Freitag, 26. Juni 2015

Camping in Ontario



Dienstag 16.06.2015 – Tag 350

Mit dem  gemieteten Wohnmobil ging es für meine Eltern und mich auf große Tour. Unsere erste Station war die Stadt Niagara Falls. Unser Campingplatz war mir viel zu touristisch. Demzufolge hätte ich erwartet, dass auch die Niagarafälle an sich extremst touristisch und von Menschenmassen überfüllt wären, nach allem was ich bisher gehört hatte. Allerdings war es verglichen zu meiner Vorstellung gar nicht mal so schlimm. Dafür waren die Fälle umso beeindruckender. Ich habe noch nie zuvor so große Wassermassen mit solcher Kraft herunterstürzen gesehen. Die Gischt, die das Wasser hervorrief, verdeckte die halben Fälle und ließ einen Regenbogen entstehen. Die Grenze zwischen Kanada und der USA liegt direkt im Niagara River und so gehören die Horseshoe Falls zur Kanadischen Seite und die American Falls zu den Staaten. Wir haben eine kleine Bootsfahrt zum Fuß der Wasserfälle gemacht, auf der wir die Wassermassen nicht nur gesehen, sondern auch deutlich gespürt haben. Dafür bekamen alle Passagiere ein knall rotes Regencape. Zum Glück wurde das Wetter im Laufe des Tages immer besser und wir sind nur vom Wasser der Niagara Falls nass geworden.

Horseshoe Falls bei gutem Wetter


Die Stadt Niagara hat viele verschiedene Themenparks und wird teilweise als das Las Vegas von Kanada bezeichnet. Wir entscheiden uns dafür, das Marine Land zu besuchen. Leider spielte das Wetter mal wieder überhaupt nicht mit. Dennoch brachten uns die vielen Beluga Wale, die Papa füttern konnte, viel Freude. Außerdem gab es eine mittelmäßige Delfinshow und sehr unnatürliche, sich menschlich bewegende Schwarzbären. Mich haben am meisten die Fahrgeschäfte begeistert, wenn auch im strömenden Regen.

Abends fuhren wir noch einmal zu den Wasserfällen der Stadt, welche im Dunkeln in den verschiedensten Farben angestrahlt werden. Außerdem gab es ein Feuerwerk Leider hat man weder die Niagara Falls noch das Feuerwerk richtig sehen können, da die Sicht vom Nebel, dem Wasserdunst der Fälle und dem Rauch des Feuerwerks ziemlich verschleiert war. So hörten wir nur das Rauschen des Wassers, das Knallen der Böller und der Himmel färbte sich ab und zu mal bunt. So entstand etwas das Gefühl vom Weltuntergang wenn dann doch mal einige Funken in der farbigen Wolkenwand auftauchten. So hatte das Ganze trotzdem irgendwie etwas Imposantes.

American Falls bei Nacht - für drei Minuten mal sichtbar
Nach einer Nacht auf dem Parkplatz sind wir gestern die meiste Zeit des Tages gefahren. Von Niagara Falls ging es 400km lang über Toronto nach Kingston. Allein von der Straße aus ist erkennbar, wie unterschiedlich die Natur in Ontario zu der im Westen ist. Zunächst mal gibt es ganz viel Wald. Die Bäume sind nicht sonderlich groß wie auf Vancouver Island beispielsweise. Hier gibt es eher niedrigen, aber sehr dichten Buschwald, der in einem sehr hellen grün die Umgebung aufhellt. Durch diese Vegetation sind wir vorhin mit einem Ausflugsdampfer auf dem St. Lawrence River im Gebiet der 1000 Islands, von denen es sogar fast doppelt so viele gibt, unterwegs gewesen. Es gibt einige größere Inseln, aber die meisten sind einfach nur winzig und niedlich. Viele davon sind im Privatbesitzt, mit einem kleinen Häuschen darauf und einer Anlegestelle für das Motorboot oder das private Wasserflugzeug. Nur einige Inseln sind als Nationalpark für die Öffentlichkeit ausgeschrieben. Wir sind nur drei Stunden durch die Insellandschaft durch gefahren, was sehr schön und vor allem zur Abwechslung mal sehr erholend war. Auf der Weiterfahrt haben wir außerdem den 1000 Islands Tower besichtigt und von dort einen Überblick über dieses Paradies gehabt.



