause versuchen in den ersten Tagen ihres Studienlebens zurecht zu finden, wage ich mich auf die kanadischen Highways. So bin ich die letzten beiden Tage auch zur Crowfoot-Station gefahren, von wo uns der Zug nach Downtown Calgary bringt. Außerdem ist das Geochachen mit einem Kraftfahrzeug dreimal einfacher als mit dem Rad. Denn auch, wenn ich nun schon 99 Tage in Kanada bin, ist die 99-Day-Challenge noch lange nicht vorbei.

Heute waren Caren und ich mit Kaitlyn nach der Arbeit Cachen. Diese  Woche habe ich nämlich meine vorerst letzten beiden Schichten im Visitor Information Centre absolviert. Gestern nahm ich so also erst einmal Abschied und ein paar weise Worte auf den Weg von Debbie und heute verbrachte ich den Tag mit Kaitlyn, dem Volunteer John und der neuen Volunteerin Glynis. Als Tyler dann noch kurz ins Centre kam, um Hallo zu sagen und etwas abzuholen, waren heute gefühlt mehr Berater anwesend als Touristen. Da es allgemein immer ruhiger wird in der Touristeninformation, da der Sommer nun wirklich vorbei ist, hat mir Kaitlyn ein paar Aufgaben gegeben, die mehr organisatorischer Natur waren und die normaler Weise nur die drei fest angestellten Mitarbeiter erledigen. So machte ich mich beispielsweise daran, die Broschüren zu bestellen, Übersichten zu erstellen und die Kundenmails abzuarbeiten. Als Kaitlyn mir vorhin angekündigt hat, dass sie mich unbedingt beim Teammeeting nächsten Monat dabei haben will, obwohl ich wie gesagt mit meinen bisherigen Schichten durch bin, und dass ich doch nicht zu weit reisen soll, für den fall dass es an Mitarbeitern mangelt, fühlte ich mich schon sehr geehrt. Es ist gut zu wissen, dass die Arbeit, die einem Spaß macht auch wertgeschätzt wird. Als Dankeschön hat sie mich auch noch auf den Tower hochgeschickt, wo ich wieder einmal die Schönheit der Stadt und der Landschaft ringsherum genossen habe. Zum ersten Mal konnte ich nun auch den Audio Guide ausprobieren. Leider hat man die Berge gestern nicht so gut gesehen, weil es so diesig war. Caren und Kaitlyn kamen später auch noch hinterher und von Kaitlyn habe ich sogar noch ein kleines Präsent bekommen. Sehr süß! Ich werde die Arbeit im Tower und das Team wirklich vermissen. Besonders Kaitlyn hat sich als meine Chefin echt sehr bemüht insbesondere was meine Einarbeitung, Aufgabenverteilung und Schichtplanung, sowie die Eingliederung in kostenlose Aktivitäten als „Tourism Calgary“-Employee betraf. Süß war es heute auch von Glynis, dass sie mich zum Thanksgiving-Essen eingeladen hat. 

Calgary from above - Glasfloor des Towers

Auch Donovans Party am Montag war sehr schön. Ich habe viele Musiker des Orchesters kennengelernt und interessante Unterhaltungen geführt. Witziger Weise können sogar einige von ihnen Deutsch sprechen. Ich hingegen bin immer mehr in der englischen Sprache drin und habe auf dem letzten Campingtrip sogar im Schlaf etwas auf Englisch erzählt. Vor Donovans Feier hatten Caren, Marc und ich noch etwas an Zeit totzuschlagen und sind so einfach umher gefahren und schließlich in einem Zoogeschäft gelandet. Die Fischabteilung hat von der Größe her fast einem richtigen Aquarium geähnelt und neben einem sehr komisch aussehenden Fisch mit Pinoccio-Nase konnte man dort auch einen Babyhai kaufen. Zudem erzählte uns ein Mitarbeiter sehr interessante Fakten über Spinnen, nachdem er meinen Ausdruck des Ekels über die haarigen Lebewesen gehört hatte. Als sehr begeisterter und faszinierter Erklärer konnte er uns überzeugend über die Tiere aufklären und so habe ich beispielsweise gelernt, dass auch Spinnen sich ähnlich wie Schlangen aus ihrer Haut pellen. So interessant die Unterhaltung auch war, besonders schön sehen sie immer noch nicht aus.


