Donnerstag, 19. September 2013

Englandfahrt vom 01.09.2013 bis zum 05.09.2013

We´re so amused... 

Die Reise ging schon chaotisch los. Unsere liebste Karo hatte ihren Ausweis vergessen und musste dadurch noch einmal nach Hause. Somit mussten 50 weitere Schüler plus drei Lehrer und ein Busfahrer auf sie warten und unsere England-Tour begann schon mit einer halben Stunde Verspätung. Aber das war noch nicht einmal das eigentlich Problem. Unserer Reiseveranstalter hatte sich ein wenig mit dem Zeitplan verschätzt und so hatte unser Busfahrer überhaupt keine Chance uns rechtzeitig nach Zeebrügge in Belgien zur Fähre nach Hull in England zu bringen, wie es eigentlich geplant war. Also entwickelten unsere drei mitfahrenden Englischlehrer einen Notfallplan mit einer neuen Reiseroute. Dadurch wurde leider auch die englische Stadt York von unserem Reiseplan gestrichen.
Dafür verbrachten wir die erste Nacht in einem wunderschönen belgischen Städtchen namens Brügge. Abends unternahmen wir in einer kleinen Gruppe von sechs Leuten einen Spaziergang durch die Altstadt mit vielen bezaubernden Häuschen geschmückt mit bunten Lichtern. Besonders eindrucksvoll war ebenfalls der Marktplatz mit dem Rathaus und dem Belfried, also dem Glockenturm der Stadt. Auch in der Dunkelheit so viele schöne Ecken zu erkunden. Nachdem wir eine Weile gelaufen waren, entschieden wir den Rücktritt anzutreten. Jedoch hatten wir uns nachts in Brügge ein wenig verirrt und brauchten einige Zeit, bis wir das Hotel erreicht hatten. Doch da es so schön heißt: „Wer Erfahrungen machen will, muss Umwege gehen“ (Andrzej Szczypiorski), hab ich am Verlaufen ja sowieso stets meine Freude und so sahen wir auf unserem Weg noch ein bisschen mehr von den Kanälen, die die Stadt umgeben.

Am folgenden Tag erreichten wir die Fähre, nun allerdings von Calais in Frankreich aus, pünktlich. Diese brachte uns in knappen zwei Stunden Fahrt nach Dover, an der Küste Englands. Vom Schiff aus hatten wir einen guten Blick auf die Stadt und ebenfalls auf die Kreidefelsen.
Anschließend ging es mit dem Bus weiter nach Canterbury. Eine Stadt wie eine Filmkulisse. Voller Fachwerkhäuser, Pubs und einer eindrucksvollen Kathedrale mit einer mysteriösen Mordgeschichte. Wir bekamen eine kleine Stadtführung und etwas Zeit, um uns auf eigene Faust noch einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen. So machten Anne und ich einen kleinen Stadtbummel und suchten auch den ein oder anderen süßen Laden auf.

Canterbury - Kathedrale
Später fuhren wir dann nach London, das Hauptziel unserer Reise. Bei der Ankunft am ersten Hotel gab es zunächst einige Probleme mit der Zimmerverteilung. Dies erwies sich später allerdings als unnötig, da alle Zimmer gleich eng, dreckig und hässlich waren. Um möglichst wenig Zeit im Hotel verbringen zu müssen, machten sich Tabitha und ich relativ schnell auf den Weg Englands Hauptstadt zu erkunden. So bekamen wir an dem Abend noch die Themse mit der London- und der beeindruckenden Towerbridge zusehen. Des Weiteren liefen wir am Tower of London und The Shard, welche bis Oktober 2012 das höchste Gebäude Europas darstellte, entlang.

London - Themse
London - Tower Bridge
Den Dienstag verbrachten wir komplett in Cambridge. Genauso stellt man sich eine typische englische Universitätsstadt vor. Dort nahmen Tabitha und ich einige College-Gebäude in Augenschein und schlenderten die meiste Zeit entspannt und bei Sonnenschein durch die Gassen, über den Markt und einen kleinen Park. Dabei sind wir eher zufällig auf den wundervollen Laden „Lilac Rose“ gestoßen, in dem wir wirklich alles hätten kaufen können – von Schmuck, über Bücher und Taschen bis hin zu zauberhaften Kleidern. Ich war selten so beeindruckt von einem Laden.
Cambridge - King´s College
Gegen Nachmittag fuhr der Bus uns zu unserer zweiten Unterkunft in London. Obwohl ich mir das Zimmer dort mit 14 anderen Mädels geteilt habe, war das Hotel deutlich geräumiger und hygienischer, sodass sich die meisten dort sehr wohlfühlten. Abends fand dann nur noch ein Gang zum Supermarkt und eine Quatschrunde in der Lobby des Hotels für mich statt.

