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Donnerstag, 5. März 2015

Mystische Orte und faszinierende Lebensweisen

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Freitag, 13.02.2015 – Tag 227

Meine Woche in Ucluelet verging ziemlich schnell und war sehr schön, wenn ich auch etwas komplett anderes von der Ecke hier erwartet hatte. 

Am Sonntagabend waren Suzie und ich im Pub und dort war richtig was los. Ich habe mich echt gefragt, wo die ganzen Leute herkommen, da der Ort doch so klein ist. Dort herrschte eine richtig kanadische Stimmung und alle waren totale Holzfällertypen. Und wenn nicht das, dann totale Hippies. Die Hippies haben auch die laute und alternative Livemusik übernommen. Wir sind dann auch gleich auf meinen Surflehrer getroffen, was ganz lustig war. 

In den nächsten Tagen hieß es dann also für mich den Pacific Rim National Park zu erkunden, von dem alle so schwärmen. Das Wetter war keine wirklich Motivation, da es fast jeden Tag durchgängig geregnet hat, die Wolken über dem Erdboden hingen und Nebel die Sicht in die Ferne des Ozeans verhinderte. Am meisten demotiviert das einen, wenn man es schon beim Aufwachen draußen fröhlich vor sich hin plätschern hört Dennoch ließ ich mich davon nicht groß beirren und lief beide Teile des beliebten Wild Pacific Trails direkt in Ucluelet immer an der Küste entlang und zum Amphititre Lighthouse. Zuvor habe ich das immer nicht so ernst genommen, wenn mir erzählt wurde, dass Leute da zum „stormwatching“, also Stürme beobachten, hinkommen, aber wenn man einmal die überwältigenden Wellen des Pazifiks hier gesehen hat, kann man das total nachvollziehen. Die sind einfach echt riesig und erschlagen so ziemlich alles, was ihnen in den Weg kommt, so hat man zumindest das Gefühl. Zudem fliegen viele Weißkopfseeadler einfach an der Küste entlang, was echt toll zu sehen ist. 

Blick vom Wild Pacific Trail
Auch Tofino habe ich besucht, welches der touristischere Ort der Gegend sein soll. Allerdings empfand ich es als noch kleiner, unbelebter, grauer und trauriger als Ucluelet und es ist echt schwer sich vorzustellen, dass Tofino im Sommer zum Leben erwacht. Die meisten Besucher werden wahrscheinlich sowieso wegen der Natur herkommen und die ist definitiv auch sehr schön, aber es wäre noch dreimal schöner mit Sonnenschein. So fuhr ich also relativ schnell wieder aus der Stadt raus und ging an den Strand. Genauer gesagt, war es der Chestermans Beach, wo ich so einige Surfer beobachten konnte. Nachdem ich meine Wanderung für den Tag auch geschafft hatte, schaute ich nur noch kurz zum kleinen Hafen runter direkt gegenüber vom Hostel. 

Ab Dienstagnacht musste ich dann aus dem Hostel aus und in eine der Cottages einziehen, worüber ich mich sicher nicht beschweren konnte. Die Haushälfte war sowas von gemütlich und ich habe auf einer Art inneren Balkon geschlafen. Ich wünschte, ich hätte dort auch für den Rest der Woche wohnen können, aber leider musste ich heute nach drei Nächten wieder ins Hostel ziehen. Hier sind zum Glück auch heute wieder Leute angekommen, aber ich habe trotzdem mein Zimmer für mich. Dennoch war es natürlich cooler, sein eigenes Haus zu haben, wofür man normaler Weise so ungefähr das Siebenfache hätte bezahlen müssen. 

Ausblick vom Hostel auf das kleine Örtchen Ucluelet
 Am Mittwoch stand dann schließlich Surfen auf dem Programm, was sehr aufregend war. Ich habe mich dem Kurs der Gruppe angeschlossen, wegen der ich das Hostel räumen musste. Sie nehmen für drei Monate an einem Skiprogramm teil und da sie momentan kaum Schnee auf Mount Washington haben (ich würde ja auch als letztes auf die Idee kommen, nach Vancouver Island zu gehen, um Ski zu fahren…), machen sie ein paar Tage Auszeit hier, bevor sie rüber nach Revelstoke fahren. Alle haben mich sofort lieb mit in die Gruppe aufgenommen und kommen von überall her. Für mich war es mal wieder sehr cool, mit Leuten in meinem Alter zu quatschen und Party zu machen. Erst einmal hieß es allerdings, sich in die Surfanzüge zu quetschen und die mega schweren Surfboards an den Strand zu tragen. Der Strand war übrigens derselbe, den ich am Tag davor schon besucht hatte. Im Großen und Ganzen hat das Surfen richtig Spaß gemacht, auch wenn es nicht gerade einfach und sehr anstrengend war. Die Wellen sind einfach so riesig und kräftig und ich hatte nur ungefähr tausend Mal das Gefühl zu ertrinken.   Als Seamus, mein Surflehrer, gesehen hat, dass ich anfangs so gar nicht klar kam, ist er auch nochmal mit mir an Land gegangen und hat mir gezeigt wie ich Yoga beim Surfen anwende, und es hat danach tatsächlich besser funktioniert und ich konnte die Balance im Liegen plötzlich perfekt halten. Allerdings habe ich es leider nicht einmal geschafft, auf dem Board zu stehen und dafür fehlte mir am Ende, als ich vielleicht dazu in der Lage gewesen wäre auch irgendwie die Kraft. Meine Arme waren nach den paar Stunden so fertig und es war auch nicht gerade hilfreich, sich wieder aus diesem dummen Anzug rausquälen zu müssen. Wenn man so darüber nachdenkt, klingt es allerdings schon irgendwie ein bisschen merkwürdig im Februar Surfen zu gehen, dazu noch in Kanada.

Und auf geht´s in die Wellen!
Abends wollten wir alle noch zusammen etwas unternehmen, aber leider gibt es in diesem Kaff von Ucluelet nicht wirklich irgendwas und sobald es nach 22 Uhr ist, ist es draußen totenstill. Also sind wir noch einmal zum kleinen Hafen hinuntergelaufen und saßen anschließend draußen vor dem Hostel im Nieselregen zusammen und ich hatte eines der unglaublichsten Gespräche, die ich jemals geführt habe. Somit habe ich einmal mehr festgestellt, wie schnell aus Fremden Freunde werden können. 