Montag, 13.10.2014 – Tag 104

Das Wochenende war so erlebnisreich! Am Freitagabend ging es mit dem Konzert des „Calgary Philharmonic Orchestras“ zum Film „Disney´s Fantasia“ los. Während auf einem großen Bildschirm die verschiedenen Szenen abgespielt wurden, spielte das Orchester live dazu. Besonders toll empfand ich die Darstellung der Arche Noah, aber auch der Zauberlehrling und die durch die Luft schwimmenden Wale zu den „Pinien von Rom“ waren sehr beeindruckend. Normaler Weise bin ich ja nicht der Typ Mensch, der in solche Konzerte geht, aber die Kombination aus den Bildern mit der Musik war echt ergreifend und ich würde bzw. werde nun jederzeit wieder zum Konzert gehen. Besonders cool ist es auch, wenn man ein paar der Musiker auf der Bühne kennt. Dadurch, dass ich an dem Abend als Volunteer fürs CPO gearbeitet habe, brauchte ich nicht einmal Eintritt zahlen. Die Arbeit war auch nicht weiter wild, sondern hat sogar Spaß gemacht. Meine Aufgabe bestand im Prinzip auch nur darin Raffle-Tickets, also für eine Tombola zum Gewinnspiel um eine Reise nach Ecuador, vor und nach dem Konzert, sowie in der Pause zu verkaufen. Dadurch kam man auch gleich ins Gespräch mit vielen Besuchern. Mit sechs verkauften Tickets war ich sogar eine der erfolgreichsten an diesem Abend. Da das Thema ja „Disney“ lautete, stand in der Lobby auch ein Tisch mit lauter Utensilien und Kostümen zum Anprobieren und so war ich eher mit dem Fotografieren und Beobachten der kostümierten Kinder und Kind gebliebenen Erwachsenen beschäftigt. Beim Verkaufen der Tickets nach dem Konzert lief mir dann auch sogleich Alex, der Pauker des Ensembles, in die Arme und begrüßte mich wie eine lange nicht gesehene Freundin. Ihn hatte ich letztes Jahr schon kennengelernt und damals hatte er mir eine kleine Einführung durch die Konzerthalle und zu seinen Instrumenten gegeben. Da er es allerdings nicht zu Donovans Party geschafft hatte, war es am Freitag eben das erste Mal in diesem Jahr, dass wir uns trafen. So gingen Caren, Marc und ich noch mit Alex und seiner Schwester Diana, die übrigens die Konzertmeisterin ist, noch in eine Bar bzw. ein Restaurant, da ich mit nur dem Stück Papier als Führerschein, dass ich im Moment nur besitze, mein Alter nicht ausreichend nachweisen konnte und aus der Bar wieder herausgeschmissen wurde. Da hatte ich es endlich von Marc gelernt meinen Ausweis zu Hause zu lassen, da der Führerschein als Ausweis zählt… Wenn man denn einen hätte. :P Im Nachhinein waren jedoch alle ganz froh, dass wir im Restaurant saßen.

Am Samstag fuhren meine Gasteltern dann los zum letzten Campingwochenende nach Rocky Mountain House. Ich musste an dem Tag noch auf dem Campingplatz arbeiten und entschied mich dazu, nicht hinterher zu fahren. Wieder einmal ging auf Arbeit die Alarmanlage bei Schichtbeginn an, jedoch weiß ich diesmal, woran es lag. Später musste ich dann etwas auf dem Storage-Gelände überprüfen, wo die ganzen Leute vor allem im Winter ihre Wohnwagen abstellen. Das Gate kann man nur mit einer Access-Karte öffnen. Als Mitarbeiter besitze ich diese natürlich, also war es kein Problem dort hinein zu gelangen. Das Problem ergab sich eher, als ich das Gelände wieder verlassen wollte. Das Gate sollte sich von innen eigentlich automatisch öffnen. Allerdings hat es sich kein bisschen bewegt, als ich näher kam. Ich vermute, dass die Sensoren dafür im Boden sind und ich einfach nicht ganz das Gewicht eines Fahrzeuges nachweisen kann, um das Signal zum Öffnen zu geben. So durfte ich 20 min in der Kälte ohne Jacke und natürlich auch ohne Handy warten, bis ein Auto schließlich den Storage verlassen hat und ich mit durch das Tor geschlupft bin. Nach dieser Aktion war ich dann sehr froh, dass ich nun drei ganze Tage frei habe. 

Bow River in Canmore
Da ich mit meinem Auto ja jetzt sehr flexibel bin, entschied ich mich gestern dazu meinen ersten Tagestrip zu unternehmen. Den kleinen Ort Canmore im Kananaskis Country erreichte ich in ungefähr anderthalb Stunden. Zuerst schlenderte ich ein wenig durch die süßen Geschäfte und stattete einer unechten Touristeninformation einen Besuch ab, wo mich der Angestellte mit voller Begeisterung über die Wanderung informierte, die ich mir vorgenommen hatte. Insgesamt hat Canmore Ähnlichkeiten mit Banff und doch wieder seinen ganz eigenen verspielten Flair. Durch den erfolglosen Versuch meinen gestrigen Geocache in dem Ort zu finden, gelang ich auch ans Ufer des schönen Bow Rivers mit Blick auf eine kleine Insel. Dann ging es endlich auf zum Wandern zu den Grassi Lakes. Parken am Fuße des Weges war schon einmal katastrophal und gab mir schon eindeutig zu verstehen, dass ich nicht die einzige auf dem Trail sein sollte. So traf ich auch auf zwei Calgarians, von denen die Frau typischer Weise auch Deutsch sprach, da ihre Eltern aus Deutschland eingewandert sind. Bei dieser Wanderung würde ich jedem empfehlen den Weg zu wählen, der mit „more difficult“ ausgeschildert ist, da auch dieser echt einfach zu meistern ist und man so einen überwältigenden Blick auf Canmore und den Fluss erhält. 

Ein Teddy auf Reisen genießt den Blick auf Canmore

beeindruckende Farbwelt der Grassi Lakes
 Die Seen selber sind auch hundert Prozent sehenswert. Das Wasser hat eine klare dunkle türkise Farbe, die zum Ufer hin erst zu einem leuchtenden Grün und dann braun wird. Der Anblick war wirklich einzigartig. Außerdem kann man gleich neben den beiden Seen Kletterer an einer steilen Bergwand beobachten. Somit hat sich mein Ausflug wirklich gelohnt und mal wieder in den Bergen zu sein, hat mir noch einmal deutlich gemacht, warum ich in Kanada gelandet bin.