Am nächsten Tag hatten wir nun endlich Gelegenheit London zu erkunden. Diese Freude wurde allerdings sehr schnell wieder durch eine Stadtführung in unserem Bus mit einer deutschen Stadtführerin mit schlechtem Englisch zerstört. Dabei haben wir mehr Autos und Luxusshops gezeigt bekommen, anstatt der touristischen Attraktionen und ich habe auch nie das gesehen, worüber die nette Frau gerade gesprochen hat bzw. sie hat nie über die Dinge gesprochen, die ich gerade gesehen habe. Also entschieden Tabitha, Sophie und ich uns dafür, anschließend selbst noch einmal die hauptsächlichen Sehenswürdigkeiten zu erlaufen. So gingen wir (Tabitha übrigens nur mit einem Schuh…) neun Stunden lang durch die gesamte Innenstadt. Dabei besuchten wir den BigBen und Westminster Abbey von außen, fuhren wir mit dem Riesenrad London Eye, liefen über die Millennium Bridge zur St. Pauls Cathedral und begegneten dabei einem kleinen niedlichen singenden und Gitarre spielenden Jungen während er gerade ein Video von sich für Youtube drehen ließ sowie einem Mann, der die Welt bereist und überall die auf der Straße klebenden Kaugummis anmalt. Zudem stiegen wir die 311 Stufen des Monuments hinauf und wieder hinab, um einen Ausblick über die Stadt zu haben, und bekamen somit auch noch einmal einen Blick auf die Tower Bridge. Auf unserem Rückweg nahmen wir den Leadenhall Market sowie den Covent Garden auf dem Weg zum Picadilly Circus mit. Dort hielten wir uns eine Weile im M&M-Shop auf, bevor wir weiter gingen zum Buckingham Palace. Zwischendurch legten wir ein paar kleine Pausen ein, beispielsweise im St. James Park ein. Abends liefen wir noch ein Stück auf der Oxford-Street, auf welcher die Hälfte unserer Reisegruppe den gesamten Tag mit Shoppen verbracht hatte. Mit der Underground ging es dann zurück zum Hotel am äußersten Rand der Stadt. Dort waren wir allerdings auch sehr erschöpft, sodass wir nach diesem ausgeuferten Spaziergang nur noch ein paar Stunden in der Lobby saßen.

London - London Eye
London - St. Pauls Cathedral
London - Picadilly Circus
London - Buckingham Palace
Am Donnerstag mussten wir dann schon wieder unsere Rückreise antreten. So fuhren wir mit dem Bus wieder nach Dover und die Fähre setzte uns über nach Calais. Am Morgen des nächsten Tages erreichten wir wieder Bernau.

Insgesamt war es eine schöne Reise und mir hat besonders gefallen, dass wir auch kleine Städte wie Brügge und Cambridge besuchten. Allerdings habe ich auch feststellen müssen, dass Vorstellungen vom Reisen sehr variieren können. ;)

Jenny
                                                                                                                     

Freitag, 2. August 2013

Von Seehunden und Schweden, wie aus dem Bilderbuch!


Sommerreise auf der Thor Heyerdahl - Teil 2 (07.07. - 09.07.2013)


Nach dem Auslaufen aus Göteborg am nächsten Morgen, konnten wir erstmals die schwedische Schönheit der Schären erkennen! Wir haben uns den ganzen Tag durch die Schären geschlengelt und sind am Nachmittag in einer traumhaften Bucht, umringt von Steinen, vor Anker gegangen.
Mit den Dinghis (Beibooten) konnten wir an Land paddeln, die Schären erkunden (mit freilaufenden Kühen), baden gehen und einfach nur die Natur Schweden‘s genießen. Das Wetter dafür war perfekt! Am Abend haben wir den selbstkonstruierten Grill angeschmissen und die Sonne hinter den Schären verschwinden sehen. Ein richtig kitschiger Sonnenuntergang. So richtig dunkel wurde es übrigens nie, da wir doch schon recht nördlich waren. Wie an vielen Abenden auf der Thor wird natürlich noch Wizard gezockt. 
Inzwischen war die Hälfte der Reise schon rum. So schnell wie die Zeit auf der Thor vorbei  geht, kann man gar nicht gucken. Aus anfangs “fremden“ Leuten, werden Freunde, der Bordalltag spielt sich immer mehr ein und Motivation, sowie der Spaß hören einfach nicht auf!

Auf der weiteren Planung stand, bei einer anderen netten Stadt vorbeizuschauen. Neues Ziel war Marstrand. Ein beschauliches Städtchen auf zwei Schäreninsel verteilt, auch als Seglermetropole bekannt. Zudem sollte ein kleines Stückchen außerhalb der Schären eine leichte Windbrise wehen, die uns möglicherweise ein paar Segelstunden bescheren könnte! Am Vormittag hatte ich noch Backschaft. Also ging der Tag für mich auch schon um 06:00 Uhr los und da Seemannssontag war, hieß es ein besonders leckeres Frühstück bzw. Mittag für die hungrige Meute zu zaubern. Das Frühstück war schnell gemacht. Obligatorischer Obstsalat, endlich wieder Nutella und als „Extra“ gekochte Eier in drei Härtestufen (obwohl ich glaube es waren ein paar mehr, aber wen kümmert das). Nachdem alle zufrieden waren musste abgeräumt, abgewaschen und das Mittag vorbereitet werden. Ein Braten sollte bei allen den Hunger stillen. Jedoch hat man uns nicht gesagt, wie viel Wind es überhaupt geben sollte. Schon kurz darauf ging das Geschaukel los und in der Kombüse gab es einen regen Wechsel aus Leuten, die sich in die Küche trauten, ohne gleich wieder über der Reling hängen zu müssen... Der Geruch von Essen und das Schaukeln ist eine ganz fiese Kombination, das muss auch ich zugeben. Ich musste auch öfter mal frische Luft schnappen. Trotzdem wurden alle Segel regelrecht hochgerissen und auch wenn der Effekt nicht allzu groß war, da der Wind nicht aus der perfekten Richtung kam und man wieder die Segel nicht besser hätte richten können, waren wir froh ein wenig richtige Seeluft schnuppern zu können. Dank der vielen Helfer haben wir es geschafft den Braten zu vollenden und ein anscheinend sehr leckeres Essen gekocht zu haben, denn der Nachschlag war sehr gefragt. An dieser Stelle wäre die Backschaft eigentlich zu Ende, aber wenn Johanne, Giulia und Nils Backschaft haben, diese zum Kaffee leckeres Eis machen wollen, muss man einfach mithelfen :) Dazu hatte sich auch der Wellengang wieder beruhigt, wir waren innerhalb des Schärengebiets und Marstrand nicht mehr weit. Es kam mir so vor als wären wir noch dichter an den großen Felsen vorbei gefahren, als sonst. So übernahm der Kapitän höchstpersönlich zeitweise das Steuer, da es wirklich nur ein paar Meter Abstand zum nächsten Felsen war. Etwas größere Schären waren auch bewohnt. Mal mit drei Häusern, mal mit zehn oder auch ein kleines Dörfchen. So ein Leben auf einer Schäre könnte ich mir auch ziemlich gut vorstellen... Weitere Bewohner von Schären sind Seehunde. Diese liegen einfach nur da und sonnen sich. Die sind sooo süß und der Anblick war schon sehr beeindruckend! 
Am Nachmittag gab es dann also Eis. Dafür haben wir heiße Himbeeren und  karamellisiertes Krokant gemacht und es gab zur weiteren Auswahl Streusel, Schokosoße,  Sahne, Nüsse... Die Aktion war echt lustig: an dem einen Bulleye wurde die Bestellung aufgenommen, heißt Schokieis oder Erdbeereis oder einfach beides und welche sogenannten „Toppings“ man wollte (sie hangen extra draußen noch einmal für jeden dran) und am anderen Bulleye war dann die Ausgabe. In der Kombüse hatten wir schon unseren Spaß! Ich glaube es gab keinen, dem das nicht geschmeckt hat! 