Nach diesem aufregenden und langen Tag bin ich gestern früh auch entsprechend lange im Bett geblieben und konnte mich durch den Muskelkater erst einmal kaum noch bewegen. Nachmittags habe ich mich allerdings doch noch zu einer kleinen Wanderung durch den Regenwald aufgerafft und habe den Nuu-chan-nulth Trail der Indianer abgelaufen. 

Abends blieben wir alle im Hostel und einige unterhielten uns mit der Gitarre. So saß ich mit Sarah, Nick, Kurt, Josh und Dom einfach noch bis in die Nacht zusammen und genossen den letzten gemeinsamen Abend, bevor die Gruppe wieder abgereist ist. Heute Morgen war die Stimmung allerdings richtig grausam und nachdem ich mich verabschiedet hatte, musste ich einfach ein wenig an die frische Luft und bin so mal eben den Leuchtturm-Rundgang des Wild Pacific Trails noch einmal im Regen gelaufen. Als ich dann wieder im Hostel aufschlug, waren alle schon weg und das Haus wieder komplett leer, was mir in dem Moment sehr unrealistisch erschien. 

Amphititre Lighthouse vor den mächtigen Wellen des Pazifiks


Dienstag, 17.02.2015 – Tag 231

Meinen letzten Tag in Ucluelet habe ich sehr genossen. Endlich kam die Sonne mal raus und der Himmel war strahlend blau. Nachdem ich ausgeschlafen hatte, fuhr ich zum Long Beach, der einfach ein wirklich überwältigend langer Sandstrand ist. Ein relativ kurzer Wanderweg durch den Regenwald führte mich zum Strandaufgang und der Schooners Cove, wo man auch nur bei Ebbe hinkommt. Ich konnte für Stunden barfuß im Sand und Wasser laufen und habe einfach das herrliche Wetter genossen. 

Long Beach bei Sonnenschein. Endlich.
Den letzten Tag am Strand genießen
und die Surfer im Wasser beobachten

Anschließend fuhr ich wieder zurück nach Ucluelet und lief den Lighthouse-Loop nun zum dritten Mal. Dafür war es allerdings das erste Mal im Sonnenschein und so sah alles wieder ganz anders und noch drei Mal schöner aus. Irgendwie ist diese Wanderung mein Lieblingsplatz hier geworden. Dort genoss ich dann noch einen wundervollen Sonnenuntergang. 


Am nächsten Morgen habe ich mit ein bisschen Wehmut den Ort verlassen. Auch, wenn er ein wenig herunter gekommen wirkt, hat er irgendetwas Spezielles und ich hatte eine tolle Woche. So hieß es bei bestem Wetter wieder zurück nach Parksville zu fahren. In Port Alberni legte ich am Hafen eine schöne Mittagspause ein, bevor ich am Nachmittag wieder bei Cheryl und Seann in Nanoose Bay ankam. Eigentlich hatten wir vor, ein wenig auf dem Wasser mit dem Kayak unterwegs zu sein, aber dafür war es leider doch etwas zu kalt und zu unruhig. Trotzdem war es schön, die beiden wieder besuchen zu können. 
Willkommen in Port Alberni
Von dort aus ging es gestern Mittag auf zu einem weiteren Abenteuer. Ich furh etwas weiter nach Norden in die Nähe von Courtney im Comox Valley, wo ich für ein paar Tage auf einer spirituellen Ököfarm bleibe. Um hierher zu kommen, musste ich erst einmal über die furchtbarsten Straßen, Wi-Fi gibt es hier nicht und die Menschen glauben und beten zu Yoshua, was der hebräische Name Jesus ist. Die Frauen tragen weite Hosen oder Kleider und die Männer Zopf und Rauschebart. Die Gemeinschaft versammelt sich um 7 Uhr morgens und 6 Uhr abends, um an ihren Vater zu singen und sich darüber auszutauschen, wofür sie dankbar sind. Alle essen zusammen und gestern haben wir nach dem Abendbrot einen traditionellen Tanz gelernt. Tagsüber hat jeder spezielle Aufgaben.

Ich habe bisher hauptsächlich in der Küche geholfen und es ist echt faszinierend, wie man es organisiert bekommt für 30 Leute Frühstück, Mittag und Abendbrot täglich pünktlich zur Verfügung zu stellen, vor allem, wenn einige auch noch Allergien oder einfach Abneigungen zu bestimmten Lebensmitteln haben. Die Aufgaben sind insgesamt sehr geschlechtsspezifisch aufgeteilt. Die Frauen kochen den ganzen Tag und passen auf die Kinder auf, die übrigens zu Hause unterrichtet werden, und die Männer bauen hauptsächlich. Einige sind auch im Café beschäftigt, aber das machen alle mal. Ich wohne in einem kleinen Häuschen und neben mir sind noch zwei andere freiwillige Helfer aus Deutschland und Australien hier. Der Deutsche muss wohl aus einem komplett anderen Deutschland kommen, da er nur Mist über das Leben zu Hause erzählt, von dem ich einfach noch nicht bei einer einzigen Sache zustimmen kann. Das ist echt ein wenig merkwürdig.

Hier ist es sowieso eine komplett andere Lebensweise. Das gesamte Leben wird geteilt, es stinkt nach Kuhmist und der Hahn schmeißt einen aus dem Bett, sodass man en schönen Sonnenaufgang zu einer viel zu frühen Zeit beobachten kann. Jeder passt auf alle Kinder auf und die meisten haben innerhalb der Community einen anderen, spirituellen Namen angenommen. Diese klingen allerdings alle gleich außerirdisch und so ist es für uns Helfer sehr schwierig, sie sich zu merken. Alle sind sehr lieb und dankbar und ich wurde gestern beim Abendtreffen außerordentlich begeistert willkommen geheißen. Sozial sein und Miteinander wird hier so groß geschrieben, wie ich es noch nie irgendwo anders erlebt habe. Teilweise empfinde ich es allerdings etwas übertrieben, wenn ich beim Essen alle zwei Minuten gefragt werde, ob ich irgendetwas herüber reichen kann, was den Leuten sowieso schon vor der Nase steht. Dafür ist es aber wirklich interessant und eine komplett neue Erfahrung für mich, diese Lebensweise zu sehen. Gut finde ich auch, dass die Mitglieder der Gemeinschaft kein Problem damit haben, einem ihr Leben zu zeigen und andere daran teilnehmen zu lassen, ohne zu erwarten, die spirituellen Dinge, an die sie glauben, auch so zu sehen oder auszuführen und jeden willkommen heißen.