Gestern Abend war ich dann zum Thanksgiving-Essen bei den Nachbarn eingeladen. Während Eryn und Tracie den leckeren Truthahn vorbereitet haben, hab ich Kaylee, ihre beste Freundin Sophie und ihren kleinen, zuckersüßen Bruder Kayden mit Fange spielen beschäftigt. Das Essen war total gut und so habe ich einmal ein traditionelles kanadisches Thanksgiving erlebt. Mittlerweile kommt auch ihr Hund Camper besser mit mir klar bzw. wohl eher ich mit ihm. Durch das Triptafan-Gewürz, welches in der Füllung des Truthahns enthalten war, hatte ich dann nachts einen sehr, sehr guten Schlaf. 

Nun sind schon dreieinhalb Monate hier in Kanada für mich vergangen und ich erlebe immer noch fast jeden Tag so viel Neues und Faszinierendes und für diese Möglichkeit kann man nicht nur heute an Thanksgiving wirklich dankbar sein. 

atemberaubende Aussicht vom Mount Rundle

Jenny

Mittwoch, 13. August 2014

„Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun.“



Bitte lest nicht den ganzen Text auf einmal, sonst kommt Ihr zu nichts anderem mehr! Nach mittlerweile 42 Tagen in einem fremden Land kommt nur verständlicher Weise einiges Erwähnenswertes zusammen. Viel Spaß beim Lesen! :) 



Freitag, 11.07.2014 – Tag 10



Es ist schon irgendwie merkwürdig. Monatelang bereitet man sich darauf vor – beantragt das Visum, schließt eine Auslandskrankenversicherung ab, unterschreibt den ersten Arbeitsvertrag, bekommt eine Abschiedsparty als Überraschung von seinen besten Freunden organisiert und besucht noch einmal die wichtigsten Leute um Tschüss zu sagen – und nun ist man plötzlich hier. 7500km von zu Hause entfernt, um ein Jahr lang Kanada unsicher zu machen und die Herausforderung zu bewältigen, sich selbst mehr oder weniger mit Gelegenheitsjobs zu finanzieren und dabei Land und Leute kennen zu lernen. Nun ist diese Vorhaben nach Beendigung meiner 12-jährigen Schulzeit erst einmal etwas vollkommen Neues und darum sehr merkwürdig.

Noch seltsamer wird es allerdings werden, wenn auch meine Eltern bald nicht mehr in meiner Nähe sind, da diese nur für ungefähr drei Wochen Urlaub mitgeflogen sind und danach wieder ihrem gewohnten Alltag in Deutschland nachgehen. Ich hingegen werde für den Beginn meiner Zeit hier bei Marc und Caren, Bekannten von uns, die vor ein paar Jahren nach Kanada ausgewandert sind, nahe der Stadt Calgary leben. Dort landete letzte Woche Mittwoch auch unser Flieger, der uns von Frankfurt aus in den Wilden Westen brachte. Fünf Tage verbrachten wir also mit weiteren Freunden meiner Gasteltern – deutsche Touristen und kanadische Einheimische, deren kleiner Tochter ich dabei half Deutsch-Vokabeln zu lernen – in der Stadt. Diese befindet sich seit letztem Wochenende im Ausnahmezustand, da das alljährliche Rodeo-Festival – die Calgary Stampede als The Greatest Outdoor Show On Earth – gerade stattfindet. Am ersten Tag des Festes findet immer eine große Parade statt, an der ich durch meinen zukünftigen Job bei Tourism Calgary selbst teilnehmen durfte und für den Calgary Tower Tausenden an Menschen zuwinkend neben dem Paradewagen mitlaufen durfte. Dadurch, dass ich diese Erfahrung bereits letztes Jahr schon gemacht hatte, war es zwar kein extrem überwältigendes Erlebnis mehr, aber dennoch ein überaus großes Privileg und das erste Mal, dass ich Leute aus den Zuschauerrängen selber gekannt und erkannt habe. Natürlich gingen wir später auch noch auf das Festival-Gelände an sich, das man mit einem riesigen Rummel plus Messehallen vergleichen könnte, jedoch ist hier alles auf die Cowboy-Tradition bezogen. Und in diesem Look erscheinen dann natürlich auch die meisten Besucher, egal ob nun Locals oder Touris. Am Ende des Tages stand dann noch die Grandstand-Show auf dem Programm, eine Show aus Tanz, Gesang, Akrobatik, Feuerwerk und so Vielem mehr. Wie gesagt: The Greatest Outdoor Show On Earth… Im Vergleich zu den beiden Vorjahren empfanden wir die Show allerdings als sehr enttäuschend, da einfach zu wenige Personen auf der zu eindimensionalen Bühne die gleichen Dinge vorführten. Zuvor hielten wir die Show als einzigartig und atemberaubend in Erinnerung, doch dieser Eindruck konnte sich leider nicht erhalten. Erwähnen sollte ich aber auf jeden Fall auch noch das, was vor der Show von statten ging. Es gibt nämlich auch noch die Planwagenrennen, in denen die Cowboys um hohe Gewinne um die Wette reiten bzw. fahren. Während dieser sogenannten Chuckwagonraces wurde auch ein Gewinnspiel mit zwei Zuschauern ausgetragen, bei dem zufälliger Weise zwei der anderen deutschen Urlauber ausgewählt wurden. Derweil wurden Mama und ich noch prompt angesprochen, ob wir nicht gerne Tickets für die Ställe der Planwagen hätten. So konnten wir die Pferde, sowie ihre Reiter und die Wagen kurz nach den Rennen treffen. Allerdings wurden wir erst ganz kurz vor Showbeginn hinein gelassen, sodass wir nur fünf Minuten bei den Ställen an Zeit hatten und auch noch den Anfang der Show verpasst haben. Obendrein hatten die anderen auch noch ihre Karten auf ihren Sitzplätzen liegen lassen, sodass sie erst einmal nicht wieder aufs Showgelände gelassen wurden. Neben diesen Western-Highlights kamen wir in den ersten Tagen auch noch dazu, den Memorial Park und das Lougheed-House in Calgary-Downtown anzuschauen. Außerdem mussten wir natürlich gleich prüfen, ob es in der Old Spaghetti-Factory noch genauso gut schmeckt – tut´s – und wir konnten auch schon über einen lokalen Farmers Market bummeln und in einen richtigen Saloon einkehren.