Zurück zum Reiseverlauf. Der Yachthafen in Marstrand ist riesig, aber für unsere 50m lange Thor ist da kein Platz. Aus diesem Grund haben wir vorerst geankert und das Dinghi ist nach Marstrand gefahren und hat die Lage ausgescheckt, ob es einen freien Anlieger für uns gibt. Wir hatten in der Zwischenzeit die Möglichkeit, erneut eine Schäre zu erkunden. Unser Plan ging nicht auf und in Marstrand war vorerst kein Platz für uns. Aber am nächsten Tag konnten wir gegen Nachmittag einlaufen. So haben wir den Abend in Ruhe ausklingen lassen und auch die Ankerwache von 00:02 bis 00:04 Uhr ging recht schnell vorüber. Am nächsten Tag haben wir uns wieder den Weg durch die immer noch sehr beeindruckende Schärenwelt gebahnt. An diesem Tag hatte ich in der Wache zum ersten Mal die Maschinenrunde allein gemacht! Darauf war ich sehr stolz. Ich war nun schon so oft auf der Thor, aber das bin ich bisher immer gekonnt umgangen. In der Maschine ist es sehr warm, sehr laut und es riecht nach Öl. Dazu soll man noch an den sich bewegenden Teilen arbeiten... gar nicht mein Ding! In unserer Wachzeit sind wir dann  später auch noch in Marstrand eingelaufen. Der erste Eindruck war, wie Schweden aus dem Bilderbuch. Viele bunte Holzhäuser, weiter oben gelegen eine Burg und davor ein imposanter Yachthafen. Wir haben auf der gegenüberliegenden Seite des Yachthafens, also auf der anderen Schäreninsel von Marstrand angelegt. Da war genau Platz für zwei größere Schiffe. Das andere Schiff war eine Riesen-Motor-Yacht. Prolliger ging es gar nicht. Giulia und ich wurden jedenfalls schon vorher mit dem Dinghi an Land abgesetzt, um die Leinen anzunehmen. Beim Anlegen hat der Eigner der Yacht auch mal über sein Boot geschaut, dass es auch ja keine Schramme abbekommt. :D Nachdem aber erstmal alles gut geklappt hat, gab‘s Pudding zum Kaffee mit leckerem Obst (und natürlich Äpfel aus Neuseeland). In der Zwischenzeit kam so ein Hafenmann von Marstrand vorbei, der uns sagte, dass der Anliegeplatz noch heute gebraucht werden würde und wir da nicht hätten bleiben können. So hieß es kurz nach dem Essen, wieder ablegen. Schönes Ding. Und das hätte den auch nicht früher einfallen können. Erst gegen sechs Uhr haben wir dann kurz vor Marstrand den Anker fallen lassen und über einen stündlichen Dinghi-Shuttle konnten wir an Land gehen. Und das taten wir auch. Wir sind ein wenig durch den Stadtteil geschlendert, haben uns in den kleinen Läden umgeschaut und natürlich Süßigkeiten gekauft. Als langsam die Sonne unterging sind wir zurück auf die Thor, da wir noch Abendbrot mitessen wollten und wir die andere Hälfte der Insel mit Felsen und Badebuchten auch noch am nächsten Tag bestaunen konnten. Auf der Thor waren nicht viele, deswegen war es ein sehr ruhiges und wirklich sehr leckeres Abendessen an Deck mit wunderschönen Sonnenuntergang! Ich fand es gar nicht so schlecht, dass wir ankerten, denn so hatte man einen perfekten Blick auf die gesamte Insel. Am Abend haben wir in kleiner Runde dagesessen und uns unterhalten.
Gut ausgeschlafen sind wir am nächsten Tag, immer noch mit Sonnenschein, auf ein neues, rüber an Land gefahren. Ein leckeres Eis nach dem Frühstück....was gibt es besseres. Vollkommen gestärkt sind wir dann ein wenig am Wasser entlanggegangen und sind über die großen Felsen balanciert. Es war echt total warm und ich hab mich geärgert, dass ich meine Badesachen nicht mit hatte, denn in den kleinen Buchten haben immer wieder mal welche gebadet. Aber der Blick von höheren Felsen über das Wasser war echt wie im Film! Da uns die Zeit ein wenig drängte sind wir auf der Hälfte des Weges quer über die Insel zurück gegangen. Dabei haben wir noch die Burg von außen gesichtet und noch einen weiteren Blick von oben über die bunten Häuser von Marstrand bekommen. Nach einem letzten Einkauf der lebenswichtigen Lebensmitteln (Schoki!) ging es per Dinghi wieder zurück. Schon nach dem Mittag sollte es weitergehen. Unser nächstes Ziel war schon wieder Kiel. 