Samstag, 21.02.2015 – Tag 235

Es ist einfach überwältigend. Ich habe meine Zeit hier in der Community um zwei Tag verlängert, weil ich mich hier so super wohl fühle. Die Sonne scheint, jeder heißt einen willkommen und das Leben hier ist einfach so anders. In der einen Woche habe ich so viel gelernt, habe eine Art Familie gefunden und kann mir momentan noch gar nicht vorstellen hier morgen weg zu fahren. Die Gemeinschaft lebt nach einer unfassbaren Selbstlosigkeit und ich habe noch nie jemanden erlebt, der alle Menschen in seiner Umgebung so liebt, wie sie es tun. Es fühlt sich wunderbar an, ein Teil davon zu sein.

Eigentlich habe ich jeden Tag in der Küche geholfen. Mit Lilack habe ich Gemüsepfanne zubereitet, mit Yael Hühnersuppe gekocht, mit Amanah Quiche aufgetischt, Kepha bei der Käseherstellung zugeschaut, Alohna bei der Herstellung von Joghurt geholfen und von Batsheva gelernt, meine eigene Mayonnaise zusammen zu mixen und einen Mint-Schokoladen-Nachtisch ganz ohne Schokolade zu zaubern. Nebenbei pflückt man mal eben Salat aus dem Gewächshaus, wäscht den stundenlang, schrubbt die Eier von den Farmhühnern, schneidet Gemüse über Gemüse und könnte praktisch den ganzen Tag mit Geschirrspülen beschäftigt sein. Auch wenn man ganz schön viel zu tun hat, mach es wirklich Spaß und ich stimme Qashab zu, dass die Arbeit hier eh nur eine Ausrede ist, um mit den anderen zusammen zu sein und Zeit zu verbringen. 

In dieser Küche ist immer etwas los.
Aber ich habe nicht nur die Küchenarbeit besser kennengelernt und mir schließlich auch die meisten außergewöhnlichen Namen eingeprägt, sondern auch vieles für mich und mein Leben mitgenommen. Es ist gut zu wissen, dass es noch einen anderes Weg gibt, als auf den bestbezahltesten Job zu hoffen und, dass man willkommen ist und gebraucht wird. Jeden Abend wird einen für das Essen gedankt und vom "Gathering", dem morgen- und abendlichen Beisammensein, um zu singen, sich auszutauschen und zu beten, bekommt man viele tiefe Gedanken mit auf den Weg. Es ist etwas schwer für mich, tagtäglich so früh aufzustehen, aber wenn man schon durch hoffnungsvolles Singen vor seiner Tür geweckt wird, fällt einem das schon drei Mal leichter.

Gestern Morgen bin ich mit Yael in den Stall gegangen (das hieß für uns noch ein wenig früher aufstehen als sowieso schon), damit ich auch ein wenig was von der Farmarbeit an sich erlebe. Wir haben die Ziegen gefüttert und ich konnte sogar eine melken (es hat tatsächlich funktioniert!!). Anschließend fuhr ich mit Emma aus Dänemark, die vor zwei Tagen auch zum Wwoofing hier angekommen ist, und Amanah zum Café direkt in Courtney, über das sich die Community finanziert. Das kleine Häuschen ist super gemütlich und wir haben dort zusammen Brot gebacken und Frühstück gegessen.

Farmleben

Übrigens bin ich aus meiner kleinen Cabin aus und in einen Raum mit Yael und Emma gezogen. Yaels Geschichte hat mir sehr geholfen, den Glauben und die Lebensweise hier besser zu verstehen. Batsheva hat sich auch den einen Abend mit mir zusammengesetzt, um mir das noch etwas genauer zu erklären und allen Menschen der Gemeinschaft ist anzusehen, dass sie das Leben, das sie führen, lieben und hundert Prozent hierher gehören. Die beiden Schwestern Amidah und Emonah mit dem zehnjährigen Omed und ihren Eltern Daveg und Shomerit. Qashab und Amanah, die voraussichtlich ab dem Tag meines Abflugs zurück nach Deutschland wunderbare Eltern sein werden. Die drei „Single-Brothers“: der Landwirt Harnarnia, Amittai, welcher in meinem Alter ist und aus Toronto kommt und erst vor ein paar Monaten hier eingezogen ist und der super gesprächige Bekor. Salomon und Abenah mit ihren süßen und unterhaltsamen Kindern Tamarah und Mikaya. Die deutsche Alohna mit ihrem französischem Mann Kepha und ihrer dreisprachigen Tochter Rivkah. Lilack aus Brasilien und ihr Mann aus Quebéc mit ihrer liebenswerten kleinen Talitha, die gestern komplett von oben bis unten in den Matsch gefallen ist. Die weise Batsheva und Uryah und zu guter Letzt Yael aus Frankreich, die zu einer sehr guten Freundin hier für mich geworden ist.   

Ich mal ein wenig anders mit zwei so lieb gewonnenen Freundinnen


Nachdem jeder die ganze Woche lang mit den verschiedensten Aufgaben beschäftigt war, begann gestern Abend der Sabbath, ein Ruhetag und Festlichkeit zugleich. Ungefähr 15 Gäste kamen, um den Abend mit der Gemeinschaft zu feiern. Das Gathering war dementsprechend ein wenig anders als sonst und jedem Gast wurde extra fürs Kommen und uns vier Helfern für die Unterstützung gedankt. So hatte ich auch einmal die Gelegenheit der gesamten Gruppe Danke zu sagen und auszudrücken, wie wohl ich mich als Teil von ihnen fühle. Insgesamt haben wir den ganzen Abend lang getanzt und gesungen und Emma und ich haben sogar Kleidung von den Frauen bekommen. Der Abend war gefüllt von Freude, Freundschaft, Liebe und Leben und ich bin so froh, dass ich länger geblieben bin und das noch miterleben konnte. Heute wird den ganzen Tag lang nicht gearbeitet. Gestern gab es also ganz schön viel zu tun, da wir alles vorbereitet haben. So wird heute der wunderbare Sommertag im Februar einfach nur zum Ausruhen, Beisammensein und für einen kleinen Ausflug zu den Nymph Falls genutzt.