Seit Montag sind meine Eltern und ich alleine in unserem gemieteten Wohnmobil unterwegs. Erstes Highlight auf unserer Campingtour war der Elk Island Nationalpark nördlich von Calgary, in dem wir geschätzte 100 von dort lebenden 700 Bisons und einen Bieber gesichert haben. Was für ein Glück wir dabei hatten wurde uns auch erst wirklich bewusst, als wir am nächsten Tag noch zwei Mal den 1km langen Bison-Loop entlang fuhren und uns kein einziges Tier über den Weg lief. Eine weitere unnötige Fahrt machten wir zum Ukrainian Cultural Historical Village, einer Nachbildung eines kleinen Dorfes der ersten ukrainischen Einwanderer, das vor allem für jene Touristen relativ uninteressant ist, die schon einmal dem Heritage Park in Calgary einen Besuch abgestattet haben und so einen einfachen Vergleich ziehen können. Von dort aus ging es nach Edmonton, der Hauptstadt Albertas, in der wir drei Tage verweilten. Allerdings konnten wir als anscheinend etwas verwöhnte Touristen  dieser Stadt auch nichts wirklich Schönes abgewinnen. Abgesehen vom Churchill-Square ist in Edmonton meiner Meinung nach nicht so viel zu entdecken. So entschieden wir uns ganz kulturbedacht für eine Besichtigung der Art Gallery of Alberta, in der jedoch auch nur ein Minimum an sehenswerten Kunstwerken für uns hing. Eine positive Sache, die man für Edmonton jedoch erwähnen sollte, ist das aus einer gläsernen Pyramide bestehende Rathaus mit einem öffentlichen Badepool davor. Gestern wollten wir uns mit einer Fahrt mit einem Raddampfer  auf dem North Sasketchewan River eine weitere positive Erinnerung an die Stadt schaffen. Leider war das Boot schon zwei Tage zuvor ausgebucht und wir warteten unwissend eine Stunde lang davor. Dafür machten wir noch einen längeren Spaziergang zur Altstadt hin und durch sie durch. Diese war zwar auch nicht sehr sehenswert, aber immerhin konnten wir im Laufen noch einen Blick auf die vier Pyramiden des Botanischen Gartens werfen und sind auf einen europäischen Importmarkt getroffen, in dem wir erst einmal ein paar bekannte Lebensmittel erwarben. Insgesamt könnte man die Altstadt vermutlich auch als europäisches Ghetto bezeichnen. Heute haben wir die vermutlich größte „Sehenswürdigkeit“ Edmontons erkundet: die West-Edmonton Mall inklusive Fahrgeschäften im Galaxyland, Wasserpark, Seelöwenshow, Themenhotel, Eislaufbahn, Minigolfanlage, Zipline und natürlich vielen, vielen Shops.

Nachdem wir uns dort einige Stunden aufgehalten und abgesehen vom Essen wirklich nichts gekauft, sondern nur gestaunt haben, ging es mit dem Wohnmobil ein ganzes Stück weiter Richtung Jasper, wo wir das Wochenende mit unserer deutschen Gruppe auf dem Campingplatz verbringen. Auf dem Weg dorthin haben wir gerade einige Rehe, ein Bighorn-Sheep und vor allem einen Grizzly-Bären gesehen. Der Bär war natürlich der Hingucker und somit ist der Tag doch schon erfolgreich. 


Immer schön lächeln und winken -
Calgary Stampede Parade
Yahoo - Grüße von meiner Reisebegleitung vom Rodeofestival
Cowboys im Rennfieber - Planwagenrennen
frei lebende Bisons im Elk Island National Park














schöne Abkühlung im Pool vor dem Rathaus von Edmonton













Erlebniswelt Shoppingcentre - die West Edmonton Mall

















 Montag, 14.07.2014 – Tag 13



Der Tag an dem Deutschland Fußballweltmeister wurde, war der Tag an dem wir eine Schwarzbärenmutter mit ihren beiden Kleinen am Straßenrand entdeckt haben. Wir waren gerade auf dem Weg vom Mount Edith Cavell, wo vor unseren Augen ein Stück vom Angel Glacier in die Tiefe flog, nach Jasper. Dort haben wir zu neunt und mit weiteren Deutschland-Fans das Spiel gegen Argentinien in einem irischen Pub gesehen und nein, ich wurde nicht nach meinem Ausweis gefragt.