Laura



Letzter Blick auf Göteborg beim Auslaufen... 
Die Thor in der traumhaften Bucht!

Mit meinem rechten Schuh bin ich in etwas sumpfigen stecken geblieben :D 

Wir Segeln!!!

Vielleicht nicht unbedingt zu sehen, aber auf den Steinen liegen Robben! (auch nicht unbedingt zu sehen, aber ich steh am Ruder) (Foto: Caro)

Hier noch einmal richtig. Unglaublich süß!  (Foto: Sven)

Marstrand beim Einlaufen.

Die Thor dann doch vor Anker!

Der Sonnenuntergang war noch 100x schöner in Echt!

Ein Eis am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen :) 

Bei unserem Rundgang um die Insel.

Wie im Märchen...

Die Burg!

Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr hinten im Wasser die Thor (mit den drei Masten ;D)! 



Saying Goodbye…

Kanada Teil 8 / 29.07. – 31.07.2013

Calgary – eine wundersame Stadt

Nachdem wir den Sonntag damit verbracht hatten, Fotos auszutauschen, uns auszuruhen und den letzten Film zu Ende zu gucken, bekam ich am Montag mehr und mehr eine deprimierende Stimmung. Es war Zeit zu Packen und so verbrachte ich den halben Tag verzweifelt damit, die ganzen Geschenke der vielen neuen Freunde in meinen Koffer zu bekommen, ohne meine Klamotten draußen lassen zu müssen. Caren hatte sich den Tag freigenommen und Marc arbeitet ja sowieso von zu Hause aus. So haben wir versucht, meinen letzten Tag zusammen noch halbwegs zu genießen. Zum Nachmittag hin fuhren wir nach Downtown, aßen ein letztes Mal im Baraka und besuchten anschließend die JackSingerHall, die Konzerthalle des Calgary Philharmonic Orchestras. Alex hatte uns Samstagabend ja eingeladen, ihn einmal bei der Arbeit zu besuchen. So konnten wir dem Paukenspieler dabei zusehen und auch helfen, wie er seine Pauken reinigt, bevor er uns durch das Gebäude führte. Bei dieser kleinen Privattour liefen wir u.a. einmal quer über die große Bühne und warfen einen Blick in die Backstage- bzw. Vorbereitungsräume der Musiker. Im Aufbewahrungsraum der Schlaginstrumente, welcher auch zeitgleich Alex Trainingsraum ist, durften wir sogar mit brandneuen Sticks auf einer seiner original Pauken (versuchen zu) spielen, was eine mega große Ehre war. Danach fuhren Caren, Marc und ich wieder nach Cochrane und machten ein schönes und lustiges Abschiedsabendessen mit Burgern, Sekt und Eis und einem bösen Grill, der Carens Finger verbrannt hat.
Am nächsten Morgen konnte ich nochmals schön ausschlafen, während Caren im Tower wieder ohne mich und Marc von zu Hause aus arbeiten musste. Ich habe in der Zeit es auf irgendeine nicht nachvollziehbare Weise geschafft, alles in meinem Gepäck zu verstauen, sodass es auch noch zu ging und sogar unter 23 kg Gewicht blieb. Ein Erfolgserlebnis! Mittags fuhren Marc und ich noch einmal in das Zentrum Cochranes zum Suppe-Essen, bevor wir uns samt meiner gesamten Habseligkeiten auf den Weg nach Calgary machten. So holten wir Caren von der Arbeit ab und ich hatte noch einmal Gelegenheit mich von Ann und Larissa, einer Mitarbeiterin vom Tower, zu verabschieden. Außerdem hielten wir noch kurz bei Alex, bevor wir zum Flughafen fuhren. Dort saßen wir noch ein wenig im Tim Hortons und besuchten auch das Visitor Information Centre des Airports. Zufällig hatte Erie gerade zu der Zeit Schicht, mit der ich mich vor der Parade am Anfang meiner Reise angefreundet hatte. Nachdem ich mich auch noch von ihr verabschiedet habe, begleiteten Marc und Caren mich noch bis zur Sicherheitskontrolle. Dort war es dann aber auch Zeit für sie Tschüss zu sagen, was uns allen drei sichtlich schwer fiel. Kurz darauf befand ich mich auch schon im Flieger über den Dächern der Stadt, in der ich vier so wundervolle und unvergessliche Wochen erlebt hatte. Und alles, was mir blieb, waren die die vielen, überwältigenden Erinnerungen und die Hoffnung und Überzeugung auf ein Wiederkommen.

Jenny

Sonntag, 28. Juli 2013

Einfach tolle Leute!