Samstagsausflug bei schönstem Wetter

So habe ich auch einmal ein wenig Zeit über die letzte Woche nachzudenken und diese einzigartigen Erlebnisse zu verarbeiten. Es ist schwer, das alles in Worte zu fassen und zu beschreiben, aber ich denke, man muss das Leben hier einfach selbst gesehen und gelebt haben, um es zu verstehen. Wenn mir jemand etwas so darüber erzählen würde, wie ich es von meinem Aufenthalt hier tue, würde ich wahrscheinlich sehr skeptisch sein, aber ich bin froh, einfach nur in dieses andere Leben hineingeworfen worden zu sein und es selbst erlebt zu haben. Es war definitiv eine wunderbare Zeit hier und eine sehr, sehr wertvolle Erfahrung für mich.


Freitag, 27.02.2015 – Tag 241

Jetzt, nachdem ich die Farm verlassen habe, fallen mir noch so viele Dinge ein, die während meiner Zeit in Courtney so normal geworden sind. Eine wäre zum Beispiel das tägliche Womens Meeting nach dem Gathering am Morgen, in dem die Frauen besprechen, wer was zum Essen macht, wer einkaufen geht und wann auf die Kinder aufpasst etc. Auch, dass die meisten alle Mahlzeiten mit Stäbchen essen und dass es keine Schokolade gibt, sondern dafür Carob, war nach einer Woche schon wie selbstverständlich.  Besonders beeindruckt hat mich, dass sie alle ihre Geschichte mit mir geteilt und mir erzählt haben, wie ihr Leben vorher war und was sie dazu bewegt hat, den Twelve Tribes beizutreten. Genossen habe ich auch einfach die viele Zeit draußen. Da oft so schönes Wetter war, haben wir draußen Mittag gegessen und haben mit dem Kinderwagen einen Powerwalk gemacht.

Da die Community-Mitglieder den kompletten Samstag-Nachmittag geschlafen haben,  sind wir vier Wwoofer, Marcel aus Deutschland, Hugh aus Australien, Emma aus Dänemark und ich, immer der Straße entlang vorbei an den unzähligen Farmen der Gegend gelaufen, kamen an einer Hippie-Stätte vorbei und waren mal wieder Geocachen. Am Abend wollte Kepha uns eigentlich eine kleine Präsentation über die Entwicklung der New Sprouts Farm halten, jedoch konnte niemand den Projektor auftreiben. Also wurde wieder ein wenig getanzt und wir haben Verse aus der Bibel pantomimisch dargestellt. Das war für mich gar nicht so einfach, da man diese ja auch erst einmal auf Englisch verstehen muss und ich habe keine Ahnung, wie man die sich dann auch noch alle merken und erraten kann.

Am Sonntag war dann wieder Arbeiten angesagt und es kamen einige Gäste aus der Stadt, um mit dem Bau der Scheune zu helfen und insgesamt war ganz schön viel los auf der Farm. Uryahs Schwager hat angefangen, einen Bärenkopf aus einem Holzstamm zu schnitzen und alle Kinder haben ihm fasziniert zugesehen. So hatte ich auch noch einen schönen letzten halben Tag und habe mich dann verabschiedet von einer tollen Gruppe an Leuten, die mir angeboten haben, jederzeit wieder bei ihnen oder irgendeiner anderen Gemeinschaft auf der Welt vorbeizuschauen. Auch im Café hielt ich noch kurz an, um Daveg und Emonah noch Tschüss zu sagen. Damit ich zumindest auch noch etwas von der Umgebung des Comox Valleys zu sehen bekomme, fuhr ich anschließend auf den Mount Washington, wo wirklich kaum Schnee liegt, man dafür aber einen grandiosen Ausblick aufs Land und aufs Wasser bekommt, wo die vielen Fähren unterwegs sind.

Danach ging es für mich wieder einmal nach Nanoose Bay zu Cheryl und Seann. Ich war sehr froh, dass ich an dem Tag nicht mehr ganz so weit fahren brauchte und sie wieder besuchen konnte. Emma hatte mich ja gewarnt, dass es etwas schockierend sein könnte, wenn man wieder in die „normale Welt“ kommt und das habe ich auch deutlich gemerkt, als wir abends die Oscars geschaut haben und dazu noch die Werbung zwischendrin. Anschließend entspannten wir wieder schön im Whirlpool.

Später fing ich dann an über die Twelve Tribes im Internet zu recherchieren und war sehr geschockt und traurig, was ich dort alles finden musste. Sie werden offiziell als Sekte bezeichnet, in der Kinder geschlagen werden und jeglicher Kontakt mit der Familie außerhalb der Gemeinschaft verboten werden würde. Das diese beiden Aussagen zumindest über die Community in Courtney nicht zutreffen kann ich ziemlich sicher sagen, aber ich weiß natürlich nicht, wie es woanders abläuft. In Deutschland gab es vor zwei Jahren wohl eine große Debatte in den Medien darüber und fast alle Kinder wurden damals von ihren Eltern weggenommen und aus der Gemeinschaft herausgebracht. Für mich ist das alles sehr schwer zu glauben und mit meinen Erlebnissen in Verbindung zu bringen. Es stimmt definitiv, dass ich die Farm nicht gerne verlassen habe, weil ich mich dort unheimlich wohl gefühlt habe. Nun muss ich das Ganze erst einmal etwas verarbeiten, aber eine sehr interessante Erfahrung dort eine Woche zu leben war es auf jeden Fall.

Den sommerlichen Montag verbrachten Cheryl und ich in Parksville am Strand und auf dem Boardwalk direkt am Meer, waren Eis essen und durch die Läden schlendern, bevor ich zurück zu den Oldfields nach Mill Bay gefahren bin. Dort habe ich zwei Tage damit verbracht meinen Kram zu organisieren, Wäsche zu waschen, mit den Kindern geocachen zu gehen und Erins Wissenschaftsprojekte in der Schule anzusehen. Ich mag Mill Bay, weil die Menschen sich dort wirklich draußen aufhalten und einfach mal laufen, anstatt das Auto zu nehmen. Am Montagabend habe ich an einer Yogastunde teilgenommen, was echt anstrengend war, da ich so lange kein Yoga mehr gemacht habe. Es war ähnlich wie zu Hause, nur weniger strukturiert, aber es hat mir mal wieder ganz gut getan. Die Yogalehrerin kam natürlich aus Österreich… Immerhin habe ich es jetzt noch geschafft, das auf der Insel zu machen, da es immer wieder heißt, dass Yoga hier so verbreitet wäre.