Anschließend ging es für uns auf dem Patricia Lake paddeln und in der Stadt habe ich endlich schöne und gute Wanderschuhe für mich gefunden. Allerdings war es in dem Outdoor-Geschäft nicht ganz so originell bei ungefähr 35°C Winterklamotten anzuprobieren. Allgemein ist es schon etwas zermürbend, den ganzen lieben langen Tag zu köcheln und nachts im Alkoven halb zu erfrieren. Zu aller Verwirrung fuhren wir dann am Samstag noch zum Columbia Icefield, zu dem wir von der Straße aus hochgewandert sind, um feststellen zu müssen, dass man nicht einmal mehr ganz bis zum Eis heran kommt. Leider konnten wir auch nicht sehen, wie weit das Eis seit unserem ersten Besuch vor neun Jahren zurückgegangen ist, da die Anzeigen der Jahreszahlen seither vernachlässigt schienen.  Dafür haben wir die neueste Attraktion des Eisfelds erkundet: den Glacier Skywalk. Zwar hat man nur die Aussicht auf das Eis und hängt nicht direkt darüber, aber ein tolles Erlebnis ist es schon auf Glas über einem Berghang mit grandioser Perspektive zu laufen.

Heute haben alle unsere vier Familien, die das Wochenende zusammen gecampt haben, Jasper verlassen. Meine Eltern und ich wollten eigentlich bis nach Lake Louise fahren und hatten auch schon einen Campingplatz für heute Nacht gebucht. Aufgrund von Wildfeuer wurde allerdings die dahin führende Straße zeitweise geschlossen und so können wir erst morgen früh wieder dadurch fahren. Ein Umweg hätte länger gedauert, als der Tag lang ist und so sitzen wir hier zu dritt auf einem Parkplatz mitten in der Wildnis fest. Gut, immerhin gibt es hier einen Shop und ein Restaurant, jedoch können wir hier nichts wirklich unternehmen. Trost spenden uns nun die Fotos der drei Schwarzbären, die wir auf dem Weg hierher gesichtet haben. Alles andere muss bis morgen warten. Allerdings sieht die weiße Wand, die sich vor uns gebildet hat und die Rocky Mountains fürs Auge komplett verschwinden lässt, nicht wirklich motivierend aus.  

am Baum hängende Schwarzbärenkinder


überwältigendes Erlebnis auf dem Glacier Skywalk
Schwarzbären...
























Freitag, 18.07.2014



Wenn dir das Wetter in Alberta nicht gefällt, warte fünf Minute und es ändert sich. So war es auch am Montag, als nach einem Gewitter, welches genauso schnell wieder verschwand, wie es auch gekommen war, die Straße um 21:30 Uhr dann doch noch geöffnet wurde. So fuhren wir auf einer einsamen Bundesstraße durch die Rauchschwaden des Wildfeuers nach Lake Louise und verbrachten dort die folgenden drei Nächte. Wir wanderten am Lake Louise 3,4km hoch zum Lake Agnes Teahouse und zurück und einmal um den Emerald Lake herum.

Als wir uns die Takkakaw-Falls anschauen wollten, welches der zweitgrößte Wasserfall Westkanadas ist, lernten wir Rose kennen. Rose ist ursprünglich von den Philippinen, wohnt aber in Vancouver und macht gerade einen Rundtrip durch British Columbia, um all die Wasserfälle zu erkunden. Da es sehr kompliziert ist, mit einem solche großen Wohnmobil zu dem Wasserfall hinauf zu fahren, fragten wir Leute auf einem Parkplatz unten, ob sie mit ihrem Auto selbst hochfahren und noch drei Plätze freihätten. Man kann es ja mal versuchen. Die Chinesen und die Nonne waren gerade vom Takkakaw zurückgekommen und so sprach ich eben Rose an. Diese hatte zwar eigentlich in dem Moment nicht vor, den Wasserfall zu besuchen, hatte jedoch auch nichts Besseres zu tun und so hatte sie auf ihrer Reise mal ein wenig Begleitung und Unterhaltung. So eine Type trifft man auch recht selten. Auf dem Rückweg störten wir dann noch eine Art Dachs, der auf der Straße faulenzte und wieder auf dem Parkplatz angekommen tauschten Rose und ich noch unsere Kontaktdaten aus, für den Fall, dass ich in meinem Jahr hier irgendwann Vancouver erreichen sollte.

Am Tag darauf fuhren wir mit der Lake Louise Gondola, um von oben eine super Sicht auf den See zu haben. Leider waren von der Gondel aus keine Grizzlys zu sehen wie erhofft. Dafür erhaschten wir in den letzten Tagen ein Mountain Goat mit ihrem Kleinen, eine ganze Mountain Goat – Herde, einen Moose, also einen richtigen Elch, ein paar Rehe, eine Gruppe weiblicher Bighorn-Sheeps inklusive Nachwuchs, sowie kleine Pikas an dem wie aus dem Bilderbuch entsprungenen Morain Lake. Zur Erklärung: in Deutschland würde man zu Mountain Goats eher Bergziege, zu den Bighornsheeps wahrscheinlich Steinböcke und zur Pika vielleicht Bergmaus sagen. Nur, dass es in Deutschland längst nicht so viel Wildlife gibt wie in Kanada. Squirrels und Chipmunks entdeckt man hier sowieso an jeder Straßenecke.