Kanada Teil 7 / 23.07. – 28.07.2013

Meine letzte Arbeitswoche…

 … war voller Abschiede. Doch am Dienstag lernte ich auch wieder neue Menschen kennen, da Caren mich ein paar Leuten im Headoffice von Tourism Calgary vorstellte.  Dort habe ich sogar eines Stampede–Poster dieses Jahres, die übrig geblieben waren, mitnehmen dürfen. Dazu gab es auch noch ein Hochglanzheft der Parade von 2012 für mich. Als wir wieder im Center waren, habe ich ein super süßes Abschiedsgeschenk von Ann und Debbie bekommen: Eine riesige Schokoladentafel vom Chocolatier. An dem Dienstag voriger Woche hatten Caren, die beiden und ich über meine Schokoladenvorliebe bzw. –Sucht gesprochen, was sich meine lieben Kollegen natürlich gemerkt und zu Herzen genommen haben. Zudem habe ich an diesem Tag meine insgesamt längste Beratung  mit einer Deutschen geführt und dabei erst einmal mitbekommen, wie viel ich in den letzten Wochen in Calgary und während der Arbeit gelernt habe.  Auch in der Mittagspause habe ich wieder eine neue Ecke der Stadt kennengelernt. Caren und ich liegen hinunter zur Chinatown. Das Neue für mich war der Besuch im Chinese Culture Centre. Die Kuppel empfehle ich bei ca. jeder zweitern Beratung als Nachbildung des Temple of Heaven in Peking. Dabei musste mir Caren erst einmal den Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Löwen erklären, die vor dem Eingang vieler chinesischer Gebäude stehen. Anschließend besuchten wir noch einmal den TD-Square und lasen Resieführer über Berlin und Deutschland und was man bei einer Reise dorthin beachten sollte: Beispielsweise, dass man bei einer Einladung zum Abendessen immer pünktlich und mit Blumenstrauß erscheint. Nach der Pause war es auf der Arbeit sehr ruhig und so machten Debbie und ich den Souvenir-Shop neben dem Visitor Information Centre unsicher, um mir eine Calgary Tower – Jacke zu kaufen. Eine sehr lustige Aktion und dadurch werde ich auch immer an Debbie denken müssen, wenn ich den Hoodie trage.Während ich nach dem Anprobieren mein Geld holen war, handelte sie großartiger Weise mit Cecile, der Verkäuferin, die mich natürlich auch vom Sehen her kennt, einen Rabatt von 20% für mich aus. Währenddessen besuchte der Däne mittlerweile zum vierten Mal die Tourist-Information und verabschiedete sich, bevor er in die Berge fahren wollte. Nachdem ich meine Jacke also gekauft hatte, war es an der Zeit, mich von Debbie zu verabschieden, deren Worte ziemlich rührend waren. Erstens, weil sie viele hohe Ränge innerhalb Calgarys schon einmal inne hatte und dadurch auch super gute Beziehungen pflegt. Zweitens, weil der Onkel ihres Uropas (oder so ähnlich) einer der Big Four Gründer der Stampede gewesen war und sie und ihre gesamte Familie immer noch stark in das Festival involviert sind. Und drittens, weil sie mir und ich ihr innerhlab von drei gemeinsamen Arbeitstagen sehr ans Herz gewachsen ist. Die restlichen Schichtstunden des Tages verbrachte ich damit, den Strategie-Plan von Tourism Calgary zu studieren, solange keine Besucher kamen.  Als es dann 17 Uhr war, fuhr ich vollbepackt und vollkommen erschöpft mit Caren nach Hause. Auf dem Weg mussten wir allerdings noch Marcs reparierten Computer abholen. Dafür kochte er uns in der Zwischenzeit schon einmal Gulasch und Nudeln. Nach dem Essen schauten wir den Film „Shall we dance?“ und Marc machte mir aus Erdbeeren den leckersten Smoothie, den ich je getrunken habe.
Am Mittwoch besuchte ich abermals das Headoffice, um die Personalleiterin kennenzulernen, die mir mein Praktikum ermöglicht hatte. In der Pause sind Caren und ich in Bankers Hall essen gewesen, bevor wir zur relativ neuen Peace-Bridge gefahren fuhren. Am Ende dieses Arbeitstages musste ich mich dann von meiner Kollegin Ann verabschieden. Ann ist, neben Caren als Supervisor, die einzige Festangestellte, allerdings nur auf Teilzeit. Nach der Arbeit haben Caren und ich bei Jelly Modern Doughnuts schöne und vor allem leckere Donuts gekauft. Abends kochte Marc Tomatensuppe und zum Nachtisch gab es leckeres Eis von der bekanntesten und besten Eisfirma Cochranes. Beim Essen wurde mir dann das Klavier neben dem Esstisch von innen gezeigt und erklärt, was ich so auch noch nie gesehen hatte.
