Montag, 20. April 2015

Pläne sind dafür da, um sie zu ändern



Dienstag, 14.04.2015 – Tag 287

Von Vancouver aus ging es zurück ins Innere der Provinz British Columbia nach Kelowna. Dort hatte ich eigentlich nur geplant, eine Nacht zu verbringe, doch das blieb dann nicht so ganz dabei. Ich checkte erst einmal im Kelowna International Hostel ein welches einfach super schön ist. An den Wänden stehen allerhand schöne Sprüche und hier gibt es jeden Morgen kostenlose Pancakes, die man sich allerdings selber braten darf. Am ersten Abend machte ich mich auf den Weg zum See die Straße hinunter und habe dort einen Spaziergang gemacht. Der See ist wirklich riesig und es war sehr schön, die Sonne hinter den Bergen verschwinden zu sehen. Außerdem habe ich eine Eule gesichtet, bei der man in der Dämmerung jedoch nicht sagen konnte, ob sie echt war oder nicht.


Sonnenuntergang am Okanagan Lake
Zurück im Hostel habe ich meine Zimmergenossin für die Nacht kennengelernt, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen sollte. Ronda aus Texas hat mir ihre wirklich extreme Lebensgeschichte berichtet, obwohl sie mich kaum kannte und ist überzeugte Christin. So hat sie mir viel über Religion und Gott erzählt und wir saßen noch bis Mitternacht bei McDonalds und haben in der Bibel gelesen. Wahrscheinlich zum ersten Mal habe ich darin überhaupt etwas verstanden. Zwar war die Situation schon irgendwie etwas absurd und ich war nach der langen Autofahrt auch etwas sehr geschafft, aber solch interessante Abende erlebt man nur selten. Sehr interessant war auch einfach, dass ich gerade von der religiösen Farm gekommen bin und nun auf eine weitere überaus religiöse Person getroffen bin. Am Morgen machten wir zusammen noch einen kleinen Ausflug zum Knox Mountain, von wo wir eine atemberaubende Aussicht auf Kelowna, den Okanogan Lake und die darumliegenden Berge genießen konnten. Anschließend mussten wir uns schon verabschieden und ich entschied mich, doch ein wenig länger in der schönen Stadt zu bleiben. 

Aussicht von Mount Knox
Nun bin ich seit ungefähr einer Woche hier auf Arbeitssuche. Das stellt sich allerdings als schwieriger heraus als gedacht, da mein Visum nur noch drei Monate gültig ist und die Arbeitgeber lieber Leute einstellen, die länger bleiben können. Allerdings ist das Verteilen von Bewerbungen auch gar keine so schlechte Möglichkeit um den Stadtkern zu erkunden und die Promenade mit der kleinen Marina am See ist auch wirklich schön. Hier ist einfach mal die Hälfte der Leute mit einem Skateboard unterwegs und das ist unter anderem eine Sache, die der Stadt einfach diesen ungewöhnlichen und lässigen Flair gibt, ganz abgesehen von der Landschaft natürlich. Gestern habe ich einen Job auf einem Weinberg ausprobiert, musste allerdings nach drei Stunden aufgeben, da ich einfach zu fertig und die Arbeit für mich zu körperlich anstrengend war. Es ging quasi darum zwischen den unzähligen Reihen die Sträucher und Stöcker weg zu harken und das war alles Für acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche. Ich war nach den ersten fünf Minuten schon komplett erschöpft. Der eine Typ, der schon seit ein paar Monaten dabei ist, meinte, dies sei die anstrengendste Aufgabe von allen und wenn man das kann, kann man auch alles andere. Blöd war nur, dass diese Aufgabe, die nächste Zeit lang andauern wird und so wurde meine Motivation dadurch nicht wirklich größer. Es fiel mir wirklich nicht leicht so früh schon aufzugeben, aber es ging einfach wirklich nicht. Als ich gekündigt habe, wurde mir noch mitgeteilt, dass ich länger durchgehalten habe, als die meisten anderen. Nach drei Stunden! Das muss man sich mal überlegen… Als ich noch auf dem Weinberg ins Auto gestiegen bin, habe ich einen Anruf vom Starbucks in der Nähe des Hostels und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen. Von daher war es ja gar nicht so schlecht, dass ich den Job genau in dem Moment aufgegeben hatte. So schlug ich noch am gleichen Tag beim Starbucks auf. Dieser war allerdings aufgrund eines Überfalls einfach mal kurzzeitig geschlossen und von der Polizei besetzt, sodass mein Gespräch erst einmal verschoben wurde. 