Nach einem kurzen Besuch in Banff verließen wir dann die Umgebung von Lake Louise wieder, wo der Zug viermal hupt pro Durchfahrt und das mitten in der Nacht. Weiter ging es dann vorbei an einigen Wasserfällen und durch eine Schlucht hindurch zu den Radium Hot Springs, in deren heißen Pools wir erst einmal ein wenig entspannten. Allerdings ist man nach einem Bad in dem fast 40°C heißen Wasser sehr erschöpft. Natürlich mussten wir dann an selbigen Abend den einzigen Campingplatz erreichen, zu dem wir fahren, der auch einen Pool besitzt. ^^ Dieser befindet sich in Fort Steele in British Columbia und ist somit die einzige Station unserer Reise außerhalb Albertas. Dort besuchten wir heute die Fort Steele Heritage Town, ein Freilichtmuseum wie eine Stadt in den 1890ern mit Ställen, einer Schmiede und einem Bäcker sowie Pferdekutsche, Dampflock und, und, und… Von den Häusern her ist diese noch authentischer als in Calgary, aber unbelebter.

Nun fahren wir Richtung Waterton Lakes Nationalpark zurück nach Alberta und halten weiterhin Aussicht nach Wildlife. So viele Tiere wie in diesem Urlaub haben wir noch überhaupt nicht gesehen. Allerdings muss ich eine Aussage meines ersten Eintrags an dieser Stelle korrigieren, denn  unser erster Bär war wie alle anderen auch ein Schwarzbär und kein Grizzly, trotz braunen Fells. Aber auch sieben freilebende Schwarzbären sind ziemlich faszinierend.


eine Fahrt durch Rauchschwaden - Willkommen in Kanada

Drei Zimmermanns vor den Takkakaw-Falls

Morain Lake
Mountain Goats



Montag, 28.07.2014 – Tag 27



Es hatte dann doch etwas länger als fünf Minuten gedauert, bis das Wetter wieder besser wurde. Im Waterton Lakes Nationalpark stürmte es an dem Wochenende so stark, dass wir alle fünf (Caren und Marc, meine Eltern und ich) befürchteten, unser Wohnmobil würde nachts einfach umkippen. Abgesehen von dieser Sorge wurde man dafür bei dem Wind von 70km/h gut in den Schlaf gewogen. Wir trauten uns sogar eine Schifffahrt bis nach Montana in den USA zu machen, allerdings nur mit zehnminütigem Aufenthalt und ohne wirkliche Ein- und Ausreise. Bei den hohen Wellen durch den Sturm wurden wir natürlich gleich mit nass. Ein Highlight dieser Tour war aber auch unser Moderator an Bord, welcher vom Aussehen und von der Stimme her dem Sänger Passenger zum Verwechseln ähnlich schien und uns über den Park sehr genau informierte. So berichtete er auch, dass die Bisonherden der Umgebung schon lange ausgerottet wurden und nun nur noch ein paar Tiere im sogenannten Bison-Paddock wieder eingeführt wurden. Genau diese kleine Herde hatten wir zu Beginn des Tages besucht, bevor wir zum Geocachen aufbrachen, um vom Nationalpark geprägte Münzen für zwei Challenges  zu ergattern. Diese bekamen wir in der Waterton Townsite, wo einfach mal ein Reh mit seinem Kitz durch die Gärten hoppelte. Nichts Außergewöhnliches hier in Kanada, wo die Bären am Straßenrand auftauchen. So haben wir auf dem Weg zum Cameron Lake Bär Nummer acht und neun tollend im Wald entdeckt. Ich glaube ich schreibe hier viel zu viel über Bären, aber es ist einfach immer noch jedes Mal ein unfassbares Erlebnis einen zu sehen. Mit den beiden Bären in Waterton haben wir allerdings eher an der Straße zum Red Rock Canyon gerechnet und so waren wir in dieser Umgebung sehr darauf fokussiert. Hinter einer Bergkuppe starrte uns dann plötzlich ein Grizzly an. Nach dem ersten Schock mussten wir allerdings feststellen, dass dies nur ein sehr gut platziertes Schild mit dem Abbild eines lebensgroßen Bärens war, das seine Wirkung bei uns allen sehr gut erzielt hatte. Der Red Rock Canyon an sich mit seinem durch Eisen rot gefärbten Gestein, durch das klares blaues Wasser fließt, umgeben von Bergen und grünen Nadelbäumen, hatte ebenfalls eine sehr eindrucksvolle Wirkung. Ein weiterer unserer Anlaufpunkte in Waterton waren die Cameron Falls von denen zeitweise rotes Wasser fließt, da nach heftigen Regenfällen bestimmte Sedimente aus den Steinen ausgewaschen werden. Sowas geschieht natürlich  nicht jeden Tag, also auch nicht zu dem Zeitpunkt, an dem wir dort erschienen. Darum waren nach drei Fotos vom Wasserfall die Columbian Ground Squirrels auch etwas interessanter zu beobachten. Ein Fuchs lief uns in der Gegend ebenfalls über den Weg. Wenn man schon einmal in Waterton ist, sollte man sich allerdings nicht die Gelegenheit nehmen lassen zum Prince of Wales Hotel zu gehen und die Sicht von der Rückseite auf die Seenlandschaft zwischen den Bergen zu genießen. Solange man sich dort nicht wegwedeln lässt, kann man in gefühlte Unendlichkeiten schauen. Den besten Ausblick ergatterten wir allerdings nach der Wanderung auf den sogenannten Bear´s Hump. Der kurze, aber relativ steile Weg dort hinauf ist die Sicht allemal wert. Von 1534m Höhe über dem Meeresspiegel auf dem Mount Crandell guckt man auf alle umliegenden Seen und Berge bis zur USA. Traumhaft!