Den nächsten Morgen war es verhältnismäßig ruhig im Tower. Allerdings kam die Volunteerin JoAnn nicht und so hatte ich leider auch keine Chance, um mich von ihr zu verabschieden. Der Bruder ihres Lebensgefährten ist der Zeichner der Simpsons, was mir wieder einmal zeigt, was für verrückte Beziehungen ich während dieser Reise so gemacht habe. Sonst habe ich mich am Donnerstag ein wenig ums Eventboard gekümmert. Caren und ich haben in unserer Mittagspause das beste Eis der Stadt gegessen und dabei unter Anderem die Eissorten Huckleberry und Toasted Marshmallows probiert. Auch Mikki haben wir einen Becher Erdbeereis mitgebracht und als sie von ihrer Pause wiederkam, hab ich von ihr noch ein Geschenk bekommen. Dabei wollte sie es gar nicht glauben, dass es schon mein vorletzter Praktikumstag war. Von ihr bekam ich zwei große, schwere Bücher, die sie mir ein paar Tage zuvor empfohlen hatte, worüber ich mich riesig gefreut habe. Am Ende des Tages ging dann der winzige Vorrat an Citymaps aus, der die Flut überlebt hatte. Nun hab es nur noch andere, komische Karten. Ich frage mich nur, wie eine Tourist-Information arbeiten soll, wenn auch alle anderen Karten bald aufgebraucht sind… Nach unserer Schicht holte uns Marc vom Tower ab und zusammen fuhren wir zur Old Spaghetti Factory, wo ich meine beiden Gasteltern zum Essen einlud. Sie waren bisher noch nie dort gewesen und es war mein Wunsche, da ich letztes Jahr mit meinen Eltern in Banff, Vancouver und Whistler darin sehr lecker gegessen hatte. Auch Donnerstag hat e suns allen super geschmeckt. Auf dem Weg zum Restaurant haben wir, wie es der Zufall immer so will, zwei Baguettes gratis bekommen. Dabei überquerten wir auch die Prince´s Island, die durch die Flut total zerstört worden war und dadurch für die letzten Wochen natürlich geschlossen werden musste. Am Donnerstagabend wurde sie jedoch für das Folk Festival wieder geöffnet, von dem wir auch etwas Musik hören konnten. Auf dem Rückweg zum Auto kamen wir noch am Sheraton-Hotel vorbei, wo Caren nur dem Concierge schnell grüßen wollte und so lernte ich diesen dann auch noch kennen. 
Am Freitag war dann endgültig mein letzter Arbeitstag, an welchem ich dann wirklich noch mit den anderen, hässlichen und verwirrenden Karten arbeiten musste. Aber auch das habe ich dann erstaunlicher Weise überlebt. Und ich muss echt zugeben, dass mir die Arbeit im Visitor Information Centre echt Spaß gemacht hat und ich soooooo vieles gelernt habe. Dieses Praktikum hat mir eine Menge geholfen, herauszufinden, in welche Richtung ich einmal beruflich hinmöchte und ich bin sehr froh, dass ich so freundlich und willkommen in das Team von herzlichen Mitarbeitern aufgenommen wurde. Zudem macht es mich total glücklich zu hören, dass ich wirklich helfen konnte und ihnen auch eine Menge Arbeit abnehmen konnte. Alle haben mir versichert, dass sie mich sehr vermissen werden und hoffen, dass ich vielleicht ja sogar schon in einem Jahr wiederkomme. Jedenfalls werde ich diese Zeit sehr gut in Erinnerung halten, ob es um die anfänglichen Schmerzen in den Knien geht, wenn man sich beim Broschüren auffüllen immer ungemütlich hinhocken muss oder um das Einschneiden der Flyer in die Hände oder auch einfach nur das Beraten gutgelaunter und urlaubsreifer Kunden und die Zusammenarbeit mit tollen Mitarbeitern.
das VIC von Calgary Downtown
Unsere Mittagspause verbrachten Caren und ich wie die Pause an meinem allerersten Arbeitstag: Im Baraka Pizza und Suppe essend. Außerdem fuhren wir nochmals mit dem Fahrstuhl auf den Tower hoch und genossen nochmals die atemberaubende Aussicht auf die Stadt.
auf dem Glasfloor des Towers - ein ganz klein wenig beängsitgend ;)
Blick vom Tower nach Südosten der Stadt
Danach bin ich alleine ins Glenbow-Museum gelaufen, um noch ein paar Broschüren zu besorgen. Als ich wiederkam, gab es für mich noch eine riesige Überraschung. Ich habe nicht nur ein super schönes Zertifikat erhalten, sondern auch ein Notizbuch von Tourism Calgary und ein original Calgary White Hat! Seitdem laufe ich die ganze Zeit durch die Gegend und erzähle Caren und Marc immer und immer wieder stolz von meinem Cowboy-Hut. Die beiden freuen sich immer und immer wieder über die lustige Story, dass ich am paradetag erst gar keinen Hut aufsetzen wollte, bis ich die einzige ohne Hut war. Dafür war ich dann am Freitag die einzige, die mit Hut durch die Straßen gelaufen ist, obwohl die Stampede ja schon wieder längst vorbei ist. Aber vorher habe ich noch meine letzte Kundin beraten, was etwas verwirrend war, weil sie aus China kam und ich ihr doch gleich erst einmal die Chinatown von Calgary empfohlen habe. Anschließend musste ich mich dann leider auch schon von Mikki verabschieden und Caren und ich fuhren nach meinem letzten Arbeitstag nach Hause. Auf dem Weg hielten wir noch kurz an einer Bahnstation von der man einen wunderschönen Blick über die gesamte Skyline der Stadt hat und einkaufen waren wir auch noch.

