Freitag, 12.06.201 – Tag 346
Ich hatte eigentlich geplant,
meine anderthalb Wochen in Toronto auch mit einer Tour ins Innere der Provinz
Ontario zu verbringen. Bekanntlich funktionieren meine Pläne ja nicht immer unbedingt und da leider momentan keine Touren außerhalb der Stadt angeboten
werden, blieb mir nicht viel anderes übrig, als die zehn Tage in Toronto zu
verweilen. Damit fand ich mich allerdings ganz schnell ab und verbrachte auch
einige Tage einfach damit, mich um Studienbewerbungen zu kümmern oder mit
anderen Leuten stundenlang zu quatschen. Im Hostel gab es einmal die Woche
einen Barbeque und beim Trivia-Abend ist mein Team leider kläglich gescheitert.
Dafür hat man vom Dach des Hauses einen tollen Blick auf die Stadt und sitzt
abends öfter draußen zusammen.
Vom Hostel aus ist es leider
eine ganz schöne Strecke zu laufen, egal wohin man will, und so komme ich fast
jeden Abend mit wunden Füßen zurück. In den ersten Tagen erkundete ich den
Kensington Market am Hostel, der sehr viele interkulturelle Geschäfte und
Restaurants beheimatet, Chinatown, Little Italy, den Queenspark und den
Shopping-District rund um das Eaton Centre. Daneben befindet sich der Dundas
Square, der als Picadilly Cicrus bzw. Timesquare Torontos bezeichnet wird. Zwar
ist dort meist etwas los und große Leinwände gibt es auch, aber als so
spektakulär um einen Vergleich zu ziehen, habe ich es dann doch nicht
empfunden. Auch die kleine Graffiti Alley findet man, bis auf ein wirklich
schönes buntes Haus in jedem Berliner Bezirk wieder.
| Großstadtfeeling |
An einem schönen sonnigen Tag
bin ich mit dem Bus raus aus der Stadt zum Highpark gefahren. Der Park ist
riesig und wunderschön. Ich war endlich mal wieder Geocachen, was ich in
Kelowna etwas vernachlässigt hatte. Überall hört und sieht man die
verschiedensten Vogelarten und man muss wirklich aufpassen, dass man nicht von
einem der vielen Squirrels und Chipmunks überrannt wird. Die farbenprächtigsten
Blumen blühen und Schwäne sonnen sich am großen Teich. Es hat mich ein wenig an
den Beacon Hill Park in Victoria erinnert, nur ist der Highpark bestimmt zehn
Mal so groß. Zudem gab es einen kleinen Zoo, den ich beinahe übersehen hätte,
und in dem sich Rentiere, Bisons, Lamas, einmal mehr Pampashasen und
Highland-Rinder zeigten. Insgesamt war es ein sehr gelungener Ausflug.
| Ich habe Euch einfach vieeeel zu lange kein süßes Sqirrel mehr gezeigt!! |
Leider ist hier nicht immer so
ein tolles Wetter. Gerade in den ersten Tagen und durchschnittlich bestimmt
fast jeden zweiten Tag regnet es sich hier richtig schön aus. Wegen des
schlechten Wetters musste auch das große Royal Ontario Museum ausfallen, da man
in dem Gewitter nicht einmal dort hinkam. Da wollte ich einmal kulturbewusst
sein. Dafür ging ich am Mittwoch in die Art Gallery (freier Eintritt lockte
mich dann doch…). Diese war im Gegensatz zu der in Edmonton sogar wirklich
sehenswert und sehr vielfältig. Besonders die Fotoreihe über ein polnisches
Ghetto in der Nazizeit war sehr interessant aber begeistert haben mich die
uneingeschränkten Stile, die in dem Gebäude wiedergespiegelt wurden. Bei der
Fotostrecke sind mir die beiden Deutschen Nico und Kevin aufgefallen, die auch
die Galerie besucht hatten und die ich ein paar Stunden später auf dem
Hosteldach wiedererkannt und kennengelernt habe. Durch die beiden bin ich am
Tag darauf gleich über drei Ecken zum Grillen eingeladen worden. So verbrachte
ich den Abend mit Regina, Nils, Nico und Kevin. Momentan trifft man hier auf
zwei Arten von Reisenden: Diejenigen, die nun ein Jahr im Land waren und kurz
vor ihrem Rückflug stehen, und, diejenigen, die vor einer Woche eingeflogen
kamen und immer noch voller Sorge auf ein Visum hoffen. So holten sich die drei
einige Tipps und Erfahrungen von Nils und mir beim Barbecue auf dem Dach mit
einer super Aussicht auf Downtown bei Nacht ein.