Auf einem der vielen Weinberge der Umgebung
So habe ich in den letzten Tagen mehr Zeit um was mit meinen Mitbewohnern aus dem Hostel zu machen. In der ersten Woche hatte ich hier so gut wie jeden Tag ein neues Mädchen als Zimmergenossin. Darunter war abgesehen von Ronda eine Asiatin aus Kamloops, eine belgische Mutter mit Tochter, eine merkwürdige Kanadierin, die am Folgetag eine Operation vor sich hatte, eine deutsche Wwooferin und eine weitere Deutsche auf der Durchreise. Ich glaube in genau einer Nacht hatte ich das Zimmer auch mal für mich. Seit gestern habe ich nun eine dauerhafte Mitbewohnerin aus Neuseeland namens Michelle, die die letzten Monate im Big White Ski Resort gearbeitet hat. Am meisten habe ich allerdings mit den Mitarbeitern der Unterkunft und den Leuten die im Hostel wohnen und in der Umgebung arbeiten zu tun, da diese nicht von Tag zu Tag wechseln.  Georg aus Dresden ist beispielsweise sehr gesprächig und verdient sein Geld mit dem Renovieren eines Hauses in der Stadt. Philipp kommt aus Quebec und macht eine mega Weltreise. Im Hostel arbeiten tut der Australier Matt, der sehr sehr gerne Gitarre spielt und die beiden Schwestern Patricia und Valeria, auch aus Quebec. Seit letzter Woche ist auch Paula aus Bayern in Kanada und sie hat auch einen Job im Hostel bekommen. 

Mit ihr war ich letzten Samstag zunächst auf dem lokalen Farmers Market (wo es eine sehr gute deutsche Brezel gab) und anschließend auf der Kangaroo Creek Farm in Lake Country. Dort konnten wir in ein riesiges Gehege mit Kängurus, Pampashasen und einem Emu. Alle diese Tiere konnten wir füttern und streicheln und wir waren einfach hochauf begeistert. Kängurus sind so super weich und total niedlich! Wir wollten am liebsten eins mitnehmen. Am besten eines der kleinen Babys, die wir auch auf dem Arm gehalten haben. Der Ausflug dahin war definitiv eines der Highlights von meiner bisherigen Zeit in Kanada. Im zweiten Gehege waren auch noch Hängebauchschweine, ein riesiger Truthahn und Pfaue, jedoch waren die vielen zahme Kängurus einfach die Hauptattraktion. 

Im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand gefressen
Totale Begeisterung über das süße, nur zwei Wochen alte Känguru

Später hieß es dann Shoppen gehen in der Orchard Plaza Mall, aber da wir eher auf dem Spartrip sind, gingen wir am nächsten Tag erstmal bei schönstem Wetter (wie hier fast jeden Tag) wandern. Zuerst erkundeten wir den Rundweg im Bear Creek Provincial Park, der einen Wasserfall, steile Felswände, wunderschöne gelbe Blumen überall wo man hin schaut und vor allem unfassbar tolle Aussichten auf das Tal zu bieten hat. 



Da Paula und ich anschließend noch Puste hatten, fuhren wir in den Kalamoir Regional Park und hingen gleich noch eine kurze Wanderung dran. Diesmal direkt am See in West-Kelowna zwischen abermals denselben schönen Blumen und Blicken auf das Wasser. Außerdem konnten wir einen weiteren Adler, Murmeltiere und farbenprächtige Schmetterling sichten. So erlebe ich hier Tag für Tag weitere Highlights.





Samstag, 18.04.2015 – Tag 291

Das Leben in Kelowna International Hostel wird langsam zum Alltag, aber dennoch nicht langweilig. Ob ich mit Paula nur durch Downtown und in ein sogenanntes Pulpfiction Café gehe, in dem es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch unzählige Antiquitäten und alte Bücher gibt, oder wir einfach nur im Hostel bleiben und uns ein tolles Essen zaubern, irgendwas schönes fällt uns immer ein. 