Nach der stundenlangen Fahrt gestern machten wir einen Stadtrundgang durch Kingston. Wie wir im Rathaus gelernt haben, hat die Stadt eine große historische Bedeutung. Als Kanada noch nur aus den östlichen Provinzen bestand, war Kingston kurzzeitig die Hauptstadt des Landes, bevor sie von Ottawa abgelöst wurde. Zudem stammt der erste Premierminister John A. Macdonald aus Kingston. Das große weiße Rathaus mit dem Confederation Park davor an dem kleinen Bootshafen ist wahrscheinlich schon fast alles, was man sich als Touri in der Stadt mal angeguckt haben sollte. Dennoch sind wir etwas durch die Nebenstraßen gelaufen, sind an einigen Häusern aus der Hauptstadtzeit vorbeigekommen und haben zwei schöne Kirchen gesichtigt. Insgesamt scheint es, als ob die Stadt sich nicht ganz sicher ist, ob sie lieber amerikanisch oder europäisch sein will. Auf jeden Fall kann man gerne einen Tag zum Schlendern in Kingston verbringen und sich die älteren Gebäude anschauen und die Kleinstadtatmosphäre genießen. Für die nächste Nacht hatten wir das Wohnmobil wieder an einem Parkplatz direkt am Wasser abgestellt. 




Freitag, 19.06.2015 – Tag 353

Die letzten zwei Tage haben wir in der Landeshauptstadt Ottawa verbracht. Im Vergleich zu unserem Städtetrip hierher vor fünf Monaten ist es nun ungefähr 60°C wärmer. Ottawa hat nicht sonderlich viele Attraktionen und ist im Vergleich zu Toronto eine sehr ruhige Stadt. Ich stimme dem Blogeintrag meiner Zimmergenossin Rebecca aus dem Planet Traveler Hostel vollkommen zu: „Ottawa is not flashy and bright. It´s not Berlin or Paris; it doesn´t have to be; it´s just: Ottawa. And that´s perfectly fine.”

Zudem hielt die Stadt eine Überraschung für mich bereit, die sie sofort sehr sympathisch machte, als wir am Mittwoch am Parlamentsgebäude ankamen.  Einmal in der Woche wird auf der großen Wiese davor eine Yogastunde für die Öffentlichkeit veranstaltet. Über tausend Menschen finden sich in ihrer Mittagspause zusammen und folgen der Anleitung, die die Yogalehrerin durch die Lautsprecher gibt. Spontan habe ich mich all den Menschen angeschlossen. Die Yogarunde war zwar etwas größer als gewohnt, aber die Übungen waren mir bekannt und es ist echt motivierend sie mit so vielen Leuten zusammen auszuführen.

Ansonsten haben wir drei die Stadt zu Fuß erkundet. Wir schauten vom Peace Tower des Parliament Buildings auf Ottawa, liefen etwas am Rideau Canal entlang, aßen zu Mittag im ByWard Market und waren abermals in der Notre Dame und an der National Gallery gegenüber. Auf der Sparksstreet, die an die Stephen Avenue von Calgary erinnert, fand ein sogenanntes Ribfest statt. Verschiedene Stände standen im Wettbewerb um die leckersten Rippchen der Stadt. Zumindest war das Ganze etwas authentischer als das Mac & Cheese Festival.  






Gestern Nachmittag war der Eintritt in das große Museum der Zivilisation, in das wir ja schon im Januar wollten, kostenfrei. Die Ausstellung über die Natives war nicht gerade sehr aufregend, da mir diese Exponate zumeist schon aus British Columbia bekannt waren,  zumal sie da nicht nachgestellt gewesen waren. Die  temporären Ausstellungen über die Gründung Kanadas und den Nationalhelden Terry Fox, der mit einem künstlichen Bein durch das Land rennen wollte und es nur bis durch Ontario geschafft hatte, haben mich dann schon mehr interessiert. 

Der eigentliche Grund, für den wir nochmals nach Ottawa gekommen sind, war die Fußballweltmeisterschaft der Frauen. Auf ein paar französische und deutsche Spielerinnen sind wir schon vor dem Regierungsgebäude getroffen. Gut für die Stimmung ist es natürlich, dass von so ziemlich jeder Teilnehmernation auch einige Auswanderer in Kanada leben. Allerdings war die Zuschauerzahl im Vergleich zum Baseball geradezu lächerlich. Immerhin war das erste Spiel zwischen Frankreich und Mexiko, für das wir Karten hatten, spielerisch richtig gut und Frankreich hat sich mit einem 5:0 ins Achtelfinale geschossen. Das zweite Spiel zwischen Spanien und der Republik Korea hat dann schon mehr dem Klischee von Frauenfußball entsprochen. Das gesamte Spiel lang passierte nichts, aber nachdem Spanien den Ausgleich mit einem Elfmeter an die Latte in der letzten Minute nicht erzielte und das Spiel somit 1:2 ausging, herrschte eine Stimmung im Stadion, als wäre  Korea gerade Weltmeister geworden.

Das waren unsere Tage in Ottawa und nun geht es raus aus Ontario in die Provinz Quebéc.

Ich wurde mal eben vor dem Parlamentsgebäude und hunderten Yoga machenden Menschen vor dem Parliament Building mit den deutschen Spielerinnen fürs deutsche Fernsehen gefilmt.
Jenny

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