Von Mill Bay aus ging es wieder nach Victoria, wo ich im Parliament Building eine kleine Privatführung bekommen habe. Da das Parlament zu der Zeit gerade getagt hat, war die Führung etwas kürzer und dafür konnte ich dann von einer Galerie aus eine Weile bei der Debatte um das Budget für 2015 dabei sein, wo es unter anderem um Sprachtest für Einwanderer ging. Auch bei den Robben im Fisherman´s Wharf habe ich noch einmal hallo gesagt, bevor ich zu meiner Gastgeberin Roxy gefahren bin. Für meine letzten beiden Tage des Monats auf Vancouver Island habe ich nämlich zum ersten Mal das Couchsurfen ausprobiert und habe so eine kostenfreie Unterkunft bei einer völlig fremden Person bekommen. Mit ihr kann man sich echt gut unterhalten, aber sie arbeitet natürlich die meiste Zeit des Tages und so habe ich sie nur abends zu Gesicht bekommen.

Deshalb habe ich gestern Victoria nochmals alleine erkundet und sogar die Touriinfo hatte diesmal offen. Von dort aus bin ich auf einer Art ins Wasser ragender Promenade namens Breakwater gelaufen, wo die Möwen attackierend tief fliegen. Anschließend verbrachte ich eine Weile im schönen Beacon Hill Park, in dem Reiher, Enten, Kanada Gänse und Möwen alle mit ihren Jungtieren leben. Sogar eine Schildkröte konnte ich entdecken. Die Tierwelt auf der Insel habe ich sowieso sehr genossen. Nicht nur die vielen Robben und Seelöwen, aber auch die ganzen beeindruckenden Vögel wie Kolibris und natürlich die Adler. Danach bin ich ein wenig auf der Government Street durch die ganzen süßen Geschäfte geschlendert und war etwas shoppen. Hier hätte ich gerne nach einem Abiballkleid geschmökert. Die kleinen Läden hier sind echt toll. In der Chinatown habe ich die weltweit engste Shoppinggasse namens Fan Tan Alley unsicher gemacht und eine tolle kleine Bäckerei gefunden. In einem anderen Marktviertel bekam ich noch von einem Belgier eine Waffel gratis und so ging ich gut gelaunt wieder zum Auto, während das Parlament schon beleuchtet wurde. Ich musste in dem Augenblick erst einmal feststellen, wie viel sich in den paar Wochen hier verändert hatte und wie viel mir Victoria als Stadt nun besser gefällt. Es wird später dunkel, die Krokusse und Trompetenblumen blühen, die Menschen sind auf den Straßen unterwegs und die Bäume erfüllen die Luft mit weißen und rosa Blüten. Bevor ich heute die Insel verlassen habe, legte ich noch einen Stopp beim Craigsdarroch Castle ein, welcher einer der reichsten Männer des Landes einst bauen ließ, aber nicht wirklich das ist, was wir in Europa als Schloss bezeichnen. Dennoch sieht das eher große Haus echt schön aus und es steht in einer der schönsten Wohnviertel, die ich in der Stadt gesehen habe.

Nun bin ich nach einer wirklich tollen und erfahrungsreichen Zeit auf Vancouver Island wieder mit der Fähre auf dem Rückweg zum Festland und werde das gemütliche Inselleben sicher sehr vermissen.


Jenny

Dienstag, 10. Februar 2015

Robbensicht und Regenwald auf der Insel



Donnerstag, 29.01.2015 – Tag 212

Es war nicht einfach, sich von Rose und Joy zu verabschieden. Dennoch ging es am Sonntag nach einer tollen Zeit in Vancouver mit der Fähre weiter nach Vancouver Island. Von der Fähre, mit der ich anderthalb Stunden durch die verschiedensten kleinen Inseln gefahren bin, hatte ich eine super schöne Aussicht. Die Inselwelt ist wirklich beeindruckend und ein paar Möwen sind den kompletten Weg mit der Fähre mitgeflogen. Vom Fährterminal Swartz-Bay nahe der Stadt Victoria fuhr ich noch ungefähr eine Stunde und kam am späten Nachmittag im kleinen Örtchen Mill Bay an. Dort bin ich als Worker durch die Webseite „workaway“ bei einer britischen Familie für die nächsten anderthalb Wochen untergekommen. Normaler Weise kann man für Hilfe im Haushalt oder was auch immer so anfällt bei den Personen wohnen und wird verpflegt, allerdings bekommt man in der Zeit natürlich keinen Lohn. Ich habe im Keller des riesigen Hauses ein großes Zimmer plus Bad und begehbaren Kleiderschrank für mich. Die Eltern, Conal und Nic, sind sehr nett und haben mich freundlich aufgenommen. Sie meinen auch, dass ich nicht wirklich bei irgendetwas helfen müsse und mich nur ab und zu mit den Kindern beschäftigen könne. Die zwölfjährige Erin und die siebenjährige Dinah sehen ab und zu allerdings als immer an und irgendwann wird es auch etwas sehr anstrengend und am Ende des Tages bin ich doch meist sehr erschöpft. Solange die Kinder noch in der Schule sind, haben Conal und ich an meinem ersten Tag hier eine Runde durch die Gegend gemacht. Unterwegs haben wir sogar zwei Adler gesehen. Den dritten habe ich einen Tag später alleine auf meinem Weg zum Ministrand entdeckt.

Fährfahrt durch die Inselwelt zwischen dem Festland und Vancouver Island
Einer der vielen Weißkopfseeadler hier

Allgemein hat man das Gefühl, dass die Uhren auf der Insel ein wenig anders ticken als im Rest des Landes. Die Bäume sind hier alle so riesig wie im Stanley Park, die Landschaft ist von Felsen geprägt und überall gibt es schöne Strände. Um einen herum findet man unzählige Farmen und Weingüter und die Menschen sind entweder Hippies oder Natives. Hauptsächlich die Indianer vermüllen die Gegend jedoch leider sehr.