So verging unser Wochenende in Waterton also auch sehr schnell. Von dort aus wollten wir einen halben Tag lang so weit wie möglich fahren, um an unserem nächsten Stopp mehr Zeit zu haben. So landeten wir abends auf einem Campingplatz im Ort Scandia  mitten im Nichts im strömenden Regen. Von Scandia aus ging es in den Dinosaur Provincial Park östlich von Calgary, der dafür bekannt ist, dass Unmengen an Dinosaurier-Fossilen dort gefunden werden. Abgesehen davon hat der Park eine sehr gegensätzliche Landschaft zu den Rockies. Tausende Canyons bilden die sogenannten Hoodoos. Diese bestehen aus Sandstein, der mit der Zeit von Naturerscheinungen wie Wind abgetragen wird und so bleibt nur noch die relativ stabile obere Schicht übrig, die die pilzförmigen Figuren entstehen lassen. Um diese zu erkunden, nahmen meine Eltern und ich an der Explorer´s Bus Tour teil, in welcher uns ein Guide über die Indianer, die ersten Siedler, die Fossilfunde, -händler und auch Ausgrabungen informierte. Durch den starken Regen zuvor kamen wir allerdings nicht sehr weit in die Hoodoos hinein, wo dann auch die Saurierknochen einfach mal verstreut in der Gegend herum liegen. Jene Knochen werden nach ihrer Entdeckung und Ausgrabung im Royal Tyrrell Museum in Drumheller ausgestellt, einer sehr schöne Ausstellung. Wer nach Drumheller hinein fährt wird sogleich vom World´s Largest Dinosaur begrüßt. Den 26m hohen Dinosaurier kann man von innen über Treppen erklimmen, um ihm oben aus dem Maul auf die Stadt zu schauen. Das ist allerdings auch schon ziemlich alles, was Drumheller zu bieten hat. Papa hat außerdem seit dem Tag extreme Nackenschmerzen und so fuhren wir wieder zurück nach Calgary und beendeten dort unsere Wohnmobiltour. Natürlich gab es bei der Abgabe des Fahrzeugs wieder mit dem gleichen Angestellten wie schon vor zwei Jahren Stress…

Dafür stand uns noch ein weiteres Highlight bevor: ein Rundflug über Calgary Downtown vom Springbreak Airport mit einer Cessna. Vor Mama haben wir es bis dato alle geheim gehalten und als sie erkannt hat, was los ist, wusste sie nicht recht, ob sie sich über die Überraschung freuen oder doch etwas verängstigt regieren sollte. Unser Copilot freute sich wahrscheinlich nicht so sehr, als er zum Ende des Flugs nur noch einen gesunden der drei Passagiere an Bord hatte. Da es ein Introductory Flight war, saß ich nämlich auf dem linken Pilotensitz und habe hoch oben in der Luft eine Zeit lang das Lenken übernommen. So musste ich die Maschine in Richtung Rockies steuern, was durch den extremen Seitenwind gar nicht so einfach war. Spaß gemacht hat es aber und Downtown mal ganz weit von oben zu sehen ist auch wieder eine ganz andere Perspektive gewesen. Somit hatte die Rundreise mit meinen Eltern noch einen krönenden Abschluss verpasst bekommen. Am Freitag hieß es dann nämlich auch schon Abschied nehmen, was ein ziemlich trauriges Ereignis war. Dazu kam dann auch noch der Abschied von Freunden meiner Gasteltern, die nun von Calgary nach Kelowna ziehen.

Nun geht die Herausforderung also wirklich los und so folgte gleich Samstag ein weiteres Highlight. Meine Gasteltern und ich fuhren in den Banff Nationalpark nach Sunshine Meadows, was normaler Weise ein großes Skigebiet ist. Im Sommer fahren die typisch gelben Schulbusse statt der Lifte die Touristen dort zu Kanadas schönstem Day-Hike hoch. So wanderten wir zwischen frechen Squirrels und den schönsten Blumen im Gebirge, bis mir nach 9km irgendwann die Beine kraftlos wurden. Als Belohnung erwischten wir auf der Rückfahrt dann noch den Schatten meines diesjährigen zehnten Schwarzbären.

Momentan bin ich ein wenig auf Jobsuche und auf der Suche nach ein bisschen Organisation sowieso, aber die Dinge werden schon ihren Lauf nehmen.


atemberaubende Sicht im Waterton Lakes National Park
Royal Tyrrell Museum in Drumheller
Calgary Downtown von oben
unbearbeitetes Bild von Sunshine Meadows