Ich als stolze Besitzerin eines Calgary White Hats vor der Skyline von Calgary

Abends konnte ich meine übriggebliebenen Nudeln vom Restaurant machen und Marc mixte mir noch einmal einen leckeren Erdbeer-Smoothie. Caren und ich haben auch noch Toffifee-Schokopudding gemacht während wir den Film „6 Days 7 Nights“ anfingen zu gucken.
meine Gasteltern und ich vor dem Lake Louise
Am Samstag war dann wieder einmal ein großer Tagesausflug angesagt. Marc, Caren und ich fuhren mit dem Auto zum wunderschönen Lake Louise und sind von da aus eine Stunde lang bis zum Lake Agnes 3,4 km weit und 400 hoch gewandert, was echt anstrengend aber auch ein tolles Erlebnis war.  Dort oben war es ziemlich windig, also machten wir eine Pause im Teehaus, bevor wir die ganze Strecke wieder hinunterliefen.



Auf dem Rückweg fuhren wir auch noch durch die schöne kleine, aber von Touristen überfüllte Stadt Banff durch. Abends bekamen wir Besuch von Alex, dem Pauker des Calgary Philharmonic Orchestras. Mit ihm grillten wir und ich probierte Elch-Fleisch und aß wieder einen mega leckeren Maiskolben. Alex fragte mich, was die Unterschiede von Kanada und Deutschland wären, was nicht gleich einfach zu beantworten war. Zum einen gibt es in Kanada eine komplett andere und viel schönere Landschaft als zu Hause und zum anderen ist es hier nicht so überfüllt. Hier leben alle in weniger Stress und mit mehr Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Geduld. Als wir alle vier schön auf der Terrasse saßen, landete plötzlich ein Drache im Garten und Alex und Caren sprangen sofort, wie die kleinen Kinder, auf um ihn aufzuheben. Alex war schließlich schneller und hatte sichtlich Spaß daran, den Drachen wieder fliegen zu lassen. Da wir noch einen weiteren Drachen hoch oben am Himmel sichten konnten, beschlossen wir, alle zusammen nach dem Abendessen dort hin zu laufen, woher der zweite zu kommen schien. Also machten wir noch einen kleinen Rundgang in der Siedlung, bis wir die Kinder mit den Drachen sahen. Das eine Mädchen erkannte den von uns gefundenen Drachen als das Spielzeug ihres Bruders, aber verschenkte ihn sofort an ein weiteres Mädchen, das noch keinen besaß. Das hat Alex natürlich mega geärgert, denn dann hätte er ihn sichtlich lieber selbst behalten. So ein Spielekind! =D Als wir abends noch vor dem Kamin saßen, an welchem sich Alex erst einmal fast verbrannt hatte,  hörten wir auf einmal mehrere Knalle. Alex, der erst vor zweieinhalb Jahren aus den Staaten ausgewandert war vermutete sofort, dass wer mit einer Pistole schießt. Doch dann fanden wir heraus, dass es ein großes, langes und überwältigendes Feuerwerk vom Ranchhaus in Cochrane war. Dieses konnten wir perfekt vom Haus aus beobachten und so standen wir zu viert am Fenster im Schlafzimmer nach draußen starrend. Ein wundervoller Abschied für mich. Später lud Alex uns noch dazu ein, in den nächsten Tagen mal in die Konzerthalle zu kommen und ihn zu besuchen. So werde ich morgen auch noch eine Privatführung in den Räumen des Orchesters bekommen.
Heute habe ich dann erst einmal wieder so richtig ausgeschlafen und anschließend mit meinen Eltern und ein paar Freunden telefoniert. Zum Frühstück gab es total leckeres selbstgemachtes French Toast, was ich vorher auch noch nicht kannte. Dann kam Caren mit einer weiteren tollen Überraschung für mich um die Ecke. Sie schenkten mir ein Buch mit vielen tollen Bildern der Stadt und ein paar Zeilen von meinen Gasteltern und meinen Kollegen für mich. Ich war total gerührt und möchte mittlerweile immer weniger hier wegfliegen. Heute genießen wir dafür noch einen ruhigen Tag und morgen werde ich dann langsam anfangen zu packen. Im Moment weiß ich gar nicht, wo ich mit meinen ganzen Sachen hin soll. Wahrscheinlich muss ich meine kompletten Klamotten hier lassen, damit ich die ganzen tollen Geschenke in meinem Koffer bekomme…

Jenny

„Nicht der Wind, sondern die Segel bestimmen den Kurs“


Sommerreise auf der Thor Heyerdahl - Teil 1 (01.07. - 06.07.2013)


Ob dieser Spruch wirklich der Wahrheit entspricht?! Wie man‘s nimmt würde ich an dieser Stelle einfach mal so sagen. Für mich ging es jedenfalls in diesem Jahr wieder auf die Thor Heyerdahl zum Segeln. Zwar nicht drei Wochen, wie in den letzten zwei Jahren, aber immerhin zwei, mit genauso viel Spaß, vielen neuen tollen Leuten und letztendlich doch noch in ein Land, welches ich noch nicht kannte. 
Geplant war es also, von Kiel aus, hoch in den Norden nach Larvik zu Segeln und wieder zurück. Larvik ist ein hübsches kleines norwegisches Städtchen mit wenig Tourismus und ein weiterer Besuch, nach nun schon drei, kann ja auch nicht schaden. Der Wind hatte dabei aber eher eine andere Planung... 
So segelten wir erst einmal los. Ja man höre wir sind zu diesem Zeitpunkt wirklich noch gesegelt, vielleicht nicht unbedingt schnell, aber langsam segeln geht ja auch. Wir sind die ersten drei Tage durch die Ostsee in den Norden geschippert, haben uns durch den kleinen Belt geschlängelt und sind im Kattegat angekommen. Dabei konnten wir sogar ein paar kleine Schweinswale sichten! Die schwachen, umlaufenden Winde hielten dennoch dauerhaft an... Immerhin meinte es die Sonne auch so gut mit uns und bescherte uns viel Zeit zum sonnen und entspannen an Deck. Um voran zu kommen braucht man aber trotzdem Wind, denn ohne Wind können uns auch die schönsten und größten Segel nicht in Richtung Norden bringen. Vielleicht versteht ihr jetzt was ich meine. Segel bestimmen nicht immer den Kurs und so musste Olga (die Maschine) ein paar Mal nachhelfen. Die Wettervorhersage versprach keine Besserung. Und so hätten wir die Segel noch so gut ausrichten können, wir wären nicht rechtzeitig in Larvik angekommen. Norwegen konnten wir somit vergessen. So blieb uns Schweden zur Auswahl. Wir entschieden vorerst einen Stopp in Göteborg einzulegen. Zu meiner Freude, da ich mir Schweden in den letzten zwei Jahren ja immer nur von der Küste aus anschauen konnte. Wenn ich hier von ‘Wir‘ spreche, meine ich natürlich die gesamte Besetzung, welche auf diesem Törn vom Alter her total gemischt war. Von 1 bis geschätzten 60 Jahren (vielleicht auch noch älter, aber da bin ich mir nicht so sicher ;D) war alles dabei und wir waren insgesamt 41 Leute an Bord, die sich allesamt nicht besser verstehen hätte können! 