Die meisten Leute, die ich im
Hostel antreffe, bleiben nur für ein paar Tage. So wechseln meine
Zimmergenossinnen täglich. Anfangs habe ich mich mit der sehr liebenswerten
Brasilianerin angefreundet, die mich mit der Aussage geschockt hat, dass es in
ihrer Heimat keine Himbeeren gibt. Zwischendurch checkte Rebecca aus
Deutschland ein, welche die letzten Tage ihres Auslandsjahres in Toronto
verbrachte. Einige Nächte lang hatten wir eine Asiatin im Zimmer, die es für
nötig hielt, alle anderen fünf Mädels mitten in der Nacht aufzuwecken, da sie
den Raum nachts verließ, ohne ihre Türkarte mitzunehmen. Meist habe ich
allerdings etwas mit Anne unternommen, die nicht im Hostel gewohnt hat, sondern
die ich von meiner Arbeit in Vancouver kenne. Mit ihr habe ich an einem der
sonnigen Tage das kleine Fährboot zu den Toronto Islands genommen. Dort sind
wir für einige Stunden durch die grüne Natur und an den Stränden gelaufen und
hatten einen schönen Blick auf Torontos Skyline. Außerdem gab es einen kleinen
süßen Erlebnispark mit Bauernhof, an dem ich als Kleinkind wahrscheinlich die
totale Freude gehabt hätte.
Die letzten Tage habe ich hauptsächlich
damit verbracht, die komplette Innenstadt nochmals abzulaufen und ein bisschen
shoppen zu gehen. So laufe ich jetzt nur noch mit zerlöcherter Hose, Socken und
Jacke herum, aber immerhin haben meine Schuhe wieder eine durchgängige Sohle
und ich gefühlte tausend Blasen an den Füßen. Auch mit Anne habe ich mich
nochmal zum Abschied getroffen und ich bin viel mit meiner neuen Zimmergenossin
Sonia unterwegs gewesen. Sie ist die erste mit meinem Nachnamen, die ich abgesehen
von meiner Familie kenne, und arbeitet bei Kleiderkreisel. Da sie mit ganz
anderen Augen durch die Welt läuft, habe ich mit ihr Toronto auch nochmal in
einer ganz anderen und weniger touristischen Sichtweise kennengelernt.
| moderne Architektur |
Vorgestern habe ich im Hostel
aus- und im Hotel eingecheckt und bin anschließend zum Flughafen gefahren, um
meine Eltern abzuholen. Mit Mama und Papa erkundete ich in den letzten beiden
Tagen also alles nochmal im Schnelldurchlauf, was ich schon dreimal gesehen
hatte.
| Das alte Rathaus von Toronto - eines der schönsten Gebäude der Stadt |
Zusätzlich stand auch endlich der Besuch des CN-Towers auf dem Plan. Für
mich war dies besonders aufregend, da ich den „Edge Walk“ auf dem Turm gebucht
hatte. Dieser bestand daraus, bis über die normale Aussichtsplattform mit dem
Fahrstuhl nach oben zu fahren und dort draußen an einem Seil gesichert auf
einem Gitter um den Tower herum zu laufen. Das Ganze spielte sich in 356m Höhe
an der frischen Luft ab. Ich hätte erwartet ängstlicher zu sein, aber sobald
ich in der Vierergruppe oben war und es endlich losging, habe ich es richtig
genossen. Wahrscheinlich empfand ich die Höhe nach dem Besuch des Burj Khalifa
in Dubai nicht mehr ganz so besorgniserregend und daher war der Rest einfach
nur noch Spaß für mich. Adrenalin haben zusätzlich die verschiedenen
Aktivitäten dort oben gebracht. Diese bestanden hauptsächlich daraus, nur noch
mit der halben Schuhsohle auf dem Gitter zu stehen, also wirklich „on the edge“
zu laufen. Dabei durften wir uns ganz wie bei Titanic über die Stadt lehnen
beziehungsweise rückwärts in das Seil hängen und halb über Toronto schweben. Auf
diesem Weg habe ich die Stadt nochmal aus einer ganz anderen Perspektive
erlebt, die einfach mal etwas ungewöhnlicher war. Die Sicht auf Toronto, die
Toronto Islands und den Lake Ontario, der so riesig ist, dass man mit bloßem
Auge das andere Ufer nicht mehr wirklich erkennt, war ganz nebenbei erwähnt
natürlich auch klasse. Auf jeden Fall war es ein einzigartiges Erlebnis.
Insgesamt habe ich meine Zeit
in Toronto also sehr genossen und einige unvergessliche Momente gehabt, bevor
wir heute unser Wohnmobil abholten und nun unseren Roadtrip starten.
Jenny

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