Am frühen Nachmittag hole ich dann meist die Mädels von der Schule ab oder trage Holz für den Kamin ins Haus. Dann erzählt mir Erin wie ihr Tag war und wie super „fancy“ sie doch ist und ich spiele mit Dinah von ihr selbsterfundene Spiele. Letztens mussten wir allerdings ihren kompletten Kleiderschrank über mehrere Stunden ausmisten. Es ist kaum zu glauben, wie viel Kram ein siebenjähriges Mädchen haben kann. Heute müssen wir leider noch an ihre beiden großen Regale ran. In der Familie bin ich wie eine große Schwester aufgenommen wurden. Ich passe auf die Kinder auf, wenn der Vater in der Eisfabrik ist und Erin soll ich die Nägel lackieren. Die große Schwester zu sein ist definitiv eine weitere Herausforderung für mich.

Gestern habe ich mir allerdings eine Auszeit vom Aufpassen genommen und einen Tagesausflug in die Inselhauptstadt Victoria gemacht, die für ihren britischen Charme bekannt ist. Ich hatte nicht wirklich geplant, was ich mir überhaupt ansehen wollte, weil ich einmal nicht schon vorher wissen wollte, wie dort alles aussieht. Da die Touristinformation allerdings aus unbekannten Gründen geschlossen hatte, stand ich ein wenig planlos herum. So machte ich erst einmal ein paar Bilder vom Fairmont Empress Hotel, welches eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, findet man in jeder größeren Stadt hier ein Fairmonthotel und es sind immer die größten und ältesten Gebäude, die die Region zu bieten hat. Das große Parliament Building, welches quasi das Symbol der Stadt ist, war auch nicht zu übersehen. Davor steht eine Statue von Queen Victoria, nach der die Stadt benannt worden ist. Nicht weit davon entfernt fand ich einen Springbrunnen mit Tafeln, auf denen einmal mehr alle Wappen der Provinzen abgebildet sind.

Vom Stadthafen aus bin ich dann einfach immer am Wasser entlang zur Fisherman´s Wharf gelaufen, wo unzählige kleine bunte Hausboote liegen, was sehr schön anzusehen war. Das Highlight kam dann mittendrin zwischen den Stegen. Da schwamm einfach mal eine Robbe auf dem Rücken im Wasser herum. Das war ja schon cool. Als sich allerdings einige Menschen um die eine Robbe versammelt hatten, stellte jemand fest, dass man an der Fischbude gleich dahinter Fische für die Robben kaufen konnte und man damit mehr oder weniger füttern konnte. Somit war es auf einmal nicht nur eine, sondern um die zehn Robben. Das war echt ein Erlebnis, obwohl es natürlich schon wieder etwas makaber und sehr touristisch ist mit der Fischbude.


Drei der Robben, die auf den Fisch der Touris aus sind.


Als nächstes fuhr ich ein wenig raus aus der Stadt zum Fort Rodd und dem Fisgard Lighthouse, von dem mir Erin neulich erzählte. Das sind zwei Historic Sites, die angeblich nichts mit einander zu tun haben, jedoch auf demselben Standort sind. Das Fort diente als Küstenstützpunkt im zweiten Weltkrieg und war echt interessant. Viel sehenswerter noch war allerdings der Leuchtturm, der vom Wasser und von Felsen umgeben war und somit ein perfektes Panorama abgab. Es ist echt nicht einfach, sich vorstellen, dass dieser friedliche Ort etwas mit Krieg zu tun gehabt haben soll. Das Bild war echt einmalig und ich konnte auch noch ein wenig am Strand, im Wald und auf den Felsen entlang laufen. Dabei ist mir auch ein Reh begegnet und es starrte mich einfach nur an. Inzwischen war es auch super warm und sonnig geworden und man kann sich nicht wirklich vorstellen, was für ein Wetter zurzeit im Rest Kanadas herrscht. Es fühlt sich einfach so sommerlich an.

Fisgard Lighthouse - Ein wunderschönes Fleckchen Erde
Man kann es sich nicht wirklich vorstellen, dass es Januar ist.
Nach diesem kleinen, aber sehr erfrischenden Ausflug fuhr ich wieder nach Victoria rein und ging in den Public Market, der jedoch ein wenig enttäuschend war. Anschließend lief ich noch durch die älteste Chinatown Kanadas, welche zwar klein, aber viel sauberer als die anderen zu sein scheint. In Chinatown habe ich netter Weise meinen ersten Strafzettel überhaupt fürs Parken bekommen. Der Kontrolleur muss genau in der Minute gekommen sein, die ich gebraucht habe, um vom Auto zum Parkautomaten zu laufen und zu zahlen. Die Uhrzeit auf dem Strafzettel und meinem Parkschein stimmt überein und so hatte ich heute erst einmal damit zu tun, dass mein Strafbetrag gecancelt wird. Von der Chinatown fuhr ich zum Beacon Hill Park, von wo man aufs Meer gucken konnte und ich gesehen habe, dass dort ein weiterer Strand ist. Also bin ich dort hingelaufen und im Sonnenuntergang ein wenig auf den Felsen am Meer geklettert. Dabei habe ich auch Deutsche getroffen, die für einen Austausch in der Stadt waren und ihren letzten Abend in Kanada verbrachten. Als es Dunkel war konnte ich dann das Parlamentsgebäude, dessen Umriss mit unzähligen Lampen hervorgehoben wurde und sich dann auch noch im Wasser spiegelte, bewundern.

Sonnenuntergang in Victoria
Beeindruckendes Parlaments Gebäude von British Columbia bei Nacht

Sonntag, 01.02.2015 – Tag 215

Nach einer Woche habe ich mich schließlich halbwegs daran gewöhnt, auf die Kinder aufzupassen. Der zweite Tag, an dem wir den Rest von Dinahs Klamotten aussortiert haben, hat mich allerdings etwas wahnsinnig gemacht. Ihre Freundin Dilana war da und die beiden können sich einfach so super gegenseitig ablenken und wir sind kaum vorangekommen. Als Dilana schließlich abgeholt wurde, waren wir gerade so fertig geworden und alle ein bisschen genervt, weil es so lange gedauert hat. Dennoch hatten Dinah und ich noch einen lustigen Abend bis ich sie ins Bett gebracht habe. Am nächsten Tag musste ich sie allerdings früher von der Schule abholen, weil sie Bauchschmerzen hatte. So konnten wir dann auch nichts mehr unternehmen, wie eigentlich geplant. Da die Eltern das ganze Wochenende für eine große Bestellung in der Eisfactory arbeiten müssen, bin ich auch für die beiden Tage die Babysitterin. Erin hatte gestern überhaupt keine Lust auf irgendwas und wollte einfach nur ihre Ruhe. Dinah und ich waren dafür sehr produktiv und haben eine Kunstgallerie aufgebaut und noch einen Ausflug gemacht. Wir sind bis zur Spitze des Cobble Hill Mountains gewandert, was ich von einer siebenjährigen ohne sich zu beschweren ziemlich bewundernswert fand. Vom Aussichtspunkt konnten wir bis in die Staaten gucken. Außerdem war sie zum ersten Mal Geocachen und war total aufgeregt, über die Krone, die sie dabei gefunden hat. Heute waren Erin, Dinah und ich nur  Eis essen und ein bisschen einkaufen.
Selbst nach der Wanderung auf den Berg herauf, hat man noch die Kraft Quatsch zu machen ;)