Freitag, 08.08.2014 – Tag 38



Ich weiß gar nicht mehr, wovon ich zuerst berichten soll. Es sind so viele Dinge passiert, über die ich schreiben müsste, aber eigentlich habe ich noch damit zu kämpfen, so lange so weit von meiner Familie und meinen Freunden entfernt zu sein. Dabei sind hier auch wirklich alle ganz wundervoll zu mir. Kaylee beispielsweise, die zehnjährige Nachbarstochter, hat mit mir letzte Woche einen kleinen Ausflug in die Ravinen ganz bei uns in der Nähe gemacht, von wo wir einen wundervollen Ausblick hatten. Meine Mitarbeiter bei Tourism Calgary sind auch allesamt sehr liebenswert. Kaitlyn, meine Supervisorin hat mich am Dienstag und Mittwoch sehr gut eingearbeitet, sodass ich von mir aus schon am ersten Tag ohne zu zögern die Touristen im Calgary Tower beraten habe und mich gestern nach meinem dritten Arbeitstag gefragt habe, wieso ich dort eigentlich nicht Vollzeit arbeiten kann. Auch mit Ann verstehe ich mich, wie letztes Jahr schon, wieder sehr gut. Die lustigste Zusammenstellung hatte ich allerdings gestern mit Debbie und Tyler an meiner Seite, welche beide zwei extreme Typen sind, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Auf der einen Seite ist da die welterfahrene Dame, die auf den teils noch jugendlichen, zerwuselten, aber zielorientierten Chaoten trifft, der dennoch völlig in seiner Arbeit aufgeht. Und ich mittendrin… Auch die Mitarbeiter der Firma, die nicht im Visitor Information Centre, sondern im Headoffice arbeiten, habe ich größtenteils schon kennengelernt. Letzte Woche Donnerstag war ich mit Caren dort, um noch einige Unterlagen abzugeben und eigentlich ihr mal ein wenig bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, doch der Tag lief irgendwie sowas von schief, dass daraus nicht so viel wurde. Zu frühes Aufstehen bekommt mir definitiv nicht. ;) Dafür konnte ich nachmittags noch kostenlos an einer Segway-Tour teilnehmen. Da diese Touren als Art Stadtführungen neu in Calgary angeboten werden, wurde dabei natürlich auch einiges über die Sehenswürdigkeiten wie den Tower erzählt. Wenn man allerdings eine Tour mit lauter Leuten aus der Tourismus-Branche macht, kann einem dabei nicht mehr viel Neues und Unbekanntes einfallen. :D Am Dienstag wurde ich dann gleich eingeladen mit einigen Mitarbeitern die Galleria Ingelwood zu erkunden, während der Arbeitszeit. Gestern traf ich viele der Gesichter beim Wasserski-Contest wieder, zudem Caren, Marc und ich gefahren sind. Eine von Carens Cheffinnen hat gegebenenfalls sogar noch ein Jobangebot für mich. Sonst sieht die Jobsuche insgesamt noch nicht so prickelnd aus. Ich bin heute schon den zweiten Tag komplett durch Cochrane geradelt und habe gefühlte tausende Bewerbungen abgegeben. Beim Baumarkt, in Cafés, in Supermärkten, auf einem Campingplatz und, und, und… Mein Gespräch bei der Bäckerei war nicht sehr erfolgreich, da die Inhaberin erstens jemanden für mindestens ein Jahr einstellen will und mich zweitens für viel zu jung und unerfahren hält, und so soll ich doch eher zu McDonalds oder Starbucks gehen anstatt zu ihr. ^^ Hinreißend solche Aussagen. Ohne Arbeitserfahrung wird man nicht eingestellt, aber ohne Einstellung fehlt nun mal auch die Erfahrung! Zumindest lief mein Interview fürs Volunteering beim Calgary Philharmonic Orchestra letzten Mittwoch sehr gut und auch im Tower geht alles glatt. Meine Mittagspausen verbringe ich größtenteils damit, Geocaches zu heben, da ich die Herausforderung der 99-Day – Challenge angenommen habe und nun jeden Tag bis hinein in den November einen Cache loggen muss. Na immerhin habe ich Tag fünf schon überstanden und irgendwann werden Tyler und ich auch noch diesen verflixten Cache im Metallpferd einen Block vor dem Tower ausfindig machen.

Naja und so vergeht hier Tag für Tag. Ein paar Tage in der Woche fahre ich in den Tower zum Arbeiten, für die restlichen Tage fehlt mir noch ein Job und am Wochenende unternehme ich etwas. Letztes Mal waren Caren, Marc und ich beispielsweise wieder in Lake Louise campen – ich hasse diesen Scheiß-Zug!! =) Am Samstag sind meine beiden Gasteltern mit der Gondola gefahren und ich blieb unten in der Lodge, da ich dasselbe ja schon ein paar Wochen zuvor gemacht hatte. So unterhielt ich mich währenddessen mit einem Backpacker, der dort arbeitet, und wurde sogleich wieder ein Résumé los. Zudem konnte ich die besten Squirrel-Bilder überhaupt schießen und wie es auch nicht anders kommen konnte, waren an diesem Tag natürlich gleich zwei Grizzlys direkt unter der Gondel auf der großen grünen freien Wiese unterwegs, die man von der Lodge noch gerade so minimal als solche erkennen konnte. Dafür war es auch schön anzusehen, wie eine Braut im langen weißen Kleid und wehendem Schleier zusammen mit ihren Brautjungfern in Kleid und Cowboystiefeln im offenen Sessellift fährt. Auch einen Schwarzbären konnten wir direkt am Straßenrand beim Vorbeifahren noch erhaschen. Am Sonntag war dann Wandern angesagt. Vom touristisch überfüllten Aussichtspunkt auf den einmaligen Peyto-Lake kraxelten wir bis zum Ufer des Sees hinunter und anschließend die ganze steile Strecke wieder hinauf. Diese Reihenfolge der Steigung ist echt grausam, aber das Erlebnis und die verschiedenen Aussichten waren die Anstrengung echt wert. Da Montag Feiertag war, hatten wir noch einen Tag, um Banff unsicher zu machen, bevor ich in meine erste Arbeitswoche startete. So habe ich schon in der ersten Zeit meines Auslandsjahres viele unvergessliche Erlebnisse gesammelt, während ich nun auch lerne, wieso es immer wieder heißt, dass der Mensch das, was er in der Ferne sucht, in der Heimat findet.


Columbian Ground Squirrel














Aussicht auf den Peyto-Lake vom Bow Summit - Aussichtspunkt















am Ufer des Peyto-Lakes















Jenny