Denkt man an Schweden denkt man an Elche, Pippi Langstrumpf und Steine. Ich zumindest. Mit Steine meine ich die berühmten schwedischen Schären. Und genau die liegen an der Westküste vor Schweden und so auch vor Göteborg. Also kam da bei mir doppelte Vorfreude auf, denn die wollte ich schon immer mal sehen! Das ich da direkt durchfahre würde, war immer nur ein Traum. Da wir uns erst gegen Abend Göteborg näherten und ich Wache 1 war, war es ziemlich dunkel und von den Schären nur was auf dem Radargerät zu erkennen. Ich würde es mit vielen kleinen und großen Klecksen beschreiben, die wir lieber nicht hätten anfahren sollen, denn schon ein kleiner Stein hätte die gleiche Wirkung, wie ein großer Eisberg... Die einst berüchtigte schwedische Schärenlandschaft, mussten wir uns so vorerst nur denken.

Nochmal kurz zur Erklärung: Da wir oftmals ununterbrochen fahren, muss auch zu jeder Zeit das Schiff gesteuert werden. Dafür gibt es ein Wachsystem. Auf diesem Törn hatten wir das 3-Wach-System. Heißt es gibt drei Wachen. Ich war Wache 1 und Wache 1 hat Wache von 12 - 16 Uhr am Tag und 00 - 04 Uhr in der Nacht. Das ist nicht unbedingt die beste Wachzeit, aber man gewöhnt sich dran und es gibt auch Vorteile, wie z.B. bis 10 Uhr ausschlafen, wenn man will und den Sternenhimmel und die Ruhe in der Nacht genießen können...und wer kann schon sagen das er einfach mal so vier Stunden in der Nacht wach ist und ein Schiff steuert. Wache zu gehen heißt übrigens nicht nur das Schiff zu steuern, sondern auch Ausguck zu gehen, Sicherheitsronden zu gehen, Wetter zu bestimmen, die Position in die Karte einzutragen und und und... Und mit den richtigen Leuten in einer Wache macht das auch noch eine Menge Spaß! :) 

Da wir ungefähr um 00:02 Uhr kurz vor Göteborg waren und man in der Nacht schlecht in einen Hafen einläuft, hieß es erst einmal ankern. Auch wenn beim Ankern nichts großartiges passiert, müssen auch hier immer mindestens zwei Personen sicherstellen, dass es der Thor quasi gut geht und wir auch da bleiben, wo wir den Anker haben fallen lassen. In dieser Nacht hatte mich das Los getroffen und während die anderen alle schliefen, haben die liebe Johanne und ich Göteborgs hell beleuchteten Skyline genossen und uns über den Sinn des Lebens unterhalten. Ab und zu kam ein großer Frachter recht nah an uns vorbei und wir haben uns gewünscht, dass dieser uns Schokolade vorbeibringt. Man sollte wissen, dass Süßigkeiten auf der Thor ein seltenes Gut sind und Vorräte schon nach vier Tagen schnell knapp werden und man nicht einfach schnell neue kaufen kann. Aber die Vorstellung blieb auch nur ein Wunsch... ;) Um 00:04 Uhr durften wir dann aber auch in die Koje. Ohne Schoki. Viel Zeit zum Schlafen blieb uns aber nicht, da wir relativ früh am nächsten Morgen in Göteborg anlegen wollten. Am nächsten Vormittag konnte ich dann zum ersten Mal schwedischen Boden unter den Füßen genießen. Laut Planung wollten wir am Abend wieder ablegen, da so ein Liegeplatz relativ teuer ist. Wir hatten also den ganzen Tag Zeit Göteborg zu erkunden. Unsere Gruppe, sprich Johanne, Giulia, Tobi und ich, hatten das Ziel, irgendwo in der Stadt echtes schwedisches Köttbullar zu essen! Das ganze ohne einen Stadtplan, vorerst ohne schwedische Kronen, nur mit einer riesigen Portion Motivation, Köttbular zu essen. Eigentlich gar nicht so schwer denkt man sich. Aber denken kann man viel. Denn nach gefühlten drei Stunden, 20 gefragten Leuten (alle aber sehr freundlich!) und dem Gefühl zwei Mal die Stadt komplett durchquert zu haben, war der Hunger zu groß und wir haben die Suche aufgegeben. Komisches Schweden muss ich an dieser Stelle mal sagen. Aber trotzdem sehr schön! Eigentlich wollt ich es gar nicht erwähnen, aber unser Ausweg war allen Ernstes Döner mit Pommes... immerhin waren wir danach satt. Trotzdem erwies sich Göteborg als eine wirklich schöne Stadt mit einem besonderen Charme, vielen kleinen Läden (durch die wir Tobi alle geschleppt haben ;D) komischen Fahrstühlen und interessanten Straßenbands. Ein RIESENeis (es war wirklich riesig!) rundete den Stadtgang ab und wir kamen am Nachmittag mit schmerzenden Füßen wieder auf der Thor an. Da die Sonne weiterhin schien haben wir es uns auf dem Deckshaus oder mittlerweile auch Sonnendeck gennant, gemütlich gemacht und urplötzlich spürte man einen leichten Windzug (der auch immer stärker wurde) im Hafen. Den, den wir die letzten Tage gebraucht hätten... Man könnte nun denken, der wäre perfekt zum weiter segeln, aber nichts da. Gegen den Wind segeln geht auch schlecht und so aus den Hafen und durch die Schären fahren ist noch schlechter. So blieben wir ungewollt bis zum nächsten Morgen im Hafen, wo von Wind natürlich keine Spur mehr war. Trotzdem sollte die Reise weitergehen. 

Laura

Die schwedische Gastlandflagge ist gehisst!

Die Thor in Göteborg.

 Ein Brunnen, in dem man anscheinend Seife geschüttet hat
und ziemlich viel Schaum daraus entstanden ist :D 
Das RIESENeis!!!

Es war eindeutig zu groß und so hab ich der Giulia einen Traum erfüllt.
      Sie wollte schon immer mal ein Eis auf der Erde zerdrücken und matschen...