Dienstag, 03.02.2015 – Tag 217

Gestern war es wirklich mal wieder Zeit etwas zu unternehmen, da ich ja schon fast das gesamte Wochenende mit den Kindern im Haus war. Eigentlich wollten wir ja zu fünft am Wochenende rodeln gehen (keine Ahnung wo, denn Schnee habe ich bisher auf der Insel zum Glück noch nicht entdecken können) und uns mit einer Familie treffen, die eine Deutsche als Au-Pair aufgenommen hat, jedoch mussten die Eltern ja beide Tage in der Eisfabrik für eine riesige Bestellung arbeiten.

So hatte ich mir für gestern eigentlich eine Tageswanderung vorgenommen. Auf dem Galloping Goose Trail kann man nämlich den kompletten Süden von Vancouver Island ablaufen. Da man dazu jedoch einige Tage bräuchte und es keine Übernachtungsmöglichkeit an der Strecke gibt, hatte ich mir nur einen kleinen Teil vorgenommen. Allerdings hat das Wetter gestern gesaut wie blöde und damit konnte ich den kompletten Plan vergessen.

In die Richtung des Trails bin ich dennoch gefahren und habe mir zunächst die Sooke Potholes angeschaut. Angeblich sind das einzigartige Steinformationen, aber für mich sah es nach einem ganz normalen Fluss aus, wie man ihn überall findet. Ein wenig enttäuscht machte ich mich anschließend auf den Weg zum Whiffin Spit Park, einer sehr schmalen Landzunge, die das Sooke Basin bis auf vielleicht zehn Meter vom Pazifik trennt. Man kann direkt bis zum Ende der Halbinsel laufen, allerdings ist diese auch nicht viel breiter als der Kiesweg selbst. So habe ich dennoch einen kleinen Rundgang unter grauem Himmel machen können, welcher sich auch wirklich gelohnt hat. Erst einmal ist es schon toll, so „auf“ das Wasser laufen zu können. Dazu kam aber noch, dass ich von dort aus viele, viele Wasservögel und vor allem wieder um die zehn oder mehr Robben im Wasser schwimmen und tauchen gesehen habe. Und diesmal wurden sie nicht von fischwerfenden Touris angelockt, sondern schwammen einfach nur so herum. Dadurch war es natürlich noch ein viel beeindruckenderes Erlebnis.

Eine der wirklich, wirklich wilden Robben im Sooke Basin
Nach dieser Motivation war ich dann doch noch ungefähr eine Stunde auf dem Wanderweg und erreichte einen Aussichtspunkt, von dem ich auf jede Menge Bäume von oben geschaut habe, was jetzt nicht weiter spektakulär war. Zwischen den riesigen Bäumen und Farnen zu wandern ist da schon überwältigender. Allerdings hat man auch jedes Mal das Gefühl, dass man sich in den Wäldern hier total verlaufen wird. 

Wanderung durch einen typischen Wald von Vanocuver Island

Zum Nachmittag hin traf ich mich mit Francesca, die ich übers Couchsurfen kennengelernt habe, in einem kleinen Wohnbezirk am Rande von Victoria. Sie kommt ursprünglich aus dem Yukon und lebt nun schon viele Jahre in der Stadt. Wir haben uns in einem Starbucks getroffen und dann hat sie mir einen atemberaubenden Ausblick vom Mount Douglas gezeigt. Wir konnten die gesamte Stadt überblicken und das Meer darum wäre normaler Weise auch zu sehen gewesen. Wir befanden uns nämlich schon über den Wolken, da diese gestern so unglaublich tief hingen und sowieso alles in Neben gehüllt war. Zwar wollen wir definitiv nochmal bei Sonnenschein darauf, aber total beeindruckend waren die Sicht und die Atmosphäre trotzdem.  Wie auch schon vom Cobble Hill am Wochenende mit Dinah, konnten wir dennoch bis in die USA schauen und den großen Vulkan erspähen. In der Dämmerung sind wir dann wieder hinunter und entlang des Wassers gefahren. An einem kleinen niedlichen Hafen haben wir einen Halt eingelegt und wurden fast weggepustet, weil es so gewindet hat. Schließlich aßen wir schön Abendbrot in einer super süßen Pizzeria. Es hat echt Spaß gemacht mal wieder etwas mit jemandem in meinem Alter zu unternehmen und einfach mal über Reisen und die Welt zu quatschen.

Heute Morgen bin ich nach Shawnigan Lake gefahren und habe Conal und seine Kollegin Beckie bei der Arbeit in der Eisfactory besucht. Für mich war es super interessant mal zu sehen, wie Eis hergestellt wird. Beim Herstellen der Mischung, Aufkleben der Labels und Schließen der hundert Deckel konnte ich auch helfen. Für die paar Stunden hat es echt Spaß gemacht.

Jenny in der Eisfabrik
Am Nachmittag machte ich einen kleinen Ausflug nach Duncan, die Stadt der Totempfähle und das Herz des Cowichan Valleys. Durch die „Stadt“ bin ich dann immer den gelben Fußabdrücken hinterher, die einen auf eine kleine Tour zu all den Totempfählen brachte. Irgendeine touristische Attraktion muss nun mal auch Duncan haben und da viele First Nations aus dieser Gegend kommen, passt das. Allerdings gibt es nicht wirklich mehr zu sehen bzw. das was es vielleicht noch gegeben hätte, war natürlich gerade geschlossen und so machte ich mich wieder zurück auf den Weg nach Mill Bay.


Donnerstag, 05.02.2015 – Tag 219

Nachdem ich gestern nochmals mit den Mädels im Ort zum Geocachen unterwegs war und sogar Erin schließlich total begeistert davon war, zauberten Nic und Conal ein leckeres britisches Abschiedsessen. Es gab Roast Beef und Yorkshire Pudding und hat wirklich sehr gut geschmeckt.