Auch mit Michelle aus meinem Zimmer verstehe ich mich super. Vor ein paar Tagen sind wir nach Peachland gefahren und haben das Parrot Island Sanctuary besucht. Dies ist ein Aufnahmezentrum für Papageien und andere exotische Vogelarten, die als Haustiere nach Kanada importiert und schließlich nicht mehr gewollt wurden. Wir hatten uns das Ganze eher wie einen kleinen touristischen Vogelpark vorgestellt. Im Endeffekt war es eher nur ein größerer Raum mit riesigen und vor allem stimm- bzw. schnabelgewaltigen Vögeln in relativ kleinen Käfigen. Schön sahen sie shcon aus mit ihrem bunten Federgewand, aber vor allem bei den Kakadus mit ihrem unglaublich ohrenbetäubenden Krächzen kann man schon irgendwie verstehen, warum sie dort abgegeben worden waren. Dafür habe ich papageien und Kakadus wirklich mal richtig sprechen hören und der eine hat uns sogar solange zugelabert, bis wir ihm zugestimmt haben, dass er ein schöner Vogel sei. 

Ein neugieriger Rio!
Umgeben von um Aufmerksamkeit schreienden Vögeln

Anschließend sind wir noch in das kleine Dorf von Peachland gefahren, das aus drei kleinen Läden und einer Touriinfo besteht, aber dafür eine wundervolle Atmosphäre am See zwischen den Bergen hat. Von einem kleinen Aussichtspunkt an der Straße konnten wir diese auch noch einmal von einer beträchtlichen Höhe aus bewundern. 




Gestern waren Michelle und ich nochmals am See hier in Kelowna und sind die Runde gelaufen, die ich am ersten Abend schon erkundet hatte, als ich noch fest davon ausging, nur für eine Nacht in der Stadt zu bleiben. Wir haben übrigens herausgefunden, dass die Eule nicht echt ist. Heute Nachmittag ging es dann zu einer kleinen Wanderung entlang eines Canyons, die eigentlich zu einem Wasserfall führen sollte, den wir leider nie erreicht haben, aber dafür mal wieder einen traumhaften Blick auf das Tal bekamen. Solche Blicke bekommt man hier echt ständig und von überall zu Gesicht und jedes Mal ist die Aussicht doch ein wenig anders und immer wieder überwältigend schön. So hielten wir auch noch an einem der vielen Weinberge an und genossen den Sonnenschein. Sonst verquatscht man einfach viel ziemlich Zeit im Hostel. Momentan ist das relativ überfüllt von Australiern aus Big White. 



Mein Vorstellungsgespräch bei Starbucks lief eigentlich richtig gut, abgesehen davon, dass sie niemanden einstellen, dessen Visum Anfang Juli anläuft. Dafür bin ich endlich mal dazu gekommen, meine Steuererklärung zu machen. Zudem habe ich dann einfach mal die Managerin im Hostel gefragt, ob sie noch Leute gebrauchen könnten und Patricia meinte, dass sie sogar schon an mich gedacht hatte. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, da Paula ja erst ihr angefangen hat und Philipp nun auch bald mithilft. Dennoch war ich gerne gesehen und so habe ich heute Morgen angefangen für meine Unterkunft zu arbeiten. Die Arbeit macht wirklich Spaß und ich mache kaum etwas, was ich nicht schon vorher auch getan habe. Es ist zwar nur ein Teilzeitjob und ich bezahle damit nur mein Bett, aber ich kenne meine Mitarbeiter schon und es ist echt nicht viel zu tun. Eigentlich geht es nur darum, die Kunden zu bedienen und einzuchecken, obwohl das auch mehr die Vollzeitangestellten übernehmen, und alles so sauber wie möglich zu halten. Heute habe ich mit Valerie zusammengearbeitet und wir hatten sogar so viel Zeit, dass sie mir ein wenig Französisch im Austausch für Deutschstunden beigebracht hat. Bald werde ich dann wahrscheinlich auch in einen der Mitarbeiterräume ziehen, da ich nun offiziell zum Team gehöre. So schnell können die Dinge ihren Lauf nehmen.

Hostelleben
Jenny


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