Abschiedsessen mit meiner britischen Gastfamilie
Heute Morgen bin ich dann extra früh aufgestanden, um allen vieren noch Tschüss sagen zu können. Auch wenn ich ein paar Tage brauchte, um mich an die Kinder zu gewöhnen, sind sie mir in den letzten anderthalb Wochen sehr ans Herz gewachsen.
Beim Zusammenpacken meiner Sachen starrte mich plötzlich ein großes Reh im Garten an und ich konnte ein weiteres hinter den Bäumen erspähen. Wahrscheinlich waren es zweie von denen, die uns gestern schon beim Cachen begegnet waren.

Ein paar Stunden später habe ich in Nanaimo Hasen am Straßenrand entdeckt. Hier bin ich vorhin bei strömendem Regen angekommen und bleibe zwei Nächste im Hostel. Das Haus ist ziemlich leer. Hier sind zwei kanadische Jungs, ein etwas älterer merkwürdiger Schweizer, die Besitzerin des Hauses, ihre Assistentin und ich. So habe ich ein komplettes Dreierzimmer für mich alleine.

Heute habe ich erstmal einen kleinen Ausflug zum Pipers Lagoon Park nicht weit von der Stadt entfernt gemacht. Dieser ist so ähnlich wie die schmale Landzunge in Sooke, nur viel größer. Auf der Halbinsel bin ich einmal komplett herum auf den Felsen geklettert und habe wieder einmal ein paar Robben und diesmal sogar auch drei Seelöwen gesehen. Leider wurden das Wetter und die Sicht immer schlechter und dann fing es an zu stürmen, sodass ich zurück in die Stadt und ins Hostel gefahren bin.

Da reißt einer sein Maul aber ganz schön weit auf!

Sonntag, 08.02.2015 – Tag 222

Von Nanaimo war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Es hat nur geregnet und gestürmt, die Leute im Hostel waren ein wenig eigenartig und die Stadt kann man meines Erachtens nicht als solche bezeichnen. Im strömenden Regen bin ich also am Hafen und durch die mini „Altstadt“ gelaufe, die aus einem Block besteht und nicht wirklich alt ist. Dort hatte ich allerdings eine lustige Begegnung mit einem Backpacker, bevor ich mich lieber wieder ins trockene Hostel verzog.

Gestern ging es dann weiter nach Parksville. Allerdings bin ich nur durch die Stadt durchgefahren, da sie auch nicht groß anders aussah als Nanaimo und ich so lieber einen Stopp im kleinen Örtchen Qualicum Beach direkt am Strand machte. Viel zu sehen gab es dort auch nicht, aber zumindest waren die Häuser ein wenig farbenfroher und die Menschen waren draußen auf den Straßen unterwegs und hatten gute Laune. Was vielleicht auch ein wenig daran liegen könnte, dass es nicht aus Eimern geschüttet hat.

Am Strand von Qualicum
Zum Nachmittag fuhr ich nach Nanoose Bay, wo ich die Nacht über bei der Mutti von Eryn aus Cochrane blieb. Cheryl und ihr Lebensgefährte Seann sind zwei außerordentlich nette Menschen und großartige Gastgeber. Sie leben in einem Resort direkt in einer Bucht und haben vom Wohnzimmer aus den Ausblick aufs Wasser. Es ist einfach nur wunderschön dort und die Umgebung macht einen sprachlos. Zu dritt sind wir zu ein paar ins Wasser ragenden Felsen gegangen, die die verschiedensten Farben und Formen hatten. Bei diesen einzigartigen Steinformationen haben wir die Seelöwen vorbei schwimmen gesehen und auch die Sonne zeigte sich mal zur Abwechslung ein ganz kleines wenig und brachte einen schönen Regenbogen mit. Anschließend fuhren wir in eine Bucht nicht weit davon entfernt, wo wir eine komplette Seelöwenkolonie vorfanden und beobachten konnten. So etwas habe ich echt noch nie gesehen! Es waren einfach so unglaublich viele Tiere und die machen so einen unvorstellbaren heiden Lärm. Das war definitiv ein Highlight, das ich nicht so schnell vergessen werde. Wieder zurück im Resort haben wir Burger zum Abendbrot gegessen, waren im strömenden Regen im Whirlpool entspannen und haben den interessanten Geschichten von Seann gelauscht, da seine Mutter in der Nachkriegszeit mit ihm aus Deutschland geflohen ist. Diese Nacht konnte ich dann auch endlich mal wieder gut schlafen, nachdem die letzten beiden Nächte im Hostel in Nanaimo ziemlich anstrengend waren, da man alles gehört hat, was im Flur und in den Nebenzimmern vor sich ging.

Gut gelaunt warten wir auf die Seelöwen, die hier wohl öfter mal vorbei kommen.
Entdeckt!!! Keine zehn Meter von uns entfernt.

Das sind nur einige der lauten Seelöwenkolonie.
Heute machte ich mich nun auf den Weg in den Westen der Insel, da ich zuvor immer entlang der Ostküste hinauf gefahren bin. Im McMillas Provincial Park/Cathedral Grove machte ich eine kleine Pause. Dort ist man wirklich im Regenwald und die riesigen Bäume sind bis zu 800 Jahre alt. Eigentlich sehen so ziemlich alle Bäume auf der Insel so urig aus, aber es war dennoch sehenswert auf den matschigenen Wegen den Wald zu erkunden.

Erholungspause im kanadischen Regenwald
Ich fühle mich soooo winzig!!

Nach 2-3 weiteren Stunden im Auto erreichte ich schließlich Ucluelet am späten Nachmittag. Das Motto „Life on the edge“ drückt sehr schön aus, dass man hier wirklich am letzten Zipfel des Landes ist, dafür aber auch am wilden Pazifik und den schönsten Stränden Kanadas. Hier bleibe ich eine Woche im Hostel, wo mir erst einmal eröffnet wurde, dass ich der einzige Gast derzeit wäre. Schließlich kam dann noch Suzie, die spontan für zwei Tage aus Victoria zum Surfen hier hochgefahren ist. So sind wir für ein paar Tage zumindest schon zwei Leute im Haus und ich bin gespannt ob das kleine Stückchen Erde, wo ich gerade bin, das hält, was alle von ihm versprechen.